July 21, 2014 / 12:53 PM / 4 years ago

Bereits über 500 Tote im Gaza-Konflikt

- von Nidal al-Mughrabi und Crispian Balmer

An Israeli mobile artillery unit fires towards the Gaza Strip July 18, 2014. Israel stepped up its ground offensive in Gaza early on Friday pounding targets with artillery fire and using tanks and infantry to battle Hamas fighters. Orange flashes illuminated the eastern Gaza Strip as Israeli gunboats off the Mediterranean coast fired shells and tracer bullets, and helicopters fired across the border. Hamas fired rockets back into Israel towards the southern towns of Ashdod and Ashkelon. Palestinian health officials said 23 Palestinians had been killed since Israel launched its ground offensive against the densely-populated strip of 1.8 million Palestinians on Thursday. Israel said one of its soldiers had been killed in fighting. REUTERS/Nir Elias (ISRAEL - Tags: POLITICS CIVIL UNREST MILITARY TPX IMAGES OF THE DAY) - RTR3Z6IL

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Der seit zwei Wochen andauernde Konflikt zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen hat bereits mehr als 500 Menschen das Leben gekostet.

Die israelische Armee tötete am Montag nach eigenen Angaben mindestens zehn Hamas-Kämpfer, die durch zwei Tunnel in Israel eingedrungen waren. Erneut wurden auch Zivilisten Opfer der israelischen Angriffe auf vermutete Stellungen der Hamas, die wieder Raketen nach Israel feuerte. Der UN-Sicherheitsrat verlangte eine sofortige Waffenruhe. US-Außenminister John Kerry und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wurden zu neuen Vermittlungsgesprächen in der Region erwartet.

Erklärtes Ziel der seit Donnerstag laufenden Boden-Offensive der israelischen Armee ist es, die weitläufigen Tunnelsysteme der Hamas zu zerstören. Durch die Schächte war es am Morgen zwei Gruppen palästinensischer Kämpfer gelungen, in den Süden Israels einzudringen. Die israelische Armee erklärte, die eine Gruppe sei aus der Luft beschossen worden, die andere von Bodentruppen. Berichte über israelische Opfer kommentierte die Armee nicht. Die Hamas erklärte, sie habe ein Armeefahrzeug zerstört.

FAST 100 KINDER GETÖTET

Auch die israelischen Bombenangriffe forderten neue Opfer. Nach Angaben palästinensischer Ärzte starben an der Grenze zu Ägypten 28 Mitglieder einer Familie. Im nahe gelegenen Chan Junis seien zehn Angehörige einer anderen Familie durch Bomben getötet worden. Damit haben nach palästinensischen Angaben seit dem Beginn der Kämpfe vor zwei Wochen 496 Palästinenser ihr Leben verloren, darunter nahezu 100 Kinder. Auf israelischer Seite starben nach dortigen Angaben 18 Soldaten und zwei Zivilisten.

Trotz des weltweiten Rufs nach einer Einstellung der Kämpfe ist eine Entspannung bisher nicht in Sicht. “Das ist nicht die Zeit, um über einen Waffenstillstand zu sprechen”, sagte der israelische Kommunikationsminister Gilad Erdan, der auch dem Sicherheitskabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angehört. “Wir müssen die Mission beenden, die erst erfüllt ist, wenn die Bedrohung durch die Tunnel beseitigt ist”, sagte er.

“Wir werden so lange weitermachen wie nötig”, hatte zuvor auch Netanjahu gesagt. In den schlimmsten Kämpfen seit fünf Jahren waren allein am Sonntag nach palästinensischen Angaben im Stadtteil Schedschaia 50 Palästinenser getötet und 400 verletzt worden. Dort kamen auch 13 israelische Soldaten ums Leben. Zwei von ihnen waren nach US-Angaben US-Staatsbürger. Ob sie auch einen israelischen Pass hatten, war unklar. Ein Armee-Sprecher sagte, Schedschaia bleibe ein Schwerpunkt der Boden-Offensive.

Die Hamas erklärte, sie habe einen Soldaten gefangengenommen und zeigte Bilder von Ausweispapieren, nicht aber den Mann selbst. Ein israelischer Militärsprecher schloss nicht aus, dass es einen Gefangenen gebe. Zuvor hatte Israels UN-Botschafter die Darstellung der Hamas noch zurückgewiesen. Die Gefangennahme eines Soldaten würde den Druck auf Netanjahu voraussichtlich erhöhen, die Boden-Offensive weiter zu verstärken

Die Hamas feuerte erneut Raketen auf israelische Orte. Davon seien mindestens neun vom Raketenschutzschild “Iron Dome” abgefangen worden, sagte ein israelischer Armeesprecher. Immer wieder schrillten Sirenen, die Menschen flüchteten in Bunker.

Die Hamas gab sich siegesgewiss. “Israel hat einen schrecklichen Fehler begangen”, sagte ein Hamas-Sprecher: “Wir raten ihnen, ihre Soldaten zurückzuziehen, bevor wir weitere gefangennehmen.” Mit 13 Toten an einem Tag hatte die israelische Armee am Sonntag die schwersten Verluste seit 2006 erlitten. Viele Flaggen wehten auf halbmast. Forderungen von israelischen Meinungsführern nach einem Ende der Kämpfe gab es aber nicht.

UN FORDERN SCHUTZ VON ZIVILISTEN

Der UN-Sicherheitsrat zeigte sich sehr besorgt über die Eskalation der Gewalt. Die wachsende Zahl von Opfern sei beunruhigend. Die Mitglieder des Sicherheitsrates forderten eine sofortige Beendigung der Feindseligkeiten. Außerdem müsse das Völkerrecht - vor allem zum Schutz von Zivilisten - respektiert werden, sagte Ruandas UN-Botschafter Eugene Gasana.

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte, die USA seien sehr in Sorge, dass die Lage weiter eskalieren könnte. Kerry wollte zunächst mit Regierungsvertretern in Kairo beraten. Ägypten hat mehrfach erfolgreich zwischen Israel und der Hamas vermittelt. Am Sonntag hatte Kerry gesagt, er unterstütze die Bemühungen Israels, das Tunnelsystem zu zerstören. Nach Angaben der israelischen Armee wurden bisher 43 Eingänge zu 16 verschiedenen Tunneln ausfindig gemacht.

Neben den USA dringen auch Ägypten, Katar und Frankreich auf eine diplomatische Lösung. UN-Generalsekretär Ban wollte am Montag in Katar Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sowie hochrangige Vertreter der Hamas treffen. In Doha hatte Ban gefordert: “Wir müssen das Blutvergießen jetzt stoppen.” Ban wird der UN zufolge in den kommenden Tagen auch Kuwait, Ägypten, Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien besuchen.

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