March 22, 2018 / 2:21 PM / a month ago

EU-Länder nach Giftanschlag solidarisch mit Großbritannien

Brüssel/London (Reuters) - Die EU-Regierungen stellen sich in der Affäre um den Giftanschlag in Salisbury klar an die Seite Großbritanniens und gegen Russland.

European Commission President Jean-Claude Juncker and Britain's Prime Minister Theresa May arrive at a European Union leaders summit in Brussels, Belgium, March 22, 2018. REUTERS/Francois Lenoir TPX IMAGES OF THE DAY

Die EU verurteile den Anschlag “in der stärkstmöglichen Weise”, heißt es im Entwurf einer Erklärung des EU-Gipfels. Man nehme die britische Einschätzung, dass Russland hinter dem Anschlag stehe, “extrem ernst”, heißt es weiter - ohne Russland aber direkt zu verurteilen. “Wir stehen in bedingungsloser Solidarität zum Vereinigten Königreich angesichts dieser gravierenden Herausforderung auf unsere gemeinsame Sicherheit.” In Salisbury ist unterdessen ein zweiter britischer Polizist nach dem Kontakt mit dem Gift erkrankt.

Die EU-Staaten legen sich nicht auf Sanktionen gegen Russland fest. Allerdings heißt es, dass die Mitgliedsstaaten ihre Konsequenzen “im Lichte der Antworten geben werden, die Russland anbietet”. Hintergrund ist die Aufforderung an die russische Regierung aufzuklären. Die EU solle zudem ihre Abwehrfähigkeiten gegen chemische, biologische und nukleare Risiken verstärken, heißt es weiter. Bereits in der vergangenen Woche hatte es eine gemeinsame Erklärung der USA, Frankreichs, Deutschland und Großbritannien gegeben, in der Russland als mutmaßlicher Drahtzieher zur Aufklärung des Giftanschlags aufgefordert worden war. Russland hat die Verantwortung zurückgewiesen.

Die britische Premierministerin Theresa May warf Russland dagegen in Brüssel vor Beginn des EU-Gipfels eine “dreiste und rücksichtslose Attacke” gegen Großbritannien vor. Der Giftanschlag in Salisbury sei “ein weiteres Zeichen russischer Aggression vom Westbalkan bis zum Nahen Osten”, sagte sie. Die 28 EU-Staats- und Regierungschefs wollen das Thema beim Abendessen des zweitägigen Gipfels besprechen.

“Wir werden nach der Attacke in Salisbury unsere größtmögliche Solidarität mit dem Vereinigten Königreich erklären”, sagte auch der estnische Ministerpräsident Jüri Ratas. “Einigkeit ist das stärkste politische Zeichen.” Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite äußerte direkte Kritik an Russland. Sie habe sich entschieden, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht zu dessen Wiederwahl zu gratulieren. “Für mich war klar, dass dies unter diesen Umständen nicht geht”, sagte Grybauskaite auf die Frage, was sie von dem Glückwunsch etwa des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker an Putin halte.

Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, sagte, er habe keine Informationen über den Vorgang, der als geheim eingestuft sei. Um den Anschlag aufzuklären, brauche es einen Detektiv wie Hercule Poirot, sagte er am Donnerstag in London in Anspielung auf die Romanfigur von Agatha Christie.

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