March 5, 2018 / 11:10 AM / 3 months ago

FOKUS 1-Italiens Anleger fürchten nach Wahl politischen Stillstand

* Mailänder Börse fällt auf tiefsten Stand seit sechs Monaten

* Staatsanleihen unter Druck

* Experte: Hängepartie bei Regierungsbildung gefährdet Aufschwung

Frankfurt, 05. Mrz (Reuters) - Der Ausgang der Parlamentswahl hat die italienischen Finanzmärkte am Montag in Unruhe versetzt. Anleger befürchten nun eine längere politische Hängepartie. Die Mailänder Börse fiel in der Spitze um 2,1 Prozent auf 21.460 Punkte. Das war der tiefste Stand seit mehr als sechs Monaten. Am Rentenmarkt stiegen die Risikoaufschläge für zehnjährige Staatsanleihen. “Die Bildung einer handlungsfähigen Regierungskoalition ist vorerst nicht in Sicht”, konstatierte NordLB-Analyst Jens Kramer. Der drohende politische Stillstand könne den fragilen wirtschaftlichen Aufschwung Italiens abwürgen und die Verschuldungslage zuspitzen. Laut Zwischenergebnis haben die EU-kritische Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtsextreme Lega die Wahl gewonnen. Da aber keiner der drei großen Blöcke die nötige Mehrheit erreichte, dürfte die Regierungsbildung schwierig werden und sich hinziehen. Der Wahlausgang bedeute vor allem, dass neue Reformen für mehr Wachstum erst einmal in den Sternen stünden, sagte Volkswirt Carsten Brzeski von der Bank ING. Die nach Deutschland und Frankreich drittgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone hat sich konjunkturell zwar wieder gefangen - 2017 wuchs die Wirtschaft um 1,4 Prozent und damit so stark wie seit 2010 nicht mehr. Der Anstieg fiel aber gering aus, wenn man ihn mit dem kräftigen Aufschwung in der restlichen Eurozone vergleicht.

EURO KURZZEITIG UNTER DRUCK

Kopfschmerzen bereitete Anlegern der deutliche Wahlerfolg von Italiens Euro-feindlichen Parteien. EU-kritisch ist vor allem die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, die nach Angaben des Innenministeriums im Abgeordnetenhaus auf 32 Prozent kommt und damit stärkste Einzelpartei werden dürfte. Für den Euro ging es zu Wochenbeginn kurzzeitig bergab. Er fiel im frühen Handel auf 1,2270 Dollar von 1,2317 Dollar im Freitagsgeschäft.

Wesentlich stärker bekamen Aktien und Anleihen die Auswirkungen der Wahl zu spüren. An der Mailänder Börse hatten die Anleger vor allem Banken auf den Verkaufszetteln. Der Branchenindex fiel um bis zu 3,6 Prozent und markierte den tiefsten Stand seit knapp zwei Monaten. Am Rentenmarkt gerieten die Kurse der zehnjährigen italienischen Anleihen unter Druck. Im Gegenzug stiegen die Renditen um zehn Basispunkte auf 2,136 Prozent, den höchsten Stand seit Mitte Oktober. Großer Beliebtheit erfreuten sich dagegen deutsche Bonds, die von Anlegern gern als sichere Häfen angesteuert werden. Die Kurse stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite auf ein Ein-Monats-Tief von 0,595 Prozent. (Reporterin: Daniela Pegna, redigiert von Georg Merziger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-75651236 oder 030-28885168.)

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