July 29, 2011 / 3:08 PM / 7 years ago

Crew schuld an Absturz Kaczynskis - Minister tritt zurück

A woman holds a picture of late Polish President Lech Kaczynski during a march to commemorate the victims of Saturday's Tupolev Tu-154 aircraft crash near Smolensk, in Szczecin April 13, 2010. REUTERS/Cezary Aszkielewicz/Agencja Gazeta

Warschau (Reuters) - Die polnische Regierung sieht gravierende Fehler der Besatzung als Ursache für den Flugzeugabsturz im vergangenen Jahr, bei dem Präsident Lech Kaczynski und 95 weitere Menschen ums Leben kamen.

In dem am Freitag vorgelegten 328 Seiten starken Untersuchungsbericht hieß es, die Crew sei schlecht ausgebildet gewesen und habe grundlegende Sicherheitsbestimmungen verletzt. Eine Mitschuld an dem Absturz trage aber auch das russische Bodenpersonal. Der polnische Verteidigungsminister Bogdan Klich zog die Konsequenz und trat zurück - knapp drei Monate vor der Parlamentswahl.

Nur ein einziges Besatzungsmitglied, ein Techniker, habe eine ordentliche Ausbildung für einen derartigen Flug gehabt, sagte ein Vertreter der Untersuchungskommission, Maciej Lasek. Das übrige Personal an Bord habe eigentlich gar nicht zugelassen werden dürfen. Bereits in der Organisation des Fluges habe es ernsthafte Defizite gegeben, hieß es weiter. Die Einheit, die für derartige Flüge zuständig sei, habe Piloten direkt aus der Flugschule rekrutiert und keine Trainingsflüge absolvieren lassen. Das Gerät an Bord der Tupolew TU-154 sei zudem schlecht gewartet gewesen.

Verteidigungsminister Klich übernahm die Verantwortung. “Er hat gestern seinen Rücktritt angeboten, und ich habe ihn heute angenommen”, sagte Ministerpräsident Donald Tusk vor Journalisten. Er ernannte den stellvertretenden Innenminister Tomasz Siemoniak zum neuen Chef des Verteidigungsressorts.

Klichs Rücktritt war erwartet worden und dürfte daher keinen großen Einfluss auf die bevorstehende Parlamentswahl haben. Allerdings bietet der Untersuchungsbericht im Wahlkampf Munition für Tusks Konkurrenten Jaroslaw Kaczynski, den Zwillingsbruder des ums Leben gekommenen Präsidenten. Jaroslaw Kaczynskis, der die national-konservative Opposition anführt, warf dem liberal-konservativen Regierungschef Tusk vor, gemeinsame Sache mit Russland gemacht zu haben, um die wahren Ursachen des Absturzes zu verschleiern. Tusk wies die Vorwürfe zurück.

In dem Untersuchungsbericht wurde auch die russische Seite kritisiert: Die Befeuerung der Landebahn auf dem Flughafen von Smolensk sei in einem schlechten Zustand gewesen, hieß es. Das russische Bodenpersonal habe dem polnischen Piloten zudem beim Landeanflug im dichten Nebel falsche Anweisungen erteilt.

Nach den Ermittlungen der Regierungskommission konnte der von einigen Politikern und Medien erhobene Vorwurf nicht belegt werden, Kaczynski und andere Fluggäste hätten den Piloten gegen seinen Willen zur Landung in Smolensk gezwungen. Zur Verärgerung der Führung in Warschau hatte Russland in seinem im Januar vorgelegten Bericht der polnischen Seite die alleinige Schuld an dem Unglück gegeben.

Bei dem Absturz in der Nähe der russischen Stadt Smolensk kamen am 10. April 2010 alle 96 Menschen an Bord ums Leben, darunter viele Mitglieder der polnischen Elite. Sie waren auf dem Weg nach Katyn, wo sie der Ermordung mehrerer Tausend polnischer Offiziere durch den sowjetischen Geheimdienst im April 1940 gedenken wollten. Die Erschütterung über das Unglück führte zu einer kurzzeitigen Annäherung zwischen Russland und Polen, die aber nach dem russischen Abschlussbericht abrupt endete.

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