October 8, 2009 / 12:06 PM / 9 years ago

Literatur-Nobelpreis für Rumäniendeutsche Herta Müller

Romanian-born German writer Herta Mueller is surrounded by media before a news conference in Berlin October 8, 2009. Mueller, who charted the hardships and humiliations of Nicolae Ceausescu's brutal regime, won the 2009 Nobel literature prize for depicting the 'landscape of the dispossessed'. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY ENTERTAINMENT SOCIETY)

Stockholm (Reuters) - Der Literatur-Nobelpreis 2009 geht an die in Rumänien geborene Deutsche Herta Müller.

Mit der in Berlin lebenden Autorin werde eine Schriftstellerin geehrt, “die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet”, begründete die Königlich-Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm ihre Entscheidung. Der Preis ist mit zehn Millionen Schwedischen Kronen dotiert, was umgerechnet 972.000 Euro entspricht.

“Ich glaube es noch immer nicht. Es ist noch nicht im Kopf angekommen”, sagte die Dichterin am Abend in Berlin. “So etwas habe ich nicht erwartet, und ich brauche noch Zeit, um das einzuordnen.”

Bundespräsident Horst Köhler würdigte in einem Glückwunschschreiben, dass Müller immer wieder “gegen das Vergessen angeschrieben und so an den hohen Wert der Freiheit erinnert” habe. “Ihre Literatur ist geprägt von den Erfahrungen, die Sie selber in Rumänien mit der kommunistischen Diktatur gemacht haben. Sie haben immer wieder detailliert und ergreifend geschildert, was ein Unrechtssystem in den Herzen und Seelen der Menschen anrichtet.” Es sei “eine besonders glückliche Fügung, dass Sie die höchste Auszeichnung, die ein Schriftsteller bekommen kann, gerade in diesem Jahr erhalten, in dem wir an das Ende der Diktaturen in Osteuropa vor zwanzig Jahren erinnern”.

AUFGEWACHSEN IN DER DIKTATUR

Müller wurde 1953 in einem deutschsprachigen Ort im Banat in Rumänien geboren. Ihre Eltern gehörten der dortigen deutschsprachigen Minderheit an. Der Vater hatte im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gedient, die Mutter wurde wie viele Rumäniendeutsche 1945 in die Sowjetunion deportiert und war fünf Jahre in einem Arbeitslager in der jetzigen Ukraine interniert. In ihrem jüngsten Roman “Atemschaukel” (2009) verarbeitete Müller dies zu einer Schilderung des Exils der Rumäniendeutschen in der Sowjetunion.

Während ihres Studiums Mitte der 70er Jahre in Timisoara stand Müller der Aktionsgruppe Banat nahe, einem Kreis junger deutschsprachiger Autoren, die in Opposition zur Diktatur für Meinungsfreiheit eintraten. Nach Abschluss ihres Studiums verlor sie aufgrund ihrer Weigerung, mit der Geheimpolizei zusammenzuarbeiten und Spitzeldienste zu leisten, ihre Stelle als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik. Danach war sie Schikanen der Geheimpolizei ausgesetzt. Wegen ihrer Kritik an der Diktatur wurde sie in Rumänien mit einem Publikationsverbot belegt. Sie verließ 1987 mit ihrem Mann das Land.

Müller ist die zwölfte Frau, die mit dem Literatur-Nobelpreis geehrt wird. Die letzten Preisträger aus dem deutschen Sprachraum waren die Österreicherin Elfriede Jelinek 2004 und Günter Grass 1999.

Am Montag waren die Preisträger für den Medizin-Nobelpreis bekanntgegeben worden, am Dienstag die für Physik und am Mittwoch die für Chemie. Insgesamt werden jedes Jahr sechs Preise im Namen des schwedischen Geschäftsmanns und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel vergeben.

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