June 12, 2018 / 3:55 PM / 2 months ago

Erleichterung und Skepsis nach Treffen von Trump und Kim

Singapur (Reuters) - US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un haben bei ihrem historischen Treffen weltweit Hoffnungen auf ein Ende der Drohungen mit atomaren Katastrophen genährt.

U.S. President Donald Trump and North Korea's leader Kim Jong Un leave after signing documents that acknowledge the progress of the talks and pledge to keep momentum going, after their summit at the Capella Hotel on Sentosa island in Singapore June 12, 2018. REUTERS/Jonathan Ernst TPX IMAGES OF THE DAY

Beide Staatsmänner vereinbarten am Dienstag in Singapur den Abbau aller Atomwaffen auf der koreanischen Halbinsel. Allerdings machte sich auch Skepsis breit, nachdem erste Einzelheiten der Abmachungen zwischen Trump und Kim bekannt wurden. So äußerte Bundesaußenminister Heiko Maas in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe Zweifel an der Ernsthaftigkeit von Kims Absichten.

Trump und Kim hatten sich in einem Luxushotel zum ersten Mal persönlich getroffen, nachdem sie sich noch in den vergangenen Monaten gegenseitig mit Atomschlägen bedroht hatten. Nun soll die Gefahr durch den Verzicht Nordkoreas auf Atomwaffen gebannt werden. Im Gegenzug garantieren die USA für die Sicherheit des abgeschotteten Landes und setzen ihre gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea aus. Die US-Truppen in Südkorea will Trump allerdings nicht abbauen. Auch die Sanktionen bleiben vorerst in Kraft. Er machte deutlich, dass er Südkorea, China und Japan auch in die weiteren Bemühungen einbeziehen will.

Weltweit reagierten die Börsen kaum auf das Ereignis, das die Schlagzeilen rund um den Globus beherrschte. Analysten zweifelten daran, dass nun eine Kehrtwende in der Korea-Krise vollzogen sei. “Das Treffen hat viel positive Symbolik produziert, aber wenig Substanz”, kritisierte etwa Adam Cole, Chef-Anlagestratege für Devisen bei der Investmentbank RBC Capital Markets.

TRUMP SIEHT IN KIM TALENTIERTEN MANN

“Ich habe einen sehr talentierten Mann kennengelernt”, sagte Trump, der Kim ins Weiße Haus einlud und seinerseits eine Reise nach Pjöngjang in Aussicht stellte. Das Treffen sei “besser gelaufen als irgendjemand erwarten konnte”. Kim nannte den von freundlichen Gesten geprägten Gipfel einen “guten Auftakt zum Frieden”. Die Umsetzung soll nächste Woche beginnen.

Trump und Kim gaben nur wenige Details ihrer Vereinbarung preis, was Politiker und Experten zu der Frage veranlasste, wie belastbar die Absprachen auf Dauer sein könnten, wenn Nordkorea tatsächlich seine bislang hoch geschätzten Atomwaffen aufgeben müsse. “Wir müssen zunächst einmal abwarten, ob Nordkorea wirklich bereit ist, sich auf die Aufgabe seiner Nuklearwaffen als Teil eines substanziellen Friedensprozesses einzulassen”, sagte Außenminister Maas. “Zu oft ist die internationale Gemeinschaft in der Vergangenheit bereits durch Pjöngjang getäuscht worden.”

Die Fachleute beklagten vor allem, es gebe keine konkreten Verpflichtungen der Regierung in Pjöngjang zum Abbau des atomaren Arsenals. “Das sieht aus wie die Neudarstellung des Standes der Verhandlungen, den wir bereits schon einmal vor über zehn Jahren erreicht hatten und nicht wie ein großer Schritt vorwärts”, erklärte Anthony Ruggiero, vom Washingtoner Institut zur Verteidigung der Demokratien.

Trump zog dagegen eine positive Bilanz: “Ich überbringe im Namen des amerikanischen Volkes eine Botschaft von Hoffnung und Frieden.” Kim sei den ersten Schritt in eine leuchtende Zukunft seines Volkes gegangen. Kim sagte: “Wir haben alle Arten von Skepsis und Spekulationen über diesen Gipfel überwunden, und ich glaube, dass das gut für den Frieden ist.” Beide hätten vereinbart, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. “Die Welt wird eine große Veränderung sehen.” Formell ist der Koreakrieg nach 65 Jahren noch nicht beendet; 1953 gab es nur einen Waffenstillstand.

In ihrer kurzen Gipfelerklärung vereinbarten Trump und Kim, sich für eine dauerhafte und stabile Friedensordnung auf der koreanischen Halbinsel einzusetzen. Neben der Denuklearisierung wurde auch vereinbart, die sterblichen Überreste von Soldaten und Kriegsgefangenen auszutauschen. Trump sagte, der Abbau der Atomwaffen werde eine lange Zeit dauern, aber so schnell wie möglich vonstattengehen. Die Denuklearisierung überprüfen sollten amerikanische und internationale Experten. Kim habe ihm bereits zugesagt, ein Raketenantriebs-Testgelände zu zerstören.

TRUMP UND KIM DEMONSTRATIV HARMONISCH

Beide Staatsmänner zeigten sich vor den Augen der Welt demonstrativ umgänglich. So bezeichnete Trump Kim als “sehr schlau” und zollte ihm mit den Worten Respekt, er sei “ein würdiger und sehr harter Verhandlungspartner”. Noch vor wenigen Monaten hatten sich Trump und Kim mit Vernichtung bedroht und mit persönlichen Schmähungen überzogen. So hatte Trump Kim einen “kleinen Raketenmann” genannt, während Kim den Präsidenten als “umnachteten US-Greis” beschimpfte. Trump sagte, Kim habe bereits zugesagt, ihn “zu einem angemessenen Zeitpunkt” im Weißen Haus zu besuchen. Er werde zu gegebener Zeit eine Reise nach Pjöngjang unternehmen.

Der südkoreanische Ministerpräsident Moon Jae In lobte Kim für dessen Bereitschaft zu einem Treffen mit Trump: “Wir lassen die dunklen Tage von Krieg und Konflikt hinter uns und schreiben ein neues Kapital von Frieden und Kooperation.” China erklärte, es sollten Sanktions-Erleichterungen erwogen werden. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe bezeichnete die Gipfel-Vereinbarung als ersten Schritt hin zu einem umfassenden Abkommen. Russland bot Hilfe bei der Atom-Abrüstung an.

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