July 8, 2013 / 12:15 PM / 6 years ago

Osram-Börsengang lohnt sich für die Siemens-Aktionäre

Frankfurt (Reuters) - Der Börsengang von Osram hat sich für die Aktionäre von Siemens schon am ersten Handelstag gelohnt.

Packages with 30 watt light bulbs of lamp manufacturer Osram inside are pictured in a shop in Germering near Munich November 28, 2012. Siemens AG is expected to publish details of the long-awaited spin-off of Osram on Wednesday after its supervisory board meets to set out a future course for the lighting unit. In a separate meeting on Thursday, Osram's supervisory board is expected to approve plans for a restructuring programme costing 500 million euros and thousands of jobs, sources have said. REUTERS/Michaela Rehle (GERMANY - Tags: BUSINESS ENERGY) - RTR3AYN7

Der erste Kurs der Aktie des Leuchtmittelherstellers, die für einen Tag im deutschen Leitindex Dax enthalten war, blinkte bei 24 Euro auf der Frankfurter Kurstafel auf. Damit lag er zwar fast ein Viertel unter der Bewertung aus einem Gutachten, das Siemens vor der Abspaltung seiner Tochter vorgelegt hatte. Doch die Aktie des Münchener Technologiekonzerns stieg am Montag um 1,4 Prozent auf 78,75 Euro, statt wie erwartet zu fallen. Bis zum Mittag rutschten Osram bis auf 23,50 Euro ab. Die “geschenkten” Osram-Aktien eingerechnet, haben die Siemens-Aktionäre damit trotzdem 4,6 Prozent gewonnen. Offensichtlich sind sie erleichtert, den Umbau des Münchener Traditionsunternehmens nicht länger mitfinanzieren zu müssen.

Mit dem ersten Kurs an der Frankfurter Börse wird Osram mit 2,5 Milliarden Euro bewertet - knapp über dem Wert, mit dem die Tochter in den Büchern von Siemens stand, aber weit unter den 3,2 Milliarden, die ein Gutachten im Siemens-Auftrag ergeben hatte. “Das ist eine Momentaufnahme”, sagte Osram-Finanzvorstand Klaus Patzak der Nachrichtenagentur Reuters. “Das ist nur der erste Schritt auf einer langen Reise. Der Erfolg lässt sich erst in einigen Monaten beurteilen. Wenn wir gut arbeiten, werden sich die Dinge von selbst bewegen.”

Osram steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau. 2011/12 schrieb das Unternehmen rote Zahlen, im laufenden Geschäftsjahr (per Ende September) soll eine schwarze Null zu Buche stehen, bei einem allenfalls leichten Umsatzwachstum. “Wir bewegen uns im Plan, die Ziele zu erreichen”, sagte Patzak. Elf Werke werden geschlossen, 8000 Stellen fallen bis 2014 weg. “Aus heutiger Sicht ist das ausreichend”, betonte der Finanzchef. Herkömmliche Glühlampen dürfen in Europa zum Teil nicht mehr verkauft werden. Die Zukunft bei Osram gehört der LED-Technik, Leuchtstoffröhren und Halogenlampen bringen aber immer noch Umsätze.

BÖRSE IN ORANGE

Schon am Wochenende hatte Osram die Fassade der Frankfurter Börse in der Unternehmensfarbe orange erstrahlen lassen. Am Montag läutete Vorstandschef Wolfgang Dehen die Börsenglocke. Er verspricht sich von der Abspaltung von Siemens mehr Freiheit bei Investitionsentscheidungen. Bisher hatte das Unternehmen mit den anderen Siemens-Sparten um das Geld des Konzerns buhlen müssen. “Ein Investitionsrückstau ist aber nicht entstanden”, betonte Finanzchef Patzak. “Siemens hat uns eine ausgezeichnete Startposition verschafft.”

Nach einem gescheiterten Anlauf von Osram an die Börse hatte Siemens entschieden, 80,5 Prozent der Aktien der Tochter einfach in die Depots der Siemens-Aktionäre zu buchen. Sie erhielten für je zehn Papiere eine Osram-Aktie, Siemens behält 17 Prozent, der eigene Pensionsfonds bekommt 2,5 Prozent.

Bei ihrem Debüt war Osram für einen Tag der 31. Wert im Leitindex Dax. Nach der Kursentwicklung von Osram und Siemens am Montag berechnet die Deutsche Börse das künftige Gewicht von Siemens im Dax neu. Viele Siemens-Aktionäre - Experten schätzen bis zu 50 Prozent - wollen oder müssen ihre Osram-Aktien schnell wieder loswerden, etwa weil diese nicht in einen Dax-Indexfonds passen. Osram hatte deswegen im Börsenprospekt selbst vor einem Kursrutsch gewarnt. Bis zum Mittag wurde etwa ein Zehntel der 84 Millionen frei handelbaren Osram-Papiere umgesetzt, Aktien für nahezu 200 Millionen Euro wurden gehandelt.

Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg machen Osram Mut: Auch wenn die meisten Abspaltungen Notlösungen seien, weil sich das Geschäft anders nicht verkaufen oder an die Börse bringen lasse, entwickelten sich diese Aktien nur kurzfristig schwächer als die der Mutter, schreibt Analyst Berndt Fernow in einer Studie. “Schon nach drei Monaten wird daraus aber ein Vorsprung, der über Jahre sukzessive weiter wächst.” Ein Grund dafür sei, dass “die Ex-Töchter auf sich gestellt ihr Geschäft leichter und stringenter reorganisieren (können), da sie nun keine übergeordneten Rücksichten mehr zu nehmen haben”.

Für Aktienhändler Stefan Chmielewski von Lang & Schwarz stehen ebenfalls die positiven Vorzeichen im Vordergrund: “Der Kurssturz ist ausgeblieben. Ich sehe auch keinen Grund, warum es in den kommenden Tagen dazu kommen sollte. Der Kurs scheint bei 23 Euro gut unterfüttert.” Gerade der anfängliche Verkaufsdruck bietet laut LBBW später Chancen für steigende Kurse. So war es 2005 bei Lanxess gewesen, der ungeliebten Chemietochter von Bayer. Sieben Jahre später zog sie in den Dax ein.

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