April 5, 2010 / 9:20 AM / 10 years ago

FOKUS3-Schweres Erdbeben erschüttert US-mexikanische Grenzregion

Riss im Asphalt einer Schnellstraße zwischen Tijuana und Mexicali am 5. April 2010. REUTERS/Jorge Duenes

Mexicali (Reuters) - Ein schweres Erdbeben hat die Grenzregion zwischen Mexiko und den USA erschüttert und für Angst und Schrecken gesorgt.

Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, etwa 100 weitere wurden verletzt. Zahlreiche Gebäude und Straßen wiesen teils schwere Schäden auf. Besonders betroffen war die mexikanische Grenzstadt Mexicali, wo die Stromversorgung zusammenbrach. Doch selbst in der US-Millionenmetropole Los Angeles, die 320 Kilometer nordwestlich vom Epizentrum des Erdstoßes der Stärke 7,2 liegt, gerieten mehrere Häuser am Sonntag ins Schwanken. Stundenlang kam es immer wieder zu kleineren Nachbeben. Auf den Schnellstraßen bildeten sich lange Staus, in denen Oster-Urlauber auf der Heimreise feststeckten.

“Das war gewaltig, als ob die Erde verrückt spielte”, sagte Channing Dawson, Feuerwehrmann in Calexico, der kalifornischen Grenzstadt gegenüber von Mexicali. Sein Haus habe gewackelt, Bilder seien von den Wänden gefallen und Fernseher umgekippt. Die Polizei riegelte mit Unterstützung der Grenzbeamten acht Straßenblöcke im Geschäftsviertel ab, weil mehrere Gebäude einsturzgefährdet waren. “Es geht jetzt vor allem um die öffentliche Sicherheit”, sagte Polizist Gonzalo Gerardo. “Wenn diese Bauten zusammenbrechen, können Menschen zu Schaden kommen. Wir haben viele Strukturschäden, richtig große Risse und zersplittertes Glas.” Außerdem müsse verhindert werden, dass Plünderer die Notlage ausnutzten.

Ähnlich sah es auf der mexikanischen Seite in und rund um Mexicali aus, wo rund eine Million Menschen leben. Viele Gebäude wiesen nach dem Hauptbeben, das die Erde am Nachmittag gegen 15.40 Uhr erstmals erzittern ließ, schwere Schäden auf. Mehrere Brände entstanden, Telefonleitungen brachen zusammen, Menschen blieben in Fahrstühlen stecken. Nach Angaben des mexikanischen Zivilschutzes starb mindestens ein Mann, als ein Haus einstürzte. Ein weiterer Mensch kam am Abend bei einem Autounfall ums Leben, der sich offenbar ereignete, weil die Straßenbeleuchtung wegen des Bebens ausfiel. Viele Bewohner der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaats Baja California suchten Zuflucht bei Verwandten auf der US-Seite der Grenze.

Das Beben riss einen etwa ein Meter tiefen Graben in eine der wichtigsten Verkehrsadern der Region. Stundenlang steckten Autofahrer auf dem Highway zwischen Mexicali und der Grenzstadt Tijuana am Pazifik fest. Zu Engpässen kam es nach Angaben von Reisenden besonders an Tankstellen.

Im amerikanischen San Diego berichteten Augenzeugen von geplatzten Wasserleitungen. Das Beben habe Straßen so sehr erzittern lassen, dass es schwierig gewesen sei, nicht von der Fahrbahn abzukommen. “Ich zittere wie Espenlaub”, sagte Jean Nelson, die am Rande der kalifornischen Stadt Palm Springs lebt, etwa 190 Kilometer vom Epizentrum entfernt. “Das Wasser spritzte aus dem Pool in alle Richtungen.”

Das genaue Ausmaß der Schäden wird sich nach Einschätzung der Behörden wohl erst in den kommenden Tagen feststellen lassen. Das Epizentrum des Bebens lag etwa 50 Kilometer südöstlich von Mexicali in nur wenigen Kilometern Tiefe. Dass es gemessen an der Stärke nach ersten Eindrücken vergleichsweise glimpflich ausging, änderte jedoch nichts daran, dass die Nerven bei vielen Bewohnern der Region blanklagen. Sie fühlten sich erinnert an die schweren Erdbeben in Haiti und Chile in den vergangenen Wochen. Südkalifornien liegt in einem Gebiet, das bereits mehrmals von starken Beben heimgesucht wurde und in dem es immer wieder zu kleineren Erdstößen kommt. Geologen schließen nicht aus, dass es wie zuletzt 1994 erneut zu einem folgenschweren Beben kommen kann. Damals starben 57 Menschen bei Erdstößen der Stärke 6,7, 9000 wurden verletzt. Der Sachschaden belief sich auf 40 Milliarden Dollar.

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