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Nordkorea meldet erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe
3. September 2017 / 08:15 / in 3 Monaten

Nordkorea meldet erfolgreichen Test einer Wasserstoffbombe

Seoul (Reuters) - Nordkorea hat am Sonntag seinen bislang stärksten Atomtest vorgenommen und dabei nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet, die als Sprengkopf für seine Interkontinentalraketen dienen soll.

North Korean leader Kim Jong Un provides guidance on a nuclear weapons program in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang September 3, 2017. KCNA via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. NO THIRD PARTY SALES. NOT FOR USE BY REUTERS THIRD PARTY DISTRIBUTORS. SOUTH KOREA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SOUTH KOREA. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS.

Die Stärke des heftiges Erdbeben in der Region des nordkoreanischen Testgeländes könnte Seismologen zufolge ein Indiz für eine Wasserstoffbomben-Explosion sein. Die Erschütterungen waren auch im benachbarten China zu spüren. In der Grenzstadt Yanji heulten die Alarmsirenen. Die Atomsicherheitsbehörde des Landes kündigte Strahlenmessungen entlang der Grenze an. Der Atomtest könnte zu einer dramatischen Verschärfung in den Beziehungen Nordkoreas zu den USA führen. US-Präsident Donald Trump erklärte, Beschwichtigung funktioniere nicht, denn die nordkoreanische Führung “verstehe nur eines!”. Was er damit meinte, ließ er offen. Kürzlich hatte er angekündigt, die Provokationen Nordkoreas mit “Feuer und Zorn” zu stoppen.

In seiner ersten Reaktion bezeichnete Trump Nordkorea als Schurkenstaat, dessen Worte und Taten weiterhin sehr feindselig und bedrohlich für die USA seien. Im Laufe des Tages war ein Treffen Trumps mit seinen Sicherheitsberatern geplant. US-Finanzminister Steve Mnuchin kündigte ein Paket weiterer Sanktionen an.

Weltweit wurde der neue Atomtest scharf verurteilt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderten härtere Sanktionen der EU. Außenminister Sigmar Gabriel sprach von einer ernsten Bedrohung für den Weltfrieden. Es gehe nun darum, gemeinsam eine besonnene, aber eindeutige Antwort zu finden.

China verurteilte den Atomtest. Nordkorea solle dieses falsche Vorgehen sofort beenden, erklärte die Regierung in Peking. Russland äußerte sich besorgt über diese “Verletzung des Völkerrechts”, die zu verurteilen sei. Es forderte alle Seiten zu Verhandlungen auf. Sie seien der einzige Weg, die Probleme auf der koreanischen Halbinsel zu lösen. Russlands Präsident Wladimir Putin und Chinas Präsident Xi Jinping berieten am Rande des Brics-Gipfels in Xiamen über die neue Lage. Beide seien sich einig, darauf angemessen zu reagieren und dafür in engem Kontakt zu bleiben, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nannte die Politik Nordkoreas eine Bedrohung der regionalen und internationalen Sicherheit. Er appelliere an die Führung in Pjöngjang, ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen. Die Internationale Atomenergieorganisation in Wien sprach von einem “extrem bedauerlichen Akt”, der den wiederholten Forderungen der Staatengemeinschaft völlig zuwiderlaufe.

NORDKOREA: TEST WAR EIN “VOLLER ERFOLG”

Der von Machthaber Kim Jong Un angeordnete Test einer Wasserstoffbombe sei ein “voller Erfolg” gewesen, verkündete das staatliche Fernsehen Nordkoreas. Es habe sich um einen bedeutsamen Schritt zur Vollendung des Atomwaffenprogramms gehandelt. Die Bombe sei für die neuen interkontinentalen Langstreckenraketen (ICBM) entwickelt worden. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur KCNA ein Foto verbreitet, das Kim bei der Inspektion einer Wasserstoffbombe zeigen soll, “die auf der neuen ICBM installiert werden soll”. Eine Wasserstoffbombe beruht auf dem Prinzip der Kernfusion, wie er in der Sonne stattfindet. Sie ist um ein Mehrfaches stärker als eine Atombombe.

Eine Bestätigung, dass es sich bei dem Test tatsächlich um die Detonation einer Wasserstoffbombe gehandelt hat, gab es zunächst nicht. Experten in mehreren Ländern hielten dies angesichts der Stärke der Erschütterung von 6,3 aber für wahrscheinlich. Auch die Regierung Japans erklärte, eine Wasserstoffbombe als Sprengsatz könne nicht ausgeschlossen werden. Bereits vor mehr als einem Jahr verkündete Nordkorea den Test einer solchen Bombe.

Ein US-Regierungsexperte für Nordkorea sagte, man könne die Behauptung Nordkoreas noch nicht bestätigen, dass es jetzt eine Wasserstoffbombe entwickelt habe, die auf einer ICBM eingesetzt werden könne und mit der auch ein Wiedereintritt in die Erdatmosphäre gelinge, ohne dass sie verglühe.

NORDKOREA TESTETE KÜRZLICH INTERKONTINENTALRAKETEN

Nordkorea hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die mehr als 10.000 Kilometer fliegen und damit ganz Asien und weite Teile des US-Festlands erreichen könnten. Unter Kim unternimmt das arme Land große Anstrengungen, Atomwaffen zu entwickeln, die mit solchen Raketen verschossen werden können. Unmittelbar vor dem neuen Atomtest hatte Trump mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe telefoniert und nach Angaben des Präsidialamtes über gemeinsame Reaktionen mit Südkorea auf die nordkoreanischen Bedrohungen beraten.

Nach dem Bericht von KCNA hat Nordkorea alle Komponenten der Wasserstoffbombe selbst entwickelt und gebaut, und zwar auf der Basis der Dschutche-Ideologie. Dabei handelt es sich um eine vom Staatsgründer Kim Il Sung entwickelte Weltanschauung absoluter Eigenständigkeit, eine Mixtur aus Marxismus und einem extremen Nationalismus. Nach offizieller Darstellung dient das Rüstungsprogramm dazu, eine Aggression der USA abzuwehren.

Der UN-Sicherheitsrat hat das Atomprogramm Nordkoreas als Bedrohung für den Weltfrieden eingestuft und dem Land den Bau von Atomwaffen und Raketen untersagt. Weil Nordkoreas Führung diese Forderungen der internationalern Gemeinschaft ignoriert, wurden schon mehrfach Sanktionen verhängt und verschärft. Diese Strafmaßnahmen tragen auch Russland sowie China mit, das als engster Verbündeter Nordkoreas gilt.

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