August 7, 2009 / 10:50 AM / 9 years ago

Pakistanischer Taliban-Anführer Mehsud womöglich tot

Islamabad/Kabul (Reuters) - Der Anführer der Taliban in Pakistan, Baitullah Mehsud, ist nach Einschätzung der Regierung möglicherweise tot.

Taliban commander Baitullah Mehsud speaks to reporters in Pakistan's South Waziristan tribal region in this May 24, 2008 file photo. REUTERS/Stringer/Files

Innenminister Rehman Malik sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, er nehme an, dass Mehsud bei einem Raketenangriff vor wenigen Tagen getötet worden sei. “Wir haben einige Informationen darüber, aber wir haben keinen Beweis, der dies bestätigt.” Aus US-Kreisen verlautete, es gebe Grund zu der Annahme, dass Mehsud, dessen zweite Frau bei dem Angriff am Mittwoch ums Leben kam, ebenfalls tot sei. Es gebe derzeit aber keine Bestätigung dafür.

Ein Geheimdienstmitarbeiter in der Unruheprovinz Süd-Waziristan sagte Reuters, die Beisetzung des engen Al-Kaida-Verbündeten habe in einer kleinen Siedlung namens Nargosey stattgefunden. Sie liegt knapp einen Kilometer vom Ort des Angriffs vom Mittwoch entfernt. Muslime beerdigen ihre Toten in der Regel innerhalb eines Tages. Der Angriff ging vermutlich von einer amerikanischen Drohne aus. Weder die USA noch Pakistan nehmen zu Berichten über den Einsatz der unbemannten Flugzeuge Stellung, denn ihr Einsatz in Pakistan wird von großen Teilen der Bevölkerung dort abgelehnt.

Die USA haben ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf Mehsud ausgesetzt. Er wird in Pakistan weithin als Staatsfeind Nummer eins angesehen, weil er hinter zahlreichen Anschlägen vermutet wird. Auch der Mord an der früheren pakistanischen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto wird Mehsud zugeschrieben. Mehsud hat den Vorwurf zurückgewiesen. Taliban-Anführer wurden schon häufiger für tot erklärt, tauchten dann aber kurz darauf wieder auf. Einige Medien berichteten unter Berufung auf nicht näher benannte Taliban-Kreise, Mehsud sei lediglich verwundet worden.

DIPLOMATEN: TOD WÄRE EIN GROSSER ERFOLG FÜR PAKISTAN

Bei dem Angriff im Nordwesten des Landes wurden pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge auch einer seiner Brüder und sieben Leibwächter getötet. Zudem gebe es Hinweise, dass die Anführer mehrerer Taliban-Gruppen für Freitag eine Schura (Ratssitzung) in Waziristan planten. Spekulationen zufolge könnte dort ein Nachfolger Mehsuds gewählt werden. Als Kandidaten gelten die Extremisten Hakimullah Mehsud, Maulana Azmatullah und Wali-ur-Rehman.

Diplomaten zufolge wäre der Tod Mehsuds ein großer Erfolg für die Regierung in Islamabad. Der ehemalige Sicherheitschef in den pakistanischen Stammesgebieten, Mehmood Shah, sprach von einem herben Rückschlag für die Taliban. “Er ist der Mann, der die Taliban wirklich organisiert, ihre Einheit bewahrt und mit viel strategischem Denken ihre Planungen nach vorn getrieben hat.”

Ob sein Tod den westlichen Truppen - darunter auch Bundeswehrsoldaten - im Nachbarland Afghanistan helfen würde, wird von Diplomaten dagegen eher bezweifelt. Mehsuds Fokus habe zu stark auf der Bekämpfung der pakistanischen Regierung und deren Sicherheitsapparat gelegen, hieß es. Ein Sprecher der Taliban in Afghanistan sagte, der Tod eines Anführers in Pakistan sei für den eigenen Kampf ohne Belang.

Baitullah Mehsud wurde 1974 in der nordwestlichen Grenzprovinz Pakistans geboren. Seine Vorfahren stammen aus Süd-Waziristan, der ärmsten der sieben Stammesgebiete im Paschtunen-Gürtel an der afghanischen Grenze. Bis zum zwölften Lebensjahr besuchte der Sohn eines niederrangigen Geistlichen eine Religionsschule. Mehsud gilt als gering gebildet und arbeitete früher als Lkw-Fahrer. Im Jahr 2007 begann er Selbstmordattentate auf das Militär und Politiker zu organisieren. Ende 2007 ernannte er sich zum Anführer der Taliban in Pakistan. Zusammen mit Al-Kaida-Ablegern und örtlichen Terror-Gruppen soll er bis zu 20.000 Kämpfer in der Bergregion Süd-Waziristan befehligen.

Im Juni startete die pakistanische Armee eine Großoffensive auf Mehsuds Gebiete, in denen viele Kämpfer aus Afghanistan Zuflucht gefunden hatten. Die USA verschärften ihre Angriffe mit unbemannten Flugkörpern und nahmen Mehsud dabei gezielt ins Visier.

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