December 18, 2009 / 12:16 PM / 10 years ago

Diebe stehlen in Auschwitz "Arbeit-macht-frei"-Schild

Warschau (Reuters) - Diebe haben das berüchtigte Eingangsschild zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz mit der Aufschrift “Arbeit macht frei” gestohlen.

Wachleute hätten am frühen Morgen das Fehlen des Schildes bemerkt, sagte der Sprecher der Gedenkstätte, Jaroslaw Mensfelt, Reuters am Freitag. Die Ermittler der Polizei prüften nun die Aufnahmen der Überwachungskameras, die auf dem gesamten 200 Hektar großen Gelände verteilt sind. Vorerst sei eine Nachbildung des Schildes, die üblicherweise als Ersatz während Reparaturarbeiten zur Verfügung stehe, aufgehängt worden.

“Dies ist nicht einfach ein Diebstahl, sondern eine schreckliche Entweihung eines Ortes, an dem mehr als eine Million Menschen ermordet wurden - die größte derartige Mord-Stätte in diesem Teil der Welt”, beklagte Mensfelt. “Dies ist wirklich eine abscheuliche Tat”. Die Formulierung “Arbeit macht frei” wurde zum Symbol für die Täuschungsmanöver, mit denen die Nationalsozialisten ihre Opfer vor der Ermordung in falscher Sicherheit wiegten. Viele Gefangene wähnten sich zunächst in einem Arbeits- und nicht in einem Vernichtungslager.

Etwa 1,5 Millionen Menschen, die meisten von ihnen Juden, kamen in Auschwitz zu Tode. Sie starben nicht nur in den Gaskammern, sondern auch an Krankheiten und Seuchen, erfroren, verhungerten und fielen Menschenversuchen zum Opfer. Die Gefangenen betraten das KZ gewöhnlich durch ein relativ schmales Eisentor, über dem der Spruch “Arbeit macht frei” hing.

JAD VASCHEM: ANGRIFF AUF ANDENKEN DER HOLOCAUST-OPFER

Der Leiter der Jerusalemer Gedenkstätte Jad Vaschem, Avner Schalew, zeigte sich schockiert über den Diebstahl. Das Schild sei ein Symbol für die Ermordung von sechs Millionen Juden geworden, sagte er. Zwar sei noch nicht klar, wer die Tat begangen habe. “Aber der Diebstahl ist ein Angriff auf das Andenken der Holocaust-Opfer”. Das Internationale Auschwitz-Komitee erklärte, der Diebstahl verstöre die Überlebenden des Lagers zutiefst. “Die Aufschrift und das Lager selbst werden erzählen, was geschehen ist - auch wenn wir Überlebenden nicht mehr berichten können”, sagte der Präsident des Komitees, Noach Flug. Deshalb müsse das Schild gefunden werden.

Das Schild erinnere an das Leiden, zugleich aber auch an den Widerstand der Gefangenen. “Nicht umsonst hat der Häftling in der Lagerschlosserei, der das Schild auf Befehl der SS fertigen musste, das “b” im Wort Arbeit auf den Kopf gestellt”, erklärte der Vize-Präsident des Komitees, Christoph Heubner. Er habe seinen Mithäftlingen damit ein Signal der Selbstbehauptung geben wollen.

Heute ist das gesamte Lagergelände ein Museum, das jedes Jahr von Hunderttausenden Besuchern besichtigt wird. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Eintrittskarten reichen trotzdem nicht aus, um den Komplex zu erhalten. Zum ehemaligen KZ gehören 155 Gebäude, darunter die Gaskammern, 300 Ruinen und Hunderttausende persönliche Gegenstände der Opfer. Vor einiger Zeit hatte Polen das Ausland zu Spenden für den Erhalt von Auschwitz aufgerufen. Unter anderem Deutschland hat Hilfe zugesagt. Im Januar feiert die Gedenkstätte den 65. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee. Dazu will sie in den ehemaligen Häftlingsbaracken eine neue Ausstellung über den Ablauf der Befreiung aufstellen.

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