August 8, 2019 / 10:23 AM / 4 months ago

Pakistan kappt im Kaschmir-Streit Bahnverbindung nach Indien

People chant slogans during a rally expressing solidarity with the people of Kashmir in Lahore, Pakistan August 6, 2019. REUTERS/Mohsin Raza TPX IMAGES OF THE DAY

Islamabad/Neu-Delhi (Reuters) - Pakistan kappt im Streit mit Indien um die Himalaja-Region Kaschmir die Eisenbahnverbindung zu seinem Nachbarland.

“Wir haben beschlossen, den Samjhauta Express einzustellen”, sagte der pakistanische Bahnminister Sheikh Rasheed am Donnerstag in Islamabad. Außenminister Shah Mehmood Qureshi bekräftigte, sein Land wolle keinen Krieg. “Aber haben wir nicht das Recht, im Falle einer Aggression zu antworten?” Der seit Jahrzehnten schwelende Konflikt zwischen Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, hat sich in den vergangenen Tagen massiv verschärft. Indien beschloss, dem von ihm beherrschten Teil Kaschmirs Sonderrechte zu nehmen und das vor allem von Muslimen bewohnte Gebiet ins überwiegend hinduistische Indien zu integrieren. Aus Protest kündigte Pakistan daraufhin an, den indischen Botschafter auszuweisen. Indien rief nun das Nachbarland auf, diese Entscheidung zu überdenken.

“Solange ich Bahnminister bin, kann der Samjhauta Express nicht fahren”, sagte Rasheed auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt. Die nicht nur verkehrstechnisch wichtige, sondern auch symbolische Strecke verbindet die ostpakistanische Metropole Lahore und die indische Hauptstadt Neu-Delhi. Der “Freundschaftsexpress” hatte erst im März wieder den Betrieb aufgenommen. Er war für kurze Zeit ausgesetzt worden, nachdem Indien nach eigenen Angaben ein Terroristenlager in Pakistan aus der Luft angegriffen hatte.

Im Zuge der jüngsten Eskalation hat Pakistan bereits angekündigt, den Handel mit dem Erzrivalen auszusetzen und den indischen Botschafter aus Islamabad auszuweisen. Seinen eigenen neu ernannten Botschafter will Pakistan gar nicht erst nach Neu-Delhi entsenden. Dazu erklärte das indische Außenministerium, Pakistan solle die Ausweisung überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten blieben.

Indien und Pakistan streiten seit Jahrzehnten um die vollständige Kontrolle über die Himalaja-Region Kaschmir. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg gegeneinander um Kaschmir geführt. Vor einigen Monaten hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen.

300 MENSCHEN IN KASCHMIR FESTGENOMMEN

Bislang hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert. Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.

Um Proteste in Kaschmir zu unterdrücken, wurden nach Angaben der indischen Polizei mindestens 300 Politiker und Separatisten festgenommen. Viele von ihnen arbeiten auf eine Loslösung Kaschmirs von Indien hin. Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.

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