January 30, 2019 / 10:37 AM / 20 days ago

FOKUS 1-Neue Brexit-Beschlüsse lassen Anleger ratlos zurück

* Unterhaus will Brexit-Deal nachverhandeln

* Absage an chaotischen Brexit und an Verschiebung des Austritts

* Britische Großkonzerne profitieren von Pfund-Talfahrt (Neu: Aktien, weitere Analystenstimmen)

Frankfurt, 30. Jan (Reuters) - Mit seinen jüngsten Beschlüssen zum Brexit erntet das britische Unterhaus Kopfschütteln bei Börsianern. “Premierministerin Theresa May hat die Rückendeckung des Parlaments für etwas, von dem jeder weiß, dass die EU dem nicht zustimmen wird”, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Die Ratlosigkeit der Anleger spiegelte sich im Kurs des Pfund Sterling wider. Es rutschte zunächst um rund einen US-Cent auf 1,3055 Dollar ab und verteuerte sich bis zum Mittwochvormittag wieder auf 1,3106 Dollar. Damit kostete die Währung aber immer noch rund einen halben US-Cent weniger als vor der Abstimmung am Dienstagabend. Der britische Leitindex stieg um 0,9 Prozent. Die im “Footsie” notierten Konzerne profitieren von einer Abwertung der Währung, weil sie einen Großteil ihres Geschäfts im Ausland machen.

Die britischen Abgeordneten stimmten für einen Antrag, die in dem bereits ausgehandelten Brexit-Deal vereinbarte Regelung für die irische Grenze - den sogenannten “Backstop” - durch alternative Mechanismen zu ersetzen. Zwar lehnten sie in einer weiteren Entschließung einen ungeordneten Brexit ab, ein Antrag auf Verschiebung des offiziellen Austrittstermins Großbritanniens aus der EU fiel allerdings überraschend durch. EU-Ratspräsident Donald Tusk lehnte Nachverhandlungen der Scheidungsvereinbarung erneut ab.

BREXIT ODER KEIN BREXIT? DAS IST HIER DIE FRAGE

“Wir sind in Hinblick auf einen geordneten Brexit keinen Deut weiter”, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Angesichts dieser festgefahrenen Situation ist die Gefahr eines No-Deal-Brexit ironischerweise keinesfalls geringer geworden.” So lange sich die britische Politik aus ihrer Sackgasse nicht befreie, sei ein ungewollter EU-Austritt am 29. März ohne Regelungen für das künftige Verhältnis nicht auszuschließen.

Anlagestratege Yukio Ishizuki vom Brokerhaus Daiwa äußerte sich optimistisch, dass der Brexit-Termin noch verschoben wird. “Das Hauptaugenmerk liegt darauf, wann und wie darüber entschieden wird.” Die Verlängerung der Verhandlungsfrist würde aber auch die Phase der Unsicherheit verlängern, warnte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Das würde Investitionen und Wachstum bremsen.”

Den Experten der Bank Goldman Sachs ist die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten Brexit nach den Unterhaus-Abstimmung auf 15 von zehn Prozent gestiegen. Schließlich hätten die Abgeordneten dies Option bislang nicht komplett ausgeschlossen. Gleichzeitig taxierten sie die Chance auf einen Exit vom Brexit nur noch auf 35 statt 40 Prozent.

Reporter: Hakan Ersen, redigiert von Christina Amann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 069 - 7565 1236 oder 030 - 2888 5168.

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