May 13, 2009 / 5:45 AM / 10 years ago

Papst gerät bei Israel-Besuch in die Kritik

Jerusalem (Reuters) - Papst Benedikt XVI. ist für seine Rede in der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in die Kritik geraten.

Der israelische Parlamentspräsident Reuwen Riwlin warf dem Papst am Dienstag eine zu große Distanz zum jüdischen Leiden während der Nazi-Herrschaft vor. “Er kam und sprach zu uns, als ob er ein Historiker wäre, jemand, der vom Rande aus zuschaut. Dabei gehörte er doch zu ihnen”, ergänzte er mit Verweis auf die Mitgliedschaft Benedikts in der Hitlerjugend.

Der Papst bemühte sich derweil um eine versöhnliche Stimmung: In der Jerusalemer Altstadt besuchte er die Klagemauer, den heiligsten Ort des Judentums, und den Felsendom, das islamische Wahrzeichen des Tempelbergs.

“Mit allem Respekt für den Heiligen Stuhl, wir können nicht die Bürde ignorieren, die er trägt”, fügte der Knesset-Vorsitzende Riwlin hinzu. Benedikt sei als junger Deutscher der Hitlerjugend beigetreten und habe in der Armee gedient. Der Papst hatte zum Auftakt seines fünftägigen Israelbesuchs am Montag zum entschlossenen Kampf gegen den Antisemitismus aufgerufen und in Jad Vaschem der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden gedacht. Einige jüdische Würdenträger hatten sich allerdings erhofft, der Papst werde sich als Deutscher und als Christ für den Holocaust entschuldigen.

Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland zeigte sich enttäuscht über die Papst-Äußerungen. Der Pontifex habe zwar “ein positives Signal” in Richtung Judentum ausgesandt, sagte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch. Die Geste sei jedoch halbherzig angesichts der noch ausstehenden klaren Distanzierung des Vatikans von der ultrakonservativen Piusbruderschaft.

Der Vatikan hatte Anfang des Jahres mit der Aufhebung der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen der Bruderschaft, zu denen auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson gehört, für Empörung gesorgt und das Verhältnis zu Israel schwer belastet.

VATIKAN-SPRECHER - PAPST WAR NIE IN DER HITLERJUGEND

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi wies die Kritik zurück. Der Papst habe wiederholt zu seiner Vergangenheit Stellung bezogen. “Er hat nicht gedacht, dass er immer wieder und in jeder Rede alle Einzelheiten der Tragödie des Holocaust erwähnen muss”, erklärte er. Nachdem Lombardi zunächst betont hatte, Benedikt sei niemals in der Hitlerjugend gewesen, relativierte er später diese Aussage: “Er ist unfreiwillig bei der Hitlerjugend angemeldet worden und hat nie aktiv daran teilgenommen”, betonte Lombardi. In seiner Autobiografie “Salz der Erde” hat der Papst selbst beschrieben, wie er von seinem Seminar in der Hitlerjugend angemeldet worden sei. Später wurde er auch als Flakhelfer eingesetzt.

Die Deutsche Bischofskonferenz erklärte, der Papst habe jeder Form von Antisemitismus eine klare und deutliche Absage erteilt. Rückendeckung schien der Papst auch vom obersten israelischen Rabbiner Jona Metzger zu erhalten. Er sei sicher, dass sich Benedikt dem Gebet seines Vorgängers Johannes Paul II. an der Klagemauer vor neun Jahren angeschlossen habe, sagte Metzger. Damals hatte Johannes Paul Gott um Vergebung für das Leiden der Juden gebeten.

Benedikt verharrte an der Klagemauer für einige Minuten im stillen Gebet. Dann steckte er dem Brauch entsprechend ein geschriebenes Gebet in einen Mauerspalt. “Sende Deinen Frieden in dieses Heilige Land, in den Nahen Osten, in die ganze menschliche Familie” lautete der Text.

Im Felsendom traf der Papst den Großmufti, den höchsten muslimischen Würdenträger der Palästinenser. Benedikt erinnerte an die gemeinsamen Wurzeln der drei großen monotheistischen Religionen in Jerusalem. Die Stadt gilt sowohl den Juden, den Christen als auch den Muslimen als heilig. Später betete der Papst an dem Ort, an dem laut Überlieferung das letzte Abendmahl Jesu stattgefunden hatte.

Bei einer Messe im Garten Gethsemane würdigte Benedikt die Rolle Jerusalems als geistliche Heimat für Juden, Muslime und Christen. Vor mehreren hundert Gläubigen sagte der Papst mit Blick auf den Nahost-Konflikt, viele Menschen hätten die bittere Erfahrung der Ausgrenzung gemacht. Der katholische Patriarch von Jerusalem sprach vom “Leiden des palästinensischen Volkes, das von einem freien und unabhängigen Staat träumt”.

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