29. August 2017 / 05:14 / vor einem Monat

Trump nennt Nordkorea nach Raketentest zunehmende Bedrohung

A Japan Self-Defense Forces (JSDF) soldier takes part in a drill to mobilise their Patriot Advanced Capability-3 (PAC-3) missile unit in response to a recent missile launch by North Korea, at U.S. Air Force Yokota Air Base in Fussa on the outskirts of Tokyo, Japan August 29, 2017. REUTERS/Issei Kato TPX IMAGES OF THE DAY

Tokio/Seoul (Reuters) - Nach einem weiteren nordkoreanischen Raketentest hat US-Präsident Donald Trump das abgeschottete Land als zunehmende Bedrohung für die Welt bezeichnet und erneut eine militärische Antwort nicht ausgeschlossen.

“Alle Optionen liegen auf dem Tisch”, erklärte er am Dienstag. Die EU und die Bundesregierung verurteilten den Test ebenfalls. Auch Russland und China forderten von Nordkorea, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu respektieren. Diese verbieten Nordkorea den Bau von Atomwaffen und Raketen. Das Gremium sollte noch im Laufe des Tages zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die von Nordkorea am frühen Morgen abgefeuerte Mittelstreckenrakete flog über Japan und ging östlich der Insel Hokkaido im Pazifik nieder.

Nordkorea habe “seine Verachtung für seine Nachbarn, für alle Mitglieder der Vereinten Nationen und für die Mindeststandards für annehmbares Verhalten” auf internationaler Ebene signalisiert, erklärte Trump. Bei einem Telefongespräch mit Japans Ministerpräsidenten Shinzo Abe seien sich beide einig gewesen, dass das Land “eine schwere und zunehmende, direkte Bedrohung für die USA, Japan, Südkorea sowie für Länder auf der ganzen Welt” darstelle. Abe hatte zuvor erklärt, der Druck auf Nordkorea müsse erhöht werden. Unterstützung dafür kam aus Seoul. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zeigte sich bestürzt und erklärte, Nordkorea habe auf “brachiale Weise” Resolutionen des Sicherheitsrates verletzt. Der japanischen Bevölkerung sagte er “uneingeschränkte Solidarität” zu.

Nordkoreas UN-Botschafter in Genf, Han Tae Song, warf den USA dagegen vor, die koreanische Halbinsel auf eine “extrem starke Explosion” zuzutreiben. Daher habe sein Land “jedes Recht, mit harten Gegenmaßnahmen sein Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch zu nehmen”, sagte er. “Die USA sollten komplett die Verantwortung für die katastrophalen Konsequenzen tragen, die daraus folgen.”

ANLEGER REAGIEREN NERVÖS

Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte Nordkorea auf, die Resolution des Sicherheitsrates zu beachten. Zugleich appellierte Russland an Nordkorea, jegliche weitere provokative Aktionen zu unterlassen. Die USA und deren Verbündete sollten ihrerseits eine militärische Eskalation in der Region vermeiden. China rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

An den asiatischen und europäischen Börsen reagierten Anleger nervös. Aktien wurden verkauft, als sicher geltende Anlagen wie Gold und der Schweizer Franken waren dagegen gefragt. Auch der deutsche Leitindex Dax[.GDAXI] gab nach.

Auf Hokkaido wurde über die Medien, Handys und Lautsprecher Raketenalarm ausgelöst. Schnellzüge wurden kurzzeitig gestoppt. Das japanische Militär versuchte nicht, die Mittelstreckenrakete abzuschießen. Verteidigungsminister Itsunori Onodera sagte, das Geschoss sei vermutlich in drei Teile zerbrochen und dann in den 1180 Kilometer östlich von Hokkaido in den Pazifik gestürzt. Südkorea teilte mit, die Rakete sei in der Nähe der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang abgefeuert worden, insgesamt 2700 Kilometer geflogen und habe dabei eine Höhe von rund 550 Kilometer erreicht. In Südkorea findet gegenwärtig ein Militärmanöver mit den USA statt. Dort übten Kampfjets nach offiziellen Angaben als Reaktion auf die abgefeuerte Rakete demonstrativ den Abwurf von Bomben.

EXPERTEN: NORDKOREA WILL WOHL VERHANDLUNGEN ERZWINGEN

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, eine Gefahr für Nordamerika habe nicht bestanden. Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossachew, erklärte, der Raketentest zeige, dass Nordkorea nicht bluffe mit seiner Drohung, die US-Insel Guam ins Visier zu nehmen. Die Führung in Pjöngjang hatte Anfang August mit einem präventiven Raketenangriff auf die 3500 Kilometer von Nordkorea entfernte Pazifikinsel gedroht, wenn es Anzeichen für eine Provokation seitens der USA gebe. Entsprechende Einsatzpläne würden vorbereitet. Trump erklärte daraufhin, er würde darauf mit “Feuer und Zorn” reagieren. Die USA nutzen Guam als militärischen Vorposten. Neben B-52-Langstreckenbombern sind dort auch ein U-Boot-Verband und Tausende Soldaten stationiert.

Einige Experten gehen davon aus, dass Nordkorea mit den Raketentests die USA an den Verhandlungstisch zwingen wolle. Nordkorea glaube, dass der Weg zum Dialog frei werde, wenn es seine Fähigkeiten demonstriere, sagte Masao Okonogi von der japanischen Keio Universität. “Der Rest der Welt versteht diese Logik aber nicht”, sagte er. “Und das macht die Sache nicht leicht.”

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