April 10, 2013 / 11:50 AM / 6 years ago

Studie: Vergewaltigungsopfer in Konfliktzonen überwiegend Kinder

London/Berlin (Reuters) - Die meisten Opfer sexueller Gewalt in Konfliktzonen sind nach Angaben der Hilfsorganisation Save the Children Kinder.

Ihr Anteil liege bei mehr als 50 Prozent, in einzelnen Ländern sogar noch erheblich höher, teilte die Organisation am Mittwoch mit. Viele Kinder würden nach ihrer Vergewaltigung getötet, andere würden verschleppt und von bewaffneten Truppen oder anderen Gruppen missbraucht. Einige Opfer seien nicht älter als zwei Jahre. Zu ihren Peinigern zählten Lehrer, religiöse Führungspersönlichkeiten und Angehörige von Friedenstruppen.

Der britische Außenminister William Hague kündigte an, auf dem G8-Treffen mit seinen Kollegen aus den wichtigsten Industrieländern in London am Donnerstag eine Erklärung zu dem Thema verabschieden zu wollen. In dieser Woche solle der erste Schritt getan werden, “um eine der übelsten Praktiken in der modernen Kriegsführung zu beenden und damit auch einen der Hauptgründe zu beseitigen, warum die verschiedenen Bevölkerungsgruppen nach Konflikten so schwer wieder zusammenfinden”, schrieb Hague in einem Gastbeitrag für die “taz”.

VERGEWALTIGUNG ALS KRIEGSWAFFE

In vielen Konflikten der letzten 20 Jahre, von Bosnien bis Ruanda und von Libyen bis Sierra Leone, sei Vergewaltigung bewusst als Waffe eingesetzt worden, um politische Gegner oder ganze ethnische oder religiöse Gruppen zu verletzen, erklärte Hague. “Solche Wunden verheilen nicht leicht, und sie hinterlassen Narben. Sie zerstören Familien und zersetzen Gemeinschaften.” Ähnliches spiele sich derzeit in Syrien ab, “von wo uns schreckliche Nachrichten erreichen über Vergewaltigungen und Folterungen von Zivilpersonen, über Gewaltakte, die nur dazu verübt werden, politische Gegner zu terrorisieren.”

Save-the-Children-Chef Justin Forsyth sagte, es sei schockierend, “dass Kinder in Konfliktzonen rund um die Welt in solch einem erschreckenden Ausmaß vergewaltigt und missbraucht werden”. So seien in Liberia laut einer Studie mehr als 80 Prozent der Missbrauchsopfer im Jahr 2011/12 jünger als 17 Jahre gewesen. Fast alle wurden vergewaltigt. Zu Sierra Leone lägen Angaben vor, wonach mehr als 70 Prozent der Opfer sexueller Gewalt Mädchen unter 18 waren, und mehr als ein Fünftel davon war sogar jünger als elf.

Eine der großen Schwierigkeiten sei es, Beweise zu erbringen, die vor Gericht verwendet werden könnten, erklärte Hague. Allein in der Demokratischen Republik Kongo seien seit 1996 eine halbe Million Frauen vergewaltigt worden, doch nur ein Bruchteil dieser Fälle komme vor Gericht. “Dies verstärkt natürlich die Kultur der Straflosigkeit.” Das Problem müsse endlich angepackt werden. “Wir müssen uns nach Kräften bemühen, diesem abscheulichen Verbrechen, das schon so viele Opfer gefordert hat, ein Ende zu setzen, und zu verhindern, dass Vergewaltigungen je wieder als Kriegswaffe benutzt werden”, forderte Hague.

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