February 16, 2011 / 2:45 PM / 8 years ago

Unruhen weiten sich auf Libyen aus

Tripolis (Reuters) - Die Proteste im arabischen Raum haben am Mittwoch auf das wichtige Ölförderland Libyen übergegriffen.

Hunderte Demonstranten lieferten sich in der Hafenstadt Benghasi Auseinandersetzungen mit der Polizei und Anhängern der Regierung. Das Land liegt zwischen Ägypten und Tunesien, wo in den vergangenen Wochen Volksaufstände autokratisch regierende Präsidenten aus dem Amt vertrieben hatten. Auch in Bahrain, dem Jemen und dem Iran kam es erneut zu Protesten.

In der zweitgrößten Stadt Libyens zündeten nach Berichten von Augenzeugen und Medien mit Steinen und Brandsätzen bewaffnete Demonstranten Autos an und lieferten sich Scharmützel mit der Polizei. Einem Zeitungsbericht zufolge gab es 38 Verletzte, die meisten von ihnen Angehörige der Sicherheitskräfte. Die Proteste entzündeten sich offenbar an der Festnahme eines Menschenrechtlers. Er arbeitete mit Familien zusammen, deren Angehörige im berüchtigten Gefängnis Abu Salim in Tripolis inhaftiert sind. In dem Gefängnis sind Regierungsgegner und Islamisten eingesperrt. 1996 kam es dort zu Ausschreitungen, bei denen 1000 Insassen erschossen wurden.

Auch Anhänger des seit mehr als 40 Jahren regierenden Machthabers Muammar Gaddafi gingen im ganzen Land auf die Straße. Möglicherweise als Zugeständnis an die Protestierenden sollen Menschenrechtlern zufolge 110 Mitglieder einer verbotenen islamischen Gruppe aus dem Gefängnis entlassen werden. Viele in Libyen inhaftierte Islamisten kommen aus Benghasi.

UNRUHEN AUCH IM JEMEN, BAHRAIN UND DEM IRAN

Auch in anderen Ländern wirkten die Ereignisse in Tunesien und Ägypten nach. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verlor die Polizei vorübergehend die Kontrolle über die Lage, als sich Gegner und Anhänger von Präsident Ali Abdullah Saleh Straßenschlachten lieferten. Mehrere hundert Unterstützer Salehs griffen Demonstranten an der Universität von Sanaa mit Knüppeln und Messern an. Seit Wochen versuchen Regierungsgegner, mit Demonstrationen den seit mehr als 30 Jahren regierenden Saleh zum Rückzug zu zwingen. Saleh hat unter dem Eindruck der Proteste bereits angekündigt, 2013 zurückzutreten.

In Bahrain strömten nach dem Tod eines Demonstranten mehrere tausend Schiiten in die Straßen der Hauptstadt Manama. Sie schlossen sich am dritten Tag der Proteste in dem Golfstaat einer Trauerprozession für einen Mann an, der bei Zusammenstößen von Demonstranten und Sicherheitskräften erschossen worden war. Die Demonstranten forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Scheich Chalifa bin Salman al-Chalifa, der das Land seit der Unabhängigkeit im Jahre 1971 regiert. Etwa 2000 Demonstranten verbrachten die Nacht in Zelten an einem Verkehrsknotenpunkt. Bahrain wird von einer sunnitischen Oberschicht regiert. Die schiitische Mehrheit der Bevölkerung klagt über Diskriminierungen.

In der iranischen Hauptstadt Teheran kam es staatlichen Medien zufolge am Rande der Beisetzung eines am Montag erschossenen Studenten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung. Beide Seiten versuchten, den Studenten als Märtyrer für ihre Seite zu reklamieren. Die Kundgebung am Montag war die erste Demonstration der sogenannten grünen Opposition seit der umstrittenen Präsidentenwahl vor mehr als einem Jahr. Die Bundesregierung in Berlin bezeichnete es als “völlig inakzeptabel”, dass im Iran das Recht zur freien Meinungsäußerung mit Gewalt unterdrückt werde.

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