March 23, 2018 / 5:57 AM / 4 months ago

EU-Gipfel sieht Russland hinter Giftanschlag in England

Brüssel/London (Reuters) - Die EU-Regierungen stellen sich in der Affäre um den Giftanschlag auf einen russischen Ex-Spion in Südengland an die Seite Großbritanniens und gegen Russland.

Britain's Prime Minister Theresa May is flanked by French President Emmanuel Macron and German Chancellor Angela Merkel before their trilateral meeting at the European Union leaders summit in Brussels, Belgium, March 22, 2018. REUTERS/Francois Lenoir/Pool

Auf dem EU-Gipfel verabschiedeten die 28 Regierungen am späten Donnerstagabend eine Erklärung, in der der Anschlag auf den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia “in schärfster Weise” verurteilt wird. Man sei mit der britischen Regierung einer Meinung, dass Russland sehr wahrscheinlich verantwortlich sei und es keine andere plausible Erklärung gebe. Man stehe in “uneingeschränkter Solidarität” zu Großbritannien. Nach Angaben von EU-Diplomaten soll der EU-Botschafter in Moskau, Markus Ederer, zu Konsultationen nach Brüssel gerufen werden. Kanzlerin Angela Merkel sagte, dass sich die EU weitere Maßnahmen vorbehalte.

Damit übernehmen die EU-Staaten die Einschätzung der Regierung in London, die Russland für den Anschlag verantwortlich macht. In der Stadt Salisbury erkrankte unterdessen ein zweiter Polizist nach dem Kontakt mit dem Gift. Ein anderer Beamter wurde nach zweiwöchiger Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen.

In Brüssel hatten sich Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Premierministerin Theresa May am Donnerstagabend in einem Gespräch abgestimmt. Bereits in der vergangenen Woche gab es eine gemeinsame Erklärung der USA, Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens, in der Russland als mutmaßlicher Drahtzieher zur Aufklärung des Anschlags aufgefordert wurde. Russland hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die EU-Staaten legten sich nicht auf Sanktionen gegen Russland fest. Allerdings heißt es, dass sie ihre Konsequenzen “im Lichte der Antworten geben werden, die Russland anbietet”. Hintergrund ist die Aufforderung an die russische Regierung, die Herkunft des Nervengiftes aufzuklären, das aus Russland kommen soll. Die EU will zudem ihre Abwehr gegen chemische, biologische und atomare Risiken verstärken.

VORBEHALTE VON UNGARN UND GRIECHENLAND

Ungarn und Griechenland hatten nach Angaben von EU-Diplomaten zunächst Vorbehalte, Russland als wahrscheinlich verantwortlich für den Anschlag zu bezeichnen. Die 28 EU-Regierungen hätten sehr lange über das Thema diskutiert, “aber dann auch sehr einheitlich gesagt, dass dies mit aller Wahrscheinlichkeit darauf hinweist, dass Russland in Verbindung mit diesem Nervengasanschlag steht und dass es gar keine andere Erklärungen gibt”, sagte Merkel. Dies sei von allen Mitgliedstaaten so gesehen worden.

May hatte der Regierung in Moskau eine “dreiste und rücksichtslose Attacke” vorgeworfen. Sie sei “ein weiteres Zeichen russischer Aggression vom Westbalkan bis zum Nahen Osten”. Beim Abendessen forderte May nach Angaben aus britischen Regierungskreisen ihre EU-Kollegen auf, russische Geheimdienstmitarbeiter aus ihren Ländern auszuweisen. Deren Tätigkeiten seien nicht nur auf Großbritannien beschränkt. Am frühen Freitagmorgen zeigte sie sich mit der EU-Unterstützung zufrieden.

Der russische Botschafter in London, Alexander Jakowenko, sagte, er habe keine Informationen über den Vorgang, der als geheim eingestuft sei. Um den Anschlag aufzuklären, brauche es einen Detektiv wie Hercule Poirot, sagte er in Anspielung auf eine Romanfigur der Autorin Agatha Christie.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below