May 25, 2018 / 12:45 PM / a month ago

HINTERGRUND-Italien-Krise dürfte nicht auf Südeuropa überschwappen

* Neue Regierungspartner in Rom verschrecken Bond-Anleger

* Anleger fürchten ausufernde Schuldenpolitik

* Einstige Krisenländer gegen Ansteckungsgefahr gewappnet

- von Daniela Pegna

Frankfurt, 25. Mai (Reuters) - Die Angst vor einer ausufernden Schuldenpolitik der Anti-Establishment-Parteien in Rom versetzt Anleger derzeit in helle Aufregung. Die Renditen italienischer Staatsanleihen sind deutlich in die Höhe geschossen - und mit ihnen die Bond-Renditen anderer südeuropäischer Länder wie Portugal und Spanien. Schnell werden Erinnerungen an die Schuldenkrise wach, als große Volkswirtschaften der Euro-Zone ins Fadenkreuz von Spekulanten gerieten und die Währungsunion vor einer schweren Belastungsprobe stand. So weit dürfte es diesmal allerdings nicht kommen, sagen Experten. “Die neue italienische Regierung spielt zwar mit dem Feuer - solange ein EU-Austritt des Landes aber kein ernsthaftes Thema ist, dürfte sich die Vertrauenskrise an den Märkten auf Italien beschränken”, prognostiziert NordLB-Volkswirt Jens Kramer.

Für Nervosität sorgen derzeit vor allem die Ausgabenpläne und Steuerkürzungsvorhaben der Parteien Lega und 5 Sterne, die zudem eine Überprüfung der EU-Haushaltspolitik sowie des Euro-Stabilitätspakts fordern. Die beiden wollen die Konjunktur mit “begrenzten” schuldenfinanzierten Ausgaben anschieben - obwohl Italien, gemessen an der Wirtschaftsleistung, nach Griechenland bereits die zweithöchste Staatsverschuldung in der Euro-Zone aufgetürmt hat. Aus Sicht vieler Analysten riskiert die künftige Regierung bei einer konsequenten Umsetzung der Wahlversprechen ein finanzpolitisches Chaos.

ITALIENISCHE BOND-RENDITE NOCH WEIT UNTER KRISEN-NIVEAU

Am Anleihemarkt verabschiedeten sich die Anleger in den vergangenen Tagen daher fluchtartig aus italienischen Staatsbonds. Die Renditen der zehnjährigen Titel - und damit auch die Kreditkosten des Landes - stiegen auf den höchsten Stand seit 14 Monaten. Die Anleihen warfen am Freitag in der Spitze 2,463 Prozent ab. Zum Höhepunkt der Schuldenkrise 2011 kosteten sie die Regierung in Rom allerdings mehr als sieben Prozent. Die Verzinsung der spanischen und portugiesischen Pendants kletterte zum Wochenschluss auf 1,436 beziehungsweise 1,947 Prozent.

Thomas Metzger von der Privatbank Bauer sieht trotz der höheren Risikoaufschläge keine neue Schuldenkrise am Horizont aufziehen. “Auch die neue italienische Regierung wird merken, dass im politischen Alltagsgeschäft nicht alle Forderungen und Vorstellungen umzusetzen sind”, sagt der Vermögensverwalter. “Wahrscheinlicher ist, dass Maximalforderungen aufgestellt werden, um dann kleine Siege zu erringen.” Insofern dürften sich die Renditeaufschläge bei italienischen, aber auch mögliche Ansteckungsgefahren für portugiesische und spanische Anleihen langfristig in Grenzen halten, sagt Metzger voraus.

SPANIEN UND PORTUGAL INZWISCHEN BESSER AUFGESTELLT

Dass einstige Sorgenkinder wie Spanien und Portugal aufgrund der Italien-Krise in Sippenhaft genommen werden, ist nach Einschätzung vieler Experten auch schon deshalb unwahrscheinlich, weil die wirtschaftliche Situation inzwischen eine völlig andere ist als noch zu Zeiten der Euro-Krise. “Die ehemaligen Krisenländer sind mittlerweile sehr viel besser aufgestellt”, sagt Kramer von der NordLB. “Und der Markt kann inzwischen differenzieren.” Spanien war zuletzt eines der am schnellsten wachsenden Euro-Länder, und auch Portugals Konjunktur läuft rund.

Allerdings zeichnet sich in Spanien eine Regierungskrise ab: Ministerpräsident Mariano Rajoy gerät wegen einer Korruptionsaffäre seiner konservativen Partei immer stärker unter Druck. Die oppositionellen Sozialisten kündigten am Freitag ein Misstrauensvotum im Parlament an, während Rajoys bisherige Verbündete, die liberalen Ciudadanos, Neuwahlen forderten.

Schlussendlich dürfte auch die EZB verhindern, dass die sich abzeichnende Konfrontation der italienischen Regierungsparteien mit der EU die Gemüter am Markt allzu sehr umtreibt und das Risiko einer neuer Staatsschuldenkrise befeuert. Aufgrund ihres seit März 2015 laufenden Anleihenkaufprogramms ist die Europäische Zentralbank (EZB) in den Köpfen vieler Anleger als Auffangnetz fest verankert. “Viele Investoren dürften darauf setzen, dass die Notenbank in einer Notlage eingreifen würde”, schreibt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen in einer Studie. Schließlich habe EZB-Präsident Mario Draghi im Juli 2012 versprochen, ein Auseinerbrechen der Währungsunion mit allen Mitteln zu verhindern. “Und ein Italien in Finanznöten würde genau dieses Risiko heraufbeschwören”, betont Solveen. (Reporterin: Daniela Pegna, redigiert von Georg Merziger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069-75651236 oder 030-28885168.)

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