11. September 2017 / 14:43 / vor 14 Tagen

Diplomatische Muskelspiele vor UN-Abstimmung zu Nordkorea

North Korean leader Kim Jong Un reacts during a celebration for nuclear scientists and engineers who contributed to a hydrogen bomb test, in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) in Pyongyang on September 10, 2017. KCNA via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. NO THIRD PARTY SALES. SOUTH KOREA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN SOUTH KOREA. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. TPX IMAGES OF THE DAY

New York/Seoul (Reuters) - Kurz vor der geplanten Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über neue Nordkorea-Sanktionen hat das isolierte Land den USA erneut gedroht.

Die Vereinigten Staaten würden wegen ihres Eintretens für schärfere Strafmaßnahmen einen “gebührenden Preis” zahlen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA einen Sprecher des Außenministeriums. Ungewiss war, ob die Vetomächte Russland und China den abgeschwächten Resolutionsentwurf der USA am Montag mitgetragen. China hoffe, dass die Sicherheitsratsmitglieder nach ausreichenden Konsultationen mit einer gemeinsamen Stimme sprechen könnten, sagte ein Vertreter des Außenministeriums in Peking. Südkorea mahnte eine harte Gangart gegen seinen nördlichen Nachbarn an.

Als Reaktion auf den sechsten und bisher stärksten Atomtest Nordkoreas vom 3. September hatten die USA eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen gegen das kommunistische Land gefordert. Zwar war der Atomtest, bei dem nach nordkoreanischer Darstellung eine Wasserstoffbombe gezündet wurde, weltweit verurteilt worden. Nordkoreas einzig verbliebenen Verbündeten China und Russland gingen die ursprünglichen US-Vorschläge aber zu weit. Dies gilt vor allem für ein umfassendes Ölembargo. Russlands Präsident Wladimir Putin etwa erklärte, ein solches Embargo würde vor allem die Bevölkerung treffen und sei nicht zielgerichtet.

Auch China, das nach Angaben aus Industriekreisen eine Pipeline kontrolliert, durch die 520.000 Tonnen Rohöl pro Jahr nach Nordkorea gepumpt werden, dürfte Diplomaten zufolge bei Ölsanktionen Bedenken haben. China sei der Ansicht, dass der Sicherheitsrat wegen des Atomtests “notwendige Maßnahmen” ergreifen sollte, sagte ein Außenamtssprecher. Diese sollten dazu beitragen, die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen, Frieden und Stabilität sicherzustellen und die Atomfrage mit politischen Mitteln zu lösen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende ihre Vermittlungsdienste angeboten, um etwa nach dem Vorbild des Atomabkommens mit dem Iran eine politische Lösung des Konflikts zu erreichen. “Wenn unsere Beteiligung an Gesprächen gewünscht wird, werde ich sofort ja sagen”, sagte sie der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, bislang liege noch keine Anfrage für eine Vermittlerrolle Deutschlands vor. Er wollte aber nicht ausschließen, dass die Kanzlerin noch am Montag mit Putin wegen Nordkorea telefonieren würde.

RESOLUTIONSENTWURF OHNE UMFASSENDES ÖLEMBARGO

Dem Reuters vorliegenden Entwurf zufolge sind statt eines umfassenden Ölembargos nur noch Beschränkungen im Handel mit Rohöl und Raffinerieprodukten vorgesehen. Auch das Reiseverbot für den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un wurde gestrichen. Der für Nordkorea wichtigen Textilindustrie sollen aber weiter Exporte verboten werden.

Sollte sich die Washingtoner Regierung mit ihren Plänen durchsetzen, würden die USA dafür einen angemessenen Preis zahlen, erklärte das nordkoreanische Außenministerium. Nordkorea werde die “US-Gangster” mit härteren Maßnahmen zähmen, als sie es sich je vorgestellt hätten.

An den nach dem jüngsten Atomtest nervösen Finanzmärkten fand die Drohung keinen Widerhall. Vielmehr herrschte bei Anlegern Erleichterung, dass Nordkorea am Jahrestag seiner Staatsgründung keinen weiteren Raketentest vornahm. Die Börsen in Asien und Europa verzeichneten Kursgewinne.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below