October 11, 2019 / 10:49 AM / 2 months ago

Friedensnobelpreis geht überraschend an äthiopischen Regierungschef

FILE PHOTO: Ethiopia's newly elected prime minister Abiy Ahmed attends a rally during his visit to Ambo in the Oromiya region, Ethiopia April 11, 2018. REUTERS/Tiksa Negeri/File Photo

Oslo/Addis Abeba/Berlin (Reuters) - Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed erhält den diesjährigen Friedensnobelpreis für seine Versöhnungspolitik mit dem Nachbarn und langjährigen Erzfeind Eritrea.

Das teilte das Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit. Unter der Führung des Regierungschefs haben sich die beiden Staaten am Horn von Afrika wieder angenähert, nachdem sie vor Jahrzehnten einen blutigen Grenzkrieg (1998-2000) ausgefochten hatten. Das Nobelkomitee würdigte Abiys Bemühungen um Frieden und internationale Zusammenarbeit, insbesondere seine “entscheidende Initiative” zur Beilegung des Grenzkonflikts.

Der mit 900.000 Dollar dotierte Preis wird am 10. Dezember in Oslo verliehen - dem Todestag des Stifters Alfred Nobel. Das Büro des Ministerpräsidenten in Addis Abeba nannte die Auszeichnung einen gemeinsamen Gewinn für alle Äthiopier. Es zitierte Abiy mit den Worten: “Wir sind als Nation stolz.” Als einer der ersten Gratulanten äußerte sich Bundesaußenminister Heiko Maas, der Abiy als “wirklich herausragende Führungspersönlichkeit Afrikas” lobte. Sein Mut und seine Weitsicht seien “Beispiel und Vorbild weit über Afrika hinaus”. Er habe in kürzester Zeit Entwicklungen auf den Weg gebracht, die niemand für möglich gehalten habe: “Einen Friedensprozess nach Jahrzehnten unversöhnlicher Konflikte mit dem Nachbarn Eritrea.” Nach Einschätzung des Auswärtigen Amts hat der äthiopische Ministerpräsident den neuen Friedensprozess angestoßen, der im September 2018 zur Unterzeichnung des Abkommens mit Eritrea in Dschidda führte.

KLIMAAKTIVISTIN GEHT NICHT GANZ LEER AUS

Das Nobelkomitee betonte, es habe den Preis bewusst an den äthiopischen Ministerpräsidenten vergeben, um ihn “in seiner wichtigen Arbeit für Frieden und Versöhnung” zu stärken. Er habe den Friedensnobelpreis am meisten verdient. Der 43-Jährige ist der jüngste Regierungschef Afrikas. Bei den Buchmachern war allerdings die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg die große Favoritin. Obwohl sie nun leer ausging, kann sie sich zumindest mit dem alternativen Nobelpreis trösten: Die schwedische Right Livelihood Foundation erklärte jüngst, Thunberg werde ausgezeichnet, weil sie “politische Forderungen nach sofortigen Klimamaßnahmen auf der Basis wissenschaftlicher Tatsachen” angestoßen und für deren Ausbreitung gesorgt habe. Der Right Livelihood Award gilt als “alternativer Nobelpreis” und ist je Preisträger mit einer Million Schwedischen Kronen (rund 94.000 Euro) dotiert.

Als Anwärterin auf den Friedensnobelpreis wird seit Jahren auch immer wieder die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) genannt. Diese begrüßte nun ausdrücklich die Verleihung des Preises an Abiy. Mit ihm habe Äthiopien einen beeindruckenden Wandel in Richtung Demokratisierung und Pressefreiheit vollzogen: “Nach seinem Amtsantritt im April 2018 ließ er alle inhaftierten Journalistinnen und Journalisten sowie Blogger frei. Ende 2018 war kein Medienschaffender mehr in Haft. Gesperrte Nachrichtenseiten und -Blogs wurden freigegeben”, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr.

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