July 6, 2011 / 5:30 PM / 8 years ago

Schlappe für München - Olympia 2018 in Südkorea

Durban/München (Reuters) - Riesenfreude in Südkorea, traurige Gesichter in München: Die kleine Stadt Pyeongchang wird die Olympischen Winterspiele im Jahr 2018 ausrichten.

Veteran sportsmen pass the Olympic flag on to their younger counterparts during the opening ceremony of the inaugural Youth Olympic Games at the Marina Bay floating platform in Singapore August 14, 2010. REUTERS/Issei Kato

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) stimmte am Mittwoch bei seiner Vollversammlung im südafrikanischen Durban überraschend deutlich für den koreanischen Ort, der in den vergangenen Jahren zweimal knapp gescheitert war. Das Nachsehen hat dieses Mal München mit seiner ersten Bewerbung.

Pyeongchang erhielt 63 der 95 abgegeben IOC-Stimmen. München kam auf 25, das französische Annecy nur auf sieben. Bundespräsident Christian Wulff gratulierte im Namen der deutschen Delegation. Es ist nicht die erste gescheiterte Bewerbung aus Deutschland: Berlin und Leipzig hatten bei der Vergabe der Sommerspiele 2000 beziehungsweise 2012 keine Chance. Große Enttäuschung herrschte auf dem mit Tausenden Fans voll besetzten Marienplatz im Herzen Münchens. Unklar blieb, ob die Bayern für die Ausschreibung 2022 wieder antreten. Das soll in den kommenden Wochen geklärt werden. Aus der Landesregierung kamen bereits entsprechende Forderungen.

Champagner-Laune dagegen bei den Asiaten: “Das ist einer der glücklichsten Tage für unser Land, unser Volk und Millionen junge Menschen, die vom Wintersport träumen”, sagte der Bewerbungschefs der Koreaner, Cho Yang Ho. Unmittelbar nach der Verkündung gab es “Korea, Korea”-Rufe. IOC-Präsident Jacques Rogge zeigte sich von dem klaren Votum überrascht: “Wir hatten zwei Runden erwartet”, sagte er Reuters. “Geduld wurde belohnt.”

Pyeongchang liegt rund 180 Kilometer östlich der Hauptstadt Seoul und hat nur 45.000 Einwohner. Mit dem Zuschlag hofft das IOC, neue Märkte zu erschließen. Denn bisher wurden in Asien nur zweimal in Japan die Winterspiele ausgetragen, zuletzt 1998 in Nagano. Pyeongchang - nicht zu verwechseln mit der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang - galt als Favorit.

SÜDKOREANER HABEN BEWERBUNG IMMER WEITER VERBESSERT

Die Koreaner waren bei der Vergabe für die Winterspiele 2010 und 2014 nur sehr knapp unterlegen. Sie hatten in der ersten Runde jeweils eine klare Führung, ohne dass es jedoch zur absoluten Mehrheit reichte. In der letzten Abstimmungsrunde wurden sie dann beide Male noch abgefangen - erst vom kanadischen Vancouver und dann vom russischen Sotschi.

Bei ihrer letzten Präsentation vor den IOC-Mitgliedern versprachen die Koreaner, nach zahlreichen Verbesserungen in den vergangenen Jahren nun die beste Wahl zu sein. Pyeongchang soll zu einem der besten Wintersportstandorte in Asien ausgebaut werden. Viel Geld wurde etwa in eine besonders schnelle Zugverbindung zum Flughafen der Hauptstadt gesteckt. Unterstützt wurde die Bewerbung vom Präsidenten des Landes, Lee Myung Bak, und der Eiskunstläuferin Kim Yu-Na, die wie ihr deutsches Pendant Katarina Witt schon bei Olympia triumphiert hat.

Für Südkorea, das seit langer Zeit mit dem kommunistischen Norden im Streit liegt, ist es nach den Sommerspielen 1988 in Seoul der nächste Olympia-Höhepunkt. Zwar haben die Koreaner wenig Erfahrung mit Großveranstaltungen auf Eis und Schnee, doch stehen sie für neue Märkte und großes Potenzial. Zuletzt gingen die Sommerspiele 2016 nach Brasilien. Rio de Janeiro erhielt als erste Stadt in Südamerika den Zuschlag. Auch im Fußball gibt es einen ähnlichen Trend: Nach der WM 2010 in Südafrika folgen nun 2014 Brasilien, 2018 Russland und dann 2022 Katar.

KATERSTIMMUNG AUF DEM MARIENPLATZ

Auf dem Münchner Marienplatz fieberten die Fans in sengender Sonne der Entscheidung entgegen, die dann mit einem lauten Stöhnen quittiert wurde. “Die Ernüchterung ist groß”, sagte Bayerns Sport- und Kultusminister Ludwig Spaenle. Die Studentin Katja Schmid mutmaßte: “Es lag vielleicht auch an den vielen Schwierigkeiten im Vorfeld, dass es jetzt anders gekommen ist.” München hatte vor allem mit Widerstand von Landbesitzern und Bürgern des Bewerbungspartners Garmisch-Partenkirchen zu kämpfen. Viele Fans forderten einen erneuten Anlauf 2022.

Die Bayern hatten sich als verlässlicher Partner präsentiert - mit soliden Finanzen, einer langen Sport-Tradition, dem Versprechen klimaneutraler Spiele und viel Erfahrung mit Großveranstaltungen. Für München warben Witt, die zweimalige Olympiasiegerin im Eiskunstlauf, und Fußball-Legende Franz Beckenbauer.

München hätte bei einem Erfolg Geschichte geschrieben - als erste Stadt mit Sommer- und Winterspielen. 1972 wurden die Spiele allerdings von der Geiselnahme und Ermordung israelischer Athleten überschattet. Die einzigen Olympischen Winterspiele in Deutschland fanden 1936 in Garmisch-Partenkirchen statt.

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