December 3, 2013 / 1:57 PM / 7 years ago

Pisa-Lichtblick - Deutsche Schüler schneiden besser ab

Berlin (Reuters) - Die deutschen Schüler haben ihre Leistungen seit dem Pisa-Schock vor zwölf Jahren erheblich verbessern können.

German Chancellor Angela Merkel (2R) chats with schoolgirls from Berlin as they assemble electronic components during the Girls Day career event at the Chancellery in Berlin April 24, 2013. The Girls Day seeks to attract female pupils to careers in IT, technological and natural science sectors of the German industry. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: EDUCATION POLITICS) - RTXYXVK

In den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften lägen die 15-Jährigen nach fünf Bildungstests nun erstmals deutlich über dem Durchschnitt der 34 OECD-Staaten, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Berlin mit. Wirtschaft, Bildungsexperten und Politik sehen allerdings weiteren Nachholbedarf.

In Mathematik - dem Schwerpunkt der aktuellen Erhebung - erzielte Deutschland 20 Punkte mehr als der Schnitt der 34 OECD-Mitgliedsstaaten. International belegt Deutschland von 65 Ländern und Regionen den 16. Platz. Die Mathe-Fähigkeiten der deutschen Schüler sind damit vergleichbar mit denen ihrer Altersgenossen in Vietnam, Finnland, Kanada, Polen und Belgien. Zuletzt stand Mathematik 2003 im Zentrum des Pisa-Tests. Seitdem hat sich das Ergebnis für Deutschland um elf Punkte verbessert. OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger und Bildungsministerin Johanna Wanka hoben hervor, dass leistungsschwache und sozial benachteiligte Schüler um einiges besser abgeschnitten hätten als vor zehn Jahren. Der Anteil derjenigen, die Aufgaben nur mit einfachsten Formeln lösen könnten, habe sich auf 18 Prozent verringert.

HALBE MILLION SCHÜLER AUS 65 LÄNDERN BEFRAGT

An der weltweiten Studie nahmen vergangenes Jahr mehr als eine halbe Million Schüler im Alter von 15 und 16 aus insgesamt 65 Staaten und Regionen teil. Die Ergebnisse wurden zeitgleich in mehreren Hauptstädten veröffentlicht. Unter den besten Zehn befinden sich allein sieben Länder und Gebiete aus Asien. Die chinesische Metropole Shanghai erhielt die mit Abstand höchste Punktzahl - die 15-Jährigen wiesen hier ein um fast drei Schuljahre höheres Wissen auf als im OECD-Durchschnitt. Es folgen Singapur, Hongkong (China), Chinesisch Taipeh, Korea, Macau (China) und Japan. Aus Europa gehören Liechtenstein, die Schweiz und die Niederlande den “Top Ten” an.

Allerdings schneiden Mädchen in Mathe in Deutschland wie auch im OECD-Durchschnitt noch immer deutlich schlechter ab als Jungen. Selbst wo die Leistungen beider Geschlechter gleich seien, stünden Mädchen der Mathematik negativer gegenüber und hätten weniger Vertrauen in ihre Fähigkeiten, erläuterte Ischinger von der OECD. Für ein Land, das auf kleine und mittelständische Unternehmen setze und wo Fachkräfte knapp würden, sei es heikel, “wenn Mädchen Mathematik als Buch mit sieben Siegeln empfinden”.

OECD: “PISA-FORTSCHRITT” STATT “PISA-SCHOCK”

Positiv hob die OECD-Expertin hervor, dass Deutschland es als einziges Land geschafft habe, bei den PISA-Tests fortwährend Fortschritte zu machen. Den stärksten Anstieg gab es zwischen 2006 und 2009. Das Wortpaar “Pisa-Schock” müsse durch “Pisa-Fortschritt” ersetzt werden, riet sie. Auch Ministerin Wanka konstatierte: “Deutschland hat sich nicht nur schocken lassen, sondern auch wecken lassen.”

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Stefan Dorgerloh (SPD), hat sich das deutsche Bildungssystem als lernfähig erwiesen. Der Kultusminister von Sachsen-Anhalt verwies auf die eingeführten Bildungsstandards, den Ausbau der Ganztagsbetreuung, die gezielte Leseförderung und die stärkere Unterstützung für lernschwache Schüler. Ziel müsse sein, die Zahl der Risikoschüler auf unter zehn Prozent zu verringern und die Gruppe der Leistungsstarken auf 25 Prozent zu steigern.

Die Wirtschaft warnte die Politik davor, sich mit den Ergebnissen zufrieden zu geben. Noch immer klage fast jedes zweite Unternehmen über unzureichende Mathe-Kenntnisse des Nachwuchses, in der Industrie seien es sogar 55 Prozent, sagte DIHK-Vize-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks zu Reuters. Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) beklagte, es gebe zu wenige ausgebildete Mathe-Lehrer. Der Arbeitgeberverband BDA nannte die Zahl leistungsschwacher Schüler in Mathematik zu hoch.

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