May 15, 2018 / 8:23 AM / 2 months ago

Warnungen vor weiterer Gewalt im Gazastreifen

Gaza (Reuters) - Nach den Protesten vom Montag mit 60 Toten warnen die Vereinten Nationen und Russland vor weiterer Gewalt im Gazastreifen.

A smoke from the tear gas fired by Israeli troops can be seen from the Israeli side of the border between Israel and Gaza, at the northern Gaza Strip, May 14, 2018. REUTERS/Amir Cohen

“Wir sind extrem besorgt über das, was im Verlauf des Tages noch passieren könnte”, sagte ein Sprecher des UN-Menschenrechtsbeauftragten in Genf. Am Dienstag begehen die Palästinenser den “Tag der Katastrophe”, mit dem sie an ihre Vertreibung im Zuge der Staatsgründung Israels 1948 erinnern. An der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel blieb es zunächst weitgehend ruhig.

Russland rief zu Zurückhaltung in Nahost auf. Alle Länder sollten auf Handlungen verzichten, welche Spannungen wie am Montag provozieren könnten, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes. Konkret sprach er die Entscheidung der USA an, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Die Eröffnung der US-Vertretung am 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels hatte die Gewalt zusätzlich geschürt. Die Palästinenser betrachten Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates.

Die UN forderten eine unabhängige Untersuchung der “entsetzlichen tödlichen Gewalt” vom Montag. Die Zahl der Toten stieg mittlerweile auf 60, darunter mehrere Kinder. In der Nacht zum Dienstag starb ein acht Monate altes Mädchen, das Tränengas eingeatmet hatte. Seit Beginn der Protestes im März wurden nach Angaben von Medizinern 104 Palästinenser getötet; aus Israel gibt es keine Berichte über Tote.

Mehr als 2200 Palästinenser wurden durch Schüsse oder Tränengas verletzt. Ein Großteil der Verwundeten werde lebenslang an den Folgen der Verletzungen leiden, teilte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mit. In einem der Krankenhäuser sei die Lage ähnlich chaotisch gewesen wie nach den Bombardierungen während des Krieges im Jahr 2014, als ein massiver Andrang von Verletzten innerhalb weniger Stunden das medizinische Personal überwältigt habe. Mindestens 1000 Kinder seien in den vergangenen sechs Wochen verletzt worden, teilte die Hilfsorganisation Save the Children mit. “Die Situation im Gazastreifen verschlechtert sich rasch, und wir sind zutiefst besorgt über die physischen und auch psychologischen Folgen, welche die gegenwärtige Gewalt für Kinder und Familien hat”, sagte Jennifer Moorehead, bei der Organisation zuständig für die Palästinensergebiet.

Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Das Gebiet, das mit 360 Quadratkilometern nur wenig größer ist als Bremen, wird von Israel und Ägypten blockiert und ist Schauplatz einer humanitären Krise. Die seit dem 30. März andauernden Proteste stehen unter dem Motto “Der große Marsch der Rückkehr”. Die Gebiete, aus denen Palästinenser vor 70 Jahren vertrieben wurden, liegen inzwischen in Israel.

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