February 21, 2018 / 5:35 PM / 4 months ago

Sorge vor erneuter Verschleppung von Schülerinnen in Nigeria

Bauchi (Reuters) - Nach einem Angriff der Islamistenmiliz Boko Haram auf ein Dorf in Nigeria wächst die Sorge, dass die Extremisten erneut zahlreiche Schulmädchen entführt haben.

Some of the 106 girls who were kidnapped by Boko Haram militants in the Nigerian town of Chibok look through a set of photographs during the the send-forth dinner organised for them in Abuja, Nigeria September 13, 2017. REUTERS/Afolabi Sotunde

Am Dienstag seien 91 Schülerinnen nicht zum Unterricht erschienen, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen. Augenzeugen zufolge hatte die Miliz am Montagabend die Ortschaft Dapchi in dem nordöstlichen Bundesstaat Yobe angegriffen. Sie sei direkt zu der örtlichen Schule gefahren. “Ich habe Mädchen gesehen, die in drei Fahrzeugen saßen und um Hilfe riefen”, sagte ein Augenzeuge aus einem Nachbarort. Er wurde nach eigenen Angaben gezwungen, den Angreifern einen Fluchtweg zu zeigen und anschließend freigelassen.

Es war Reuters zunächst nicht möglich, die Angaben unabhängig zu bestätigen. Polizei und das örtliche Bildungsministerium erklärten, es habe keine Entführungen gegeben. Mehrere Eltern sagten allerdings Reuters, ihre Kinder würden vermisst. Die Insider, Eltern und Augenzeugen äußerten sich vertraulich, weil sie nach eigenen Angaben von den nigerianischen Behörden aufgefordert wurden, den Fall nicht öffentlich zu machen. Zwei Personen sagten, die Sicherheitskräfte hätten eine Suchaktion gestartet.

Sollten die Mädchen tatsächlich entführt worden sein, wäre es der größte derartige Fall seit 2014, als mehr als 270 Schülerinnen in der Ortschaft Chibok von den Extremisten gekidnappt wurden. Der Fall löste weltweit Entsetzen aus.

Der Polizeichef von Yobe, Sumonu Abdulmaliki, sagte am Dienstag, Boko Haram habe keine Mädchen in Dapchi entführt. “Sie haben Schüsse abgefeuert und die Stadt in der Nacht Richtung Gaidam verlassen, (...) wo sie drei Menschen entführt haben”, sagte er. Auch das Bildungsministerium des Bundesstaats erklärte, es gebe keine Bestätigung für eine Entführung. Die Schule bleibe aber eine Woche lang geschlossen.

Seit Beginn des Aufstands der Extremistenmiliz 2009 sind mehr als 20.000 Menschen ums Leben gekommen, zwei Millionen wurden vertrieben. Von den 270 Mädchen, die im April 2014 in Chibok entführt wurden, gelang etwa 60 kurze Zeit später die Flucht. Weitere wurden später freigelassen. Ungefähr 100 dürften sich aber noch in der Gewalt der Extremisten befinden. Hilfsorganisationen sprechen von Tausenden weiteren entführten Erwachsenen und Kindern.

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