September 17, 2019 / 12:57 PM / a month ago

HINTERGRUND-Fondsmanager sehen Trend zu risikoärmeren Aktien nur als Strohfeuer

* Substanzaktien waren zuletzt stärker gefragt als Wachstumstitel

* Experten: Diese Entwicklung dürfte nicht von Dauer sein

* Wirtschaftsentwicklung bleibt ungewiss

New York/Frankfurt, 17. Sep (Reuters) - Sogenannte Wertaktien sind bei Investoren derzeit angesagt. Seit ein paar Wochen steigen die Kurse von als unterbewertet angesehenen Papieren etwa aus der Bank- oder Autobranche stärker als die der Börsenlieblinge aus dem Technologiesektor. Der entsprechende MSCI-Index hat seit Monatsbeginn deutlich stärker zugelegt als der gesamte Markt. Doch Fondsmanager zweifeln daran, dass die Kehrtwende von Dauer ist. Verantwortliche bei Fondsgesellschaften wie Hillman Funds, Artisan Partners oder Eaton Vance nutzen daher die jüngsten Kursanstiege für Gewinnmitnahmen.

Als Substanz- oder Wertaktien bezeichnen Anleger die Papiere von Firmen, die an gesättigten Märkten aktiv sind, bei denen nicht mit einem hohen Wachstum zu rechnen ist. Sie zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie im Vergleich zum Realwert des Unternehmens - den Immobilien, Patenten oder Fabrikanlagen - unterbewertet sind und über ein vergleichsweise niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis verfügen. Viele solcher Firmen zahlen auch regelmäßig Dividenden. Bei Abschwüngen sind ihre Aktien weniger stark von Kursverlusten bedroht. In diese Kategorie fallen etwa auch Energiekonzerne, Industriefirmen und Lebensmittelunternehmen. Im Gegenzug dazu versprechen sogenannte Wachstumsaktien hohe Umsätze und Gewinne in der Zukunft. Die Unternehmen stecken zum Teil aber noch in den roten Zahlen. Ein entsprechend höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis ist die Folge. In den vergangenen Jahren waren diese Aktien - etwa von Technologiekonzernen und Biotechnologieunternehmen - deutlich stärker gefragt als die Substanzaktien. Ein bekannter Investor, der vor allem auf Substanzpapiere setzt, ist Warren Buffett.

“WENIG INTERESSE AN LÄNGERFRISTIGEN ANLAGEN”

Die US-Geldhäuser Bank of America Merrill Lynch und JPMorgan gehen davon aus, dass der Richtungswechsel hin zu den Substanzwerten, der auch in Europa zu sehen ist, weitergehen könnte. Doch Investoren wie Aaron Dunn, bei der Gesellschaft Eaton Vance zuständig für Substanzwerte, sind skeptisch. Dunn beruft sich auf ein Brokerhaus, mit dem er zusammenarbeitet: Es gebe nur wenig Investoren, die an längerfristigen Anlagen interessiert seien. In einer Umfrage der Bank of America Merrill Lynch gaben nur sieben Prozent der Investoren an, dass sie für die kommenden zwölf Monate bei Substanzwerten mit höheren Kursgewinnen rechnen als bei Wachstumspapieren.

Seema Shah, Chefstrategin des US-Vermögensverwalters Principal Global Investors, sagt, der Anfang der jüngsten Rotation hin zu den Substanzaktien sei eher technischer Natur gewesen und lasse sich unter anderem durch extreme Bewertungen bei Wachstumstiteln erklären. Zudem sei plötzlich die Hoffnung auf eine Erholung des Wirtschaftswachstums aufgekommen, wegen Entspannungssignalen im Handelsstreit zwischen den USA und China und der Aussicht auf eine weltweite Lockerung der Geldpolitik. Aufkeimender Konjunkturoptimismus trieb in den vergangenen Wochen die Renditen von Staatsanleihen in die Höhe.

Doch klare Anzeichen für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft sind bislang Mangelware. “Das sieht eher wie eine Erholungspause als wie ein langanhaltender Trend aus”, sagte Jonathan Golub, Chefstratege für die USA bei Credit Suisse Securities. “Die Frage ist: Kann man an steigende Zinsen glauben, wenn alle Anzeichen darauf hindeuten, dass die Konjunktur bis Jahresende schwach bleiben wird?” (Reporter: David Randall und Christina Amann redigiert von Georg Merziger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern +49 69 7565 1232 oder +49 30 2888 5168.)

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