April 5, 2018 / 12:33 PM / 7 months ago

Skripal-Tochter äußert sich erstmals nach Giftanschlag

An ambulance drives past a sign indicating an entrance to Salisbury District Hospital, Britain, March 6, 2018. REUTERS/Toby Melville

Berlin/London (Reuters) - Die bei der Giftattacke im südenglischen Salisbury verletzte Tochter des Ex-Agenten Sergej Skripal hat sich erstmals selbst geäußert und von einer “verwirrenden” Situation gesprochen.

Außerdem kündigte die Cousine von Julia Skripal an, die 33-Jährige nach Russland holen zu wollen. Der russische Botschafter in London betonte unterdessen, dass sein Land eine Giftanalyse durch die internationale Organisation OPCW akzeptieren werde. In New York soll der Anschlag am Donnerstag erneut Thema im UN-Sicherheitsrat werden, nachdem Russland eine Sondersitzung beantragte. Die Regierung in Moskau wehrt sich gegen den Vorwurf des Westens, hinter dem Angriff auf Skripal und dessen Tochter zu stecken.

Das russische Fernsehen und die Agentur Interfax berichteten von einem Telefonat, das Viktoria Skripal mit ihrer verletzten Cousine führte. “Es ist alles gut, alles ist heilbar, es geht allen besser, alle sind am Leben”, wurde Julia Skripal zitiert. Über ihren Vater sagte sie demnach, er ruhe sich aus. Keiner leide unter Problemen, die nicht heilbar seien. “Ich werde mich bald selbst entlassen.” In einer in Großbritannien veröffentlichten Erklärung bat sie um den Schutz ihrer Privatsphäre. Zuvor hatte ihre Cousine Viktoria erklärt, Julia Skripal nach Russland zurückbringen zu wollen. Dafür wolle sie nach England reisen.

Seit der Eskalation des russisch-britischen Konfliktes nach dem Anschlag weist Russland zunehmend der Regierung in London die Verantwortung für den Tod mehrerer Russen in dem Land zu. So sprach der russische Botschafter Alexander Jakowenko von “sehr verdächtigen Todesumständen” mehrerer Russen in Großbritannien. Die britische Regierung sieht dagegen Russland hinter mehreren Mordanschlägen.

DEBATTE ÜBER UMGANG MIT RUSSLAND

Auch in Deutschland wird über das Vorgehen gegen Russland diskutiert. Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, forderte in der ARD, dass man vor weiteren Maßnahmen gegen Russland die Analyse des Gifts abwarten solle. Auch der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter kritisierte ein voreiliges Vorgehen der britischen Regierung. Dagegen sagte der außenpolitische Sprecher der FDP, Alexander Graf Lambsdorff, der Nachrichtenagentur Reuters, die Plausibilität spreche weiter für die britische Annahme, dass Russland für den Giftanschlag verantwortlich sei. Auch der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt, sagte: “Es muss Russland klar sein, dass es als beschuldigter Staat nicht selbst die Ermittlungen betreiben kann.”

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte darauf verwiesen, dass von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) - der auch Russland angehört - keine klare Schuldzuweisung zu erwarten sei. Er hatte dies als Begründung genannt, wieso die EU-Staaten bereits vor dem Testergebnis Maßnahmen gegen Russland ergriffen.

Großbritannien, die USA und die EU sehen es als “sehr wahrscheinlich” an, dass Russland hinter dem Anschlag auf Skripal steckt. Deswegen wies der Westen mehr als 100 russische Diplomaten und Geheimdienstmitarbeiter aus. Russland reagierte ebenfalls mit Ausweisungen.

Reporter: Andreas Rinke, Michelle Nichols, Andrey Ostroukh und Estelle Shirbon; redigiert von Thomas Seythal. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern +49 30 2888 5168 oder +49 69 7565 1236.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below