April 29, 2008 / 11:12 AM / 11 years ago

Test beweist Vaterschaft von Josef F. - Mordvorwurf

Amstetten (Reuters) - Im Fall des Inzestverbrechens von Amstetten hat ein DNA-Test die Vaterschaft des Verdächtigen bewiesen.

Franz Polzer, head of Lower Austria province criminal investigation unit, addresses a news conference in Amstetten April 29, 2008. DNA tests have shown that Austrian Josef F., who had kept his daughter prisoner for 24 years and abused her sexually, was the father of her six surviving children, police said on Tuesday. REUTERS/Heinz-Peter Bader (AUSTRIA)

Alle sechs Kinder stammten von Josef F., sagte der Leiter der Ermittlungen, Franz Polzer, am Dienstag. Der 73-Jährige Josef F. hat gestanden, seine Tochter Elisabeth 24 Jahre in einem Verlies unter seinem Haus gefangen gehalten zu haben.

Gegen den Rentner werde wegen Mordes durch Unterlassung ermittelt, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Peter Ficenc der Nachrichtenagentur Reuters. Ein Gericht hatte am Dienstag zudem Untersuchungshaft für Josef F. angeordnet. Seine heute 42-jährige Tochter brachte in ihrem Gefängnis sieben Kinder zur Welt, darunter auch Zwillinge. Der Mordverdacht bezieht sich auf das siebte Kind, das kurz nach der Geburt gestorben sein soll, während sein Zwilling überlebte. Josef F. sagte der Polizei, er habe die Leiche verbrannt. Ihm werde auch Vergewaltigung, Inzest und Nötigung vorgeworfen, erklärte Ficenc.

Zwei Söhne im Alter von 18 und fünf Jahren und eine 19-jährige Tochter waren bis vor wenigen Tagen mit der Mutter im Keller eingesperrt und haben in ihrem bisherigen Leben kein Tageslicht gesehen.

Das älteste der eingekerkerten Kinder ringt in einer Klinik mit dem Tod. Der Arzt Albert Reiter bezeichnete den Zustand der 19-Jährigen als kritisch. Er wolle keine Prognose abgeben, sagte er. Die junge Frau werde künstlich beatmet und liege im künstlichen Tiefschlaf. Sie hatte zuvor einen Sauerstoffmangel erlitten. Weil ihr Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wurde, vermuteten die Ärzte bleibende Schäden.

ERSTE BEGEGNUNG DER GETRENNT AUFGEWACHSENEN GESCHWISTER

Die Tochter des Verdächtigen und die fünf anderen ihrer Kinder werden in einem Krankenhaus betreut. Ein Team aus Psychiatern und Therapeuten kümmert sich um sie. Sie werden von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Die Geschwister, die getrennt von der Mutter aufwuchsen und die aus dem Keller befreite Familie seien dabei, einander kennenzulernen.

“Ihr Schutz hat oberste Priorität”, sagte der Arzt Berthold Kepplinger. Die Haut der Mutter und der im Keller gefangenen Kinder sei sehr blass. Die drei seien aber in relativ gutem Zustand. Sie würden weiter untersucht. “Die motorische Entwicklung eines Kindes, das auf engem Raum lebt, kann beeinträchtigt sein”, sagte der Mediziner. Er hoffe, dass es keine Spätfolgen geben werde.

Elisabeth F. und die drei Kinder waren in einem etwa 60 Quadratmeter großen fensterlosen Verlies eingesperrt, dessen enge Räume zum Teil nur 1,70 Meter hoch waren.

Drei weitere Kinder aus der erzwungenen Beziehung nahm der Verdächtige in seinem Haus auf, wo er sie mit seiner Ehefrau betreute, die von seinem Doppelleben nichts geahnt haben soll. Nach außen hin behauptete der Verdächtige, seine Tochter Elisabeth lebe in einer Sekte und habe die Kinder den Großeltern übergeben. Mit dieser Darstellung soll er auch die Behörde getäuscht haben, die ihm die Kinder anvertrauten. Der Verdächtige soll die Tochter gezwungen haben, handschriftlich Briefe zu verfassen, um seine Behauptungen zu untermauern. Die Polizei habe auf den Briefen auch DNA-Spuren des Verdächtigen gefunden, sagte der Kriminalbeamte Polzer.

Josef F. und seine Frau adoptierten eines der vermeintlich weggelegten Kinder von Elisabeth und hatten die anderen beiden in Pflege. Die zwei Schwestern sind 14 und 15 Jahre alt. Wie ihr jetzt zwölfjähriger Bruder tauchen die Kinder im Alter von wenigen Monaten vor dem Haus der Familie auf.

Das Paar hat selbst sieben mittlerweile erwachsene Kinder. Seitens der Behörden hieß es, die Großmutter habe sich sehr fürsorglich um die Enkel gekümmert. Weil Verwandte bei Adoptionen oder bei der Betreuung von Pflegekindern Vorrang hätten, sei es naheliegend gewesen, die Kinder der seit 1984 verschwundenen Tochter den Großeltern anzuvertrauen. Dieser Vorgang sei in Ordnung und gesetzeskonform gewesen, sagte der Vertreter der Bezirksverwaltung, Hans-Heinz Lenze.

Der Verdächtige Josef F. wirke gefasst und ruhig, sagte Günther Mörwald, der Leiter des Gefängnisses in St. Pölten, in das der Mann gebracht wurde. “Ich hatte nicht den Eindruck großer Schuldgefühle bei ihm”, fügte er hinzu. Der Rentner sei in einer Zelle mit einem weiteren Häftling untergebracht worden, um einen Selbstmordversuch zu verhindern.

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