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China und Russland warnen vor Eskalation in Nordkorea-Konflikt
4. September 2017 / 08:47 / in 22 Tagen

China und Russland warnen vor Eskalation in Nordkorea-Konflikt

FILE PHOTO: Intercontinental ballistic missiles (ICBM) are driven past the stand with North Korean leader Kim Jong Un and other high ranking officials during a military parade marking the 105th birth anniversary of country's founding father Kim Il Sung, in Pyongyang April 15, 2017. The missiles themselves were shown for the first time inside a new kind of canister-based launcher on Saturday. The trucks upon which they are mounted are originally designed to move lumber. REUTERS/Damir Sagolj/File Photo

Seoul/Washington (Reuters) - Nach den neuen Drohungen der USA mit einem Militärschlag gegen Nordkorea dringen Russland und China auf eine diplomatische Lösung des Konflikts.

Jeder ungeschickte Schritt könne in der gegenwärtigen Situation zur Explosion führen, warnte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow am Montag im chinesischen Xiamen. Der “Stärkere und Klügere” müsse Zurückhaltung üben, forderte er mit Blick auf die US-Angriffsdrohungen für den Fall, dass Nordkorea die USA oder einen Verbündeten bedrohten.

Die Schweiz bot als Vermittler an. Das Land könne Schauplatz für Gespräche der zuständigen Minister sein, sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard. Südkorea verstärkte als Reaktion auf den Atomtest des Nordens seine Verteidigungsbereitschaft. Dazu sollten auch US-Flugzeugträger und strategische Bomber in Südkorea stationiert werden, kündigte der Generalstab an. Aus Furcht vor einem militärischen Konflikt gaben Börsen weltweit nach.

In Seoul erklärte die südkoreanische Regierung, man richte sich auf weitere Raketentests Nordkoreas ein. Auch der Start einer neuen Interkontinentalrakete sei wahrscheinlich. Bei einem Manöver simulierten die südkoreanischen Streitkräfte einen Angriff auf Nordkorea. Zudem kündigte die Regierung an, das US-Raketenabwehrsystem THAAD trotz massiver Proteste der Nachbarn China und Russland zu stationieren.

Wegen der Provokationen des Nordens gerät auch Südkoreas Präsident Moon Jae In unter Druck. Er verfolgte bislang eine Politik des Drucks und des Dialogs. In sozialen Netzen nehmen aber die Forderungen zu, nunmehr eine härtere Linie zu fahren. “Sie haben gesagt, bei einem weiteren Atomtest wird es keinen Dialog mehr geben. Halten Sie Ihr Wort”, lautet einer von vielen ähnlichen Kommentaren auf der Facebook-Seite des Präsidenten.

Die weitgehend isolierte nordkoreanische Führung treibt die Entwicklung sowohl von Atomwaffen als auch von Trägerraketen mit Hochdruck voran. Der sechste Atomtest am Sonntag war deutlich stärker als frühere. Nach nordkoreanischen Angaben wurde dabei erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet.

“VIELE OPTIONEN, EIN LAND AUSZULÖSCHEN”

Die US-Regierung reagierte mit der Erneuerung scharfer Warnungen an die Adresse des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. Präsident Donald Trump erklärte, die USA würden sich und Verbündete “mit allen uns zur Verfügung stehenden diplomatischen, konventionellen und atomaren Mitteln” verteidigen. Verteidigungsminister James Mattis sagte, eine Bedrohung der USA oder ihrer Verbündeten werde eine “massive militärische Antwort nach sich ziehen, eine sowohl effektive als auch überwältigende Antwort”. “Wir wollen nicht ein ganzes Land auslöschen. Aber ... wir haben viele Möglichkeiten, es zu tun”, drohte Mattis. Nordkoreas Machthaber Kim hat für den Fall eines Angriffs wiederholt mit Gegenschlägen auf die USA gedroht und zuletzt einen Raketenbeschuss von Guam angekündigt, einem US-Militärstützpunkt im Pazifik.

Im Laufe des Montags sollte der UN-Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammentreten. Dabei soll es auch um eine weitere Verschärfung der Sanktionen gehen. Südkoreas Präsident Moon Jae In und Japans Regierungschef Shinzo Abe plädierten für ein Anziehen der Sanktionsschraube. Der Druck solle verstärkt werden, bis die Regierung in Pjöngjang bereit zum Dialog sei, erklärten sie nach einem Telefonat. In Diplomatenkreisen hieß es, neue Strafmaßnahmen der UN könnten die nordkoreanische Textilindustrie oder die Fluggesellschaft des Landes ins Visier nehmen. Die Bundesregierung kündigte an, sich gemeinsam mit Frankreich für weitere Sanktionen auf EU-Ebene einzusetzen.

China und Russland zeigten sich skeptisch gegenüber weiteren Sanktionen, schlossen diese aber nicht aus. Die schon verhängten Strafmaßnahmen hätten das Maximum dessen erreicht, was möglich sei, sagte Rjabkow. Alle weiteren hätten einzig den Zusammenbruch der gesamten nordkoreanischen Wirtschaft zum Ziel. Das chinesische Außenministerium erklärte, China setze darauf, dass sich alle Seiten zurückhielten. Es müsse nun darum gehen, die Temperatur zu senken und nicht darum, den Konflikt weiter anzuheizen, sagte ein Ministeriumssprecher in Peking. Die Haltung zu neuen Sanktionen hänge vom Ausgang der Beratungen im Sicherheitsrat ab.

In der Schweiz sagte Bundespräsidentin Leuthard: “Es ist nun wirklich Zeit, sich an den Tisch zu setzen. Großmächte haben eine Verantwortung.” An der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea sind seit mehr als 60 Jahren Schweizer Truppen im Einsatz - unter anderem um den Waffenstillstand zwischen den beiden Ländern zu überwachen.

Aktien gaben an den Börsen in Asien und Europa aus Furcht vor einem militärischen Konflikt nach. Als sicherer geltende Anlagen wie Gold und Staatsanleihen waren dagegen gefragt. Dax und EuroStoxx50 verloren zeitweise jeweils ein halbes Prozent.

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