December 27, 2008 / 12:04 PM / in 10 years

Luftangriffe auf Gazastreifen - Mehr als 155 Tote

Gaza (Reuters) - Die israelische Armee hat am Samstag mit Kampfjets und Hubschraubern den Gazastreifen bombardiert.

Smoke rises after an Israeli bomb exploded in Beit Lahiya in the northern Gaza Strip December 27, 2008. Israel's air force fired about 30 missiles at targets in the Gaza Strip on Saturday, destroying several Hamas police compounds and killing more than 140 people, medical officials and witnesses said. REUTERS/Amir Cohen (GAZA)

Mindestens 155 Menschen sind dabei ums Leben gekommen; mehrere Polizeistationen und andere Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas wurden zerstört. Es war der verlustreichste Tag für die Palästinenser im Nahostkonflikt seit mehr als 20 Jahren. Die israelische Armee erklärte, die Aktion

habe “terroristischer Infrastruktur” gegolten. Israel sei entschlossen, bei Notwendigkeit seine Militäroperationen noch auszudehnen und zu intensivieren. Der Angriff war eine Reaktion auf den fortgesetzten Beschuss israelischer Städte und Dörfer durch palästinensische Extremisten aus dem Gazastreifen heraus. Diese kündigten Rache an und schossen umgehend wieder Raketen auf den Süden Israels. In der Stadt Netiwot wurde dabei ein Mensch getötet.

In Israel waren in den vergangenen Tagen die Forderungen nach Militärmaßnahmen gegen die Hamas immer lauter geworden, nachdem der Süden des Landes binnen einer Woche mehr als 200 Mal aus dem Gazastreifen heraus beschossen worden war. Ein ohnehin brüchiger Waffenstillstand war von der Hamas vor wenigen Tagen nicht verlängert worden. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte die Hamas gewarnt, dass eine Fortsetzung des Beschusses israelischer Städte zu militärischen Gegenmaßnahmen führen würde. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte dazu: “Es gibt Zeiten, da ist Zurückhaltung angebracht, und es gibt Zeiten, wo man kämpfen muss. Jetzt ist der Moment für den Kampf gekommen.” Er werde nicht leicht und nicht kurz werden.

HAMAS-FÜHRER UNTER DEN TOTEN

In Gaza-Stadt sagte ein Sprecher der Hamas-Polizei, unter anderem sei ein Polizeigelände in Gaza-Stadt beschossen worden, wo gerade eine Abschlussfeier für Polizeischüler stattgefunden habe. Unter den Toten sind nach Angaben von Medizinern auch Polizeichef Taufik Dschabber, der Gouverneur von Zentral-Gaza und ein Sicherheitschef der Hamas. Das Hauptquartier der Polizei wurde zerstört.

Ein Reuters-Reporter sah, dass auch Hafenanlagen von Gaza-Stadt und Sicherheitseinrichtungen der Hamas schwer beschädigt wurden. Über der Stadt stand schwarzer Rauch. Autos und Rettungswagen rasten durch die Stadt, um Verletzte ins Krankenhaus zu bringen. Auf den Straßen lagen Tote, viele in Uniformen.

Die Hamas und andere radikale Palästinensergruppen drohten Israel umgehend mit Vergeltung: Die Hamas werde “dem Feind eine Lektion erteilen, die er niemals vergisst”, sagte ein Sprecher der Organisation. Ein Vertreter der Gruppe Islamischer Dschihad erklärte, alle Kämpfer hätten den Befehl, “auf das Schlachten Israels” zu reagieren.

STEINMEIER: ISRAEL HAT EIN RECHT AUF SELBSTVERTEIDIGUNG

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier billigte Israel das Recht auf Selbstverteidigung zu, mahnte zugleich aber Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung an. Es sei an der Hamas, den Raketenbeschuss auf Israel sofort einzustellen. “Für die einseitige Aufkündigung der Waffenruhe mit Israel durch die Hamas fehlt der Bundesregierung jedes Verständnis”, sagte der SPD-Politiker der Zeitung “Bild am Sonntag”. Hamas müsse den Raketenbeschuss auf Israel sofort und dauerhaft einstellen.

Auch die USA forderten Israel auf, bei ihren Angriffen auf die Hamas Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Um die Gewalt zu stoppen müsse aber die Hamas aufhören, Israel mit Raketen zu beschießen, erklärte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush. Wenn die Hamas in der Zukunft des palästinensischen Volkes eine Rolle spielen wolle, müsse sie ihre terroristischen Aktionen beenden.

Die Europäische Union (EU) forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Beide Seiten sollten größtmögliche Zurückhaltung üben, sagte ein Sprecher des Außenbeauftragten Javier Solana.

Russland erklärte, umfangreiche Militäraktionen gegen den Gazastreifen müssten beendet werden, da sie schon zu großem Leid in der Zivilbevölkerung geführt hätten. “Gleichzeitig appellieren wir an die Hamas-Führung, den Beschuss Israels zu beenden”, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas rief die internationale Gemeinschaft auf, zu intervenieren, um “die israelische Aggression” zu stoppen.

Ägypten verurteilte die israelischen Angriffe. Gleichzeitig versprach Präsident Husni Mubarak weitere Anstrengungen zur Wiederherstellung eines Waffenstillstands. Die Außenminister arabischer Länder wollen nach Angaben der Arabischen Liga am Sonntag oder Montag in Kairo zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Liga-Generalsekretär Amr Mussa sprach von einer Katastrophe für die Menschen im Gazastreifen.

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