March 17, 2020 / 9:00 AM / 16 days ago

MÄRKTE-Frankreich und Belgien verbieten Wetten auf Kurssturz

Frankfurt, 17. Mrz (Reuters) - Nach dem Ausverkauf an den Börsen verbieten Frankreich und Belgien Wetten auf Kursverluste. Frankreich untersagte für Dienstag Leerverkäufe in 92 Aktien, wie die Finanzaufsicht AMF am Morgen mitteilte. Die belgische Finanzaufsicht verbot ebenfalls für Dienstag Leerverkäufe in mehr als einem Dutzend Papieren. Beide Behörden erklärten, damit einen “ungeordneten Kursverfall” verhindern zu wollen. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire hatte sich zuvor gegen eine komplette Schließung der Börsen ausgesprochen, weil andere Maßnahmen wie das Verbot von Leerverkäufen ergriffen werden könnten. Es sei wichtig, dass die Finanzmärkte offen blieben, damit Unternehmen richtig bewertet werden könnten, sagte Le Maire.

Mit Leerverkäufen wetten Anleger auf einen Kursverfall einer Aktie. Dabei verkaufen sie Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr leihen. Sinkt der Preis bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs dagegen, droht den Leerverkäufern Verlust.

Frankreich und Belgien stützten sich bei ihren Entscheidungen auf Artikel 23 der europäischen Leerverkaufs-Verordnung, der bei einem “ungeordneten Kursverfall” greift. In Deutschland müssen die Börsen entscheiden, ob sie auf dieser Grundlage ein Leerverkaufsverbot verhängen. Die Deutsche Börse bekräftigte am Dienstag, kein Leerverkaufsverbot zu planen. “Unser Schutzmechanismus, die Volatilitätsunterbrechung, verhindert einen ungeordneten Kursverfall. Deshalb ist grundsätzlich nicht mit einem Verbot von gedeckten Leerverkäufen seitens der Deutschen Börse zu rechnen”, sagte ein Sprecher. Auch gegen eine komplette Aussetzung des Handels hatte sich der Betreiber der Frankfurter Börse ausgesprochen. Gerade in turbulenten Zeiten sei eine transparente und faire Preisbildung erforderlich, wie sie an Börsen stattfindet. Die Londoner Börse LSE wollte sich zu einer möglichen Aussetzung des Handels nicht äußern. Sie verwies aber darauf, dass sie bei früheren extremen Börsenturbulenzen etwa während der Finanzkrise oder dem Schwarzen Montag von 1987 die Börse offen geblieben ist.

BÖRSE MANILA SCHLIESST

In den Philippinen schloss dagegen die erste Börse weltweit wegen des Coronavirus. Um die Sicherheit der Händler zu gewährleisten, werde der Handel an der Börse in Manila auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. In Deutschland hat die Frankfurter Börse die Präsenzpflicht für die sogenannten Spezialisten im Börsensaal bereits vergangene Woche aufgehoben. Der weit überwiegende Teil des Handels findet aber ohnehin über das elektronische Handelssystem Xetra statt. An der Börse Chicago wird nur noch elektronisch gehandelt, nachdem die CME vergangene Woche den berühmten Handelssaal wegen des Coronavirus geschlossen hatte.

Um Spekulanten schneller einen Riegel vorschieben zu können, hatte die europäische Wertpapieraufsicht ESMA am Montag beschlossen, dass Netto-Leerverkaufspositionen bereits ab 0,1 Prozent den nationalen Aufsichtsbehörden gemeldet werden müssen. Zuvor lag die Grenze mit 0,2 Prozent doppelt so hoch. (Reporter: Hans Seidenstücker, Sudip Kar-Gupta, Leigh Thomas, Karen Lema, Neil Jerome Morales, redigiert von Christina Amann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-7565 1236 oder 030-2888 5168)

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