July 20, 2018 / 10:01 AM / a month ago

Kim Jong Un auf den Spuren seines Großvaters

Seoul (Reuters) - Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat umgeschwenkt: Nachdem die Rüstungsoffensive mit der Entwicklung von Atomwaffen und Interkontinentalraketen ihr Ziel erreicht hat, setzt Kim nun alle Kraft auf den Ausbau der unter Sanktionen ächzenden Wirtschaft.

FILE PHOTO: North Korea's leader Kim Jong Un tours a factory in Sinuiju, North Korea, in this undated photo released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) July 2, 2018. REUTERS/KCNA ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. NO THIRD PARTY SALES. SOUTH KOREA OUT. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Augenfällig wurde dies bei seiner jüngsten Reise in Sonderwirtschaftszonen an der Grenze zu China. Anders als sein öffentlichkeitsscheuer Vater besucht er Betriebe und spart nach Berichten der amtlichen Presse dort nicht mit harscher Kritik an Betriebsleitern und Bürokraten, wenn die erhofften Fortschritte ausbleiben. Damit wolle er die hart arbeitende Bevölkerung für sich gewinnen und zeigen, dass er alles auf die Entwicklung der Wirtschaft setze. Zugleich solle dies Bedenken zerstreuen, Kim nehme seine Zusagen zur Denuklearisierung nicht ernst, sagt Lee Woo Young von der Universität für Nordkoreastudien in Seoul.

“Da der Ausbau der Wirtschaft nun Hauptziel der Partei ist, muss er Ergebnisse vorweisen. Er könnte aber erkannt haben, dass es an der Basis nicht so rosig aussieht”, sagt Koh Yu Hwan von der Dongguk Universität in Seoul. Kims Botschaft laute daher, es liege weder an ihm noch an den Arbeitern, sondern an den Parteifunktionären.

KIM SPRACHLOS

In der amtlichen Presse finden sich mehrere Beispiele für diese Strategie. Beim Besuch eines Kraftwerks in der Provinz Hamkyong sei Kim “sprachlos” gewesen, als er erfahren habe, dass die Anlage seit dem Baubeginn vor 17 Jahren erst zu 70 Prozent fertiggestellt sei, berichtete die Nachrichtenagentur KCNA. Die Verantwortlichen habe er als “schamlos” und “erbärmlich” beschimpft. Anfang Juli habe er die Manager einer Textilfabrik in der Grenzstadt Sinuiju gerügt, die ihre schlechten Produktionsergebnisse auf fehlendes Material und mangelnde Finanzausstattung geschoben hätten. Nach Kims Kritik inspizierte Ministerpräsident Pak Pong Ju zahlreiche Fabriken, darunter auch die in Sinuiju. Dabei habe er Besprechungen über Möglichkeiten der Modernisierung der Produktionsprozesse geleitet, berichteten Staatsmedien am Donnerstag.

Die harsche Kritik sei offenkundig Teil der Bemühungen Kims, seinem populären und umgänglichen Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung nachzueifern und ein enges Band zwischen dem Machthaber und dem Volk zu knüpfen, sagt Michael Madden von der Nordkorea-Website “38 North” des Stimson Centers in den USA. Dass einige ranghohe Funktionäre ihren Pflichten nur gleichgültig nachkämen, habe Kim mit der Bemerkung auf den Punkt gebracht, sie ließen sich nur bei Eröffnungsfeiern sehen und hielten sich für das Tagesgeschäft nicht zuständig. “Das ähnelt Reden und Äußerungen von Kim Il Sung”, sagt Madden.

KIM SETZT SCHWERPUNKT AUF GRENZREGION ZU CHINA

Kims jüngste Reise in den Nordosten des Landes sei der erste offizielle Besuch einer Provinz seit über einem Jahr gewesen und zeige, dass Kim die Prioritäten geändert habe, sagt Hong Min vom staatlichen Korea Institut für Nationale Wiedervereinigung in Seoul. Solche Reisen würden gewöhnlich drei Monate sorgfältig vorbereitet, und die Auswahl der Grenzregion weise darauf hin, dass Kim der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit China einen Schub verschaffen wolle. “Wohin er als erstes reist, vor allem nach einer längeren Pause, ist bedeutend, weil das je nach Region unterschiedliche Botschaften sendet”, sagt der Wissenschaftler.

Seit Mai war Kim dreimal in China. Zudem hat er eine hochrangige Delegation auf eine zehntägige Erkundungsreise durch chinesische Wirtschaftszentren geschickt. Kim gehe es dabei wohl nicht so sehr darum, China als Vorbild für seine Wirtschaft zu nehmen, sagt Shin Beom Chul vom Asan-Institut für Politische Studien in Seoul. Vielmehr wolle er wohl versuchen, durch den Ausbau des Handels China dazu zu bewegen, Sanktionen zu lockern und damit Nordkorea wirtschaftlich wieder mehr Luft zu verschaffen.

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