May 27, 2009 / 9:40 AM / 10 years ago

Nordkorea droht Süden mit Militärschlag

Seoul (Reuters) - Nach heftiger internationaler Kritik an seinem Atomtest hat Nordkorea dem Süden mit einem Militärangriff gedroht.

A South Korean soldier looks at the North Korean side during a troop information and education activity from Dora observation post near the demilitarised zone (DMZ) separating the two Koreas in Paju, about 55 km (34 miles) north of Seoul, May 27, 2009. North Korea, facing international sanction for this week's nuclear test, threatened on Wednesday to attack the South after Seoul joined a U.S.-led initiative to check vessels suspected of carrying equipment for weapons of mass destruction. REUTERS/Kim Kyung-Hoon

Sollte Südkorea künftig nordkoreanische Schiffe nach Massenvernichtungswaffen durchsuchen, würde dies als Verletzung der Souveränität des Landes betrachtet und mit einem “gewaltigen Militärschlag” geahndet, zitierte die offizielle Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch einen Sprecher der nordkoreanischen Armee. Gleichzeitig bekräftigte er, dass sich der Norden nicht mehr an den Waffenstillstand von 1953 gebunden fühle. Russland zeigte sich nach Agenturmeldungen besorgt, dass die erneuten Spannungen in einen Atomkrieg münden könnten. Einem Zeitungsbericht zufolge hat Nordkorea den umstrittenen Atomreaktor von Yongbyon wieder angefahren und mit der Gewinnung von Plutonium begonnen.

Südkorea hatte zuletzt angekündigt, sich einer US-Initiative anzuschließen und nordkoreanische Schiffe aufzubringen, auf denen mutmaßlich Ausrüstungsteile für Massenvernichtungswaffen transportiert werden. Nordkorea erklärte, ein solcher Schritt würde als Kriegserklärung gewertet. Die USA seien als Unterzeichner des Waffenstillstandsabkommens nach dem Korea-Krieg ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden und hätten Südkorea in ihre Initiative gedrängt, sagte der Armeesprecher. Damit sei die Vereinbarung nichtig.

Das international abgeschottete Nordkorea hatte am Montag einen zweiten Atomtest vorgenommen und war dafür international verurteilt worden. Außerdem testete es mehrere Kurzstreckenraketen. Einem Agenturbericht zufolge feuerte das kommunistisch regierte Land am späten Dienstag eine weitere Rakete ab.

RUSSLAND: AUTORITÄT DES SICHERHEITSRATS STEHT AUF DEM SPIEL

Die Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen berieten über eine Resolution. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte allerdings davor, Nordkorea “nur der Strafe willen zu bestrafen”. Es müsse eine Lösung gefunden werden, die die Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm ermögliche. In der Vergangenheit stand Russland als Vetomacht im UN-Sicherheitsrat westlichen Forderungen nach Sanktionen kritisch gegenüber.

Aus russischen Regierungskreisen verlautete jedoch, dass mit der neuen Entwicklung die Autorität des Gremiums auf dem Spiel stehe. In einem Telefonat vereinbarten der russische Präsident Dmitri Medwedew und sein südkoreanischer Kollege Lee Myung Bak eine entschlossene internationale Reaktion, wie das Büro Lees erklärte.

Nachrichtenagenturen meldeten unter Berufung auf russische Geheimdienstkreise, die Regierung in Moskau habe für den Fall eines Kriegs bereits Vorsichtsmaßnahmen eingeleitet. Ein Konflikt könne auch die Sicherheit der an Nordkorea angrenzenden russischen Regionen gefährden, hieß es weiter. Militärische Schritte seien jedoch derzeit nicht geplant.

Südkoreas größte Zeitung “Chosun Ilbo” berichtete am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise, Bilder von US-Überwachungssatelliten lieferten Anzeichen dafür, dass die Arbeit in Yongbyon wieder aufgenommen worden sei. So steige aus der Anlage Rauch auf. Nordkorea hatte im April erklärt, mit der Gewinnung von Plutonium aus abgebrannten atomaren Brennstäben in der aus Sowjet-Zeiten stammenden Anlage Yongbyon begonnen zu haben. Bislang gab es jedoch keine Hinweise dafür.

Zuvor hatte die Führung in Pjöngjang die Sechser-Gespräche für beendet erklärt. In Verhandlungen mit Südkorea, China, Russland, Japan und den USA war ursprünglich die Stilllegung des Reaktors vereinbart worden.

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