April 12, 2018 / 11:33 AM / 13 days ago

Russland zweifelt OPCW-Erkenntnisse im Fall Skripal an

Den Haag/London (Reuters) - Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal hat die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) britische Erkenntnisse “hinsichtlich des Typs der giftigen Chemikalie” bestätigt.

Salisbury District Hospital is seen after Yulia Skripal was discharged, in Salisbury, Britain, April 10, 2018. REUTERS/Peter Nicholls

Das hätten Untersuchungen eigener Proben in vier Labors ergeben, teilte die OPCW am Donnerstag mit. Die Organisation nannte weder den Namen des eingesetzten Giftes noch die Herkunft.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, die Laborergebnisse bekräftigten, dass es sich um das Nervengift Nowitschok handle. “Es kann keinen Zweifel daran geben, was genutzt wurde, und es bleibt keine alternative Erklärung, wer verantwortlich ist - nur Russland hat Möglichkeiten, Motive und Erfahrungen.” Russland zweifelte die OPCW-Ergebnisse an und forderte Großbritannien auf zu beweisen, dass es Skipal und seine Tochter nicht als “Geisel” hält.

Die britische Premierministerin Theresa May hatte im März erklärt, Skripal und seine Tochter Julia seien mit einer Substanz der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Der Stoff wurde in den 70er und 80er Jahren in der Sowjetunion entwickelt. Russland hat nach eigener Darstellung mit dem Anschlag im südenglischen Salisbury nichts zu tun. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen schwer. Der Anschlag zeige, wie rücksichtslos Russland vorgehe und wie wenig sich der Kreml an internationale Regeln halte, sagte der Chef des britischen Geheimdienstes GCHQ, Jeremy Fleming. Großbritannien forderte angesichts der Laborerkenntnisse für kommende Woche eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats.

Die Bundesregierung verlangte von Russland Aufklärung. “Russland ist nun aufgerufen, endlich eine konstruktive Rolle einzunehmen und die offenen Fragen zu beantworten”, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin.

Die Laborergebnisse, deren Details vertraulich sind, wiesen darauf hin, dass eine “sehr reine” Substanz zum Einsatz gekommen sei, erklärte die OPCW weiter. Sie sollen kommenden Mittwoch bei einem von Großbritannien beantragten Sondertreffen der OPCW auf der Tagesordnung stehen. Unklar ist jedoch, ob die Organisation die Sitzung ansetzen wird. Sie war zuletzt wegen des diplomatischen Streits zwischen Russland und dem Westen gelähmt.

RUSSLAND: OHNE ZUGANG ZUR UNTERSUCHUNG GLAUBEN WIR NICHTS

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte in Moskau, man habe Grund zur Annahme, dass der OPCW-Bericht Teil der britischen Kampagne sei, Russland in Verruf zu bringen. Solange russische Experten keinen Zugang zu den Untersuchungen hätten, sei keines der Ergebnisse glaubhaft, sagte Maria Sacharowa. Zugleich forderte sie ein Lebenszeichen der Skripals. Seit über einem Monat habe niemand die von den britischen Behörden Abgeschirmten gesehen. Großbritannien solle beweisen, dass sie die beiden nicht als Geisel zurückhalte.

Sacharowa zweifelte auch die Echtheit einer Erklärung Julia Skripals an, in der sie Hilfsangebote der russischen Botschaft in London ab. Laut einer in ihrem Namen von der britischen Polizei verbreiteten Mitteilung sagte Julia Skripal, ihr sei von der diplomatischen Vertretung freundlich jede Form der Unterstützung angeboten worden. “Zurzeit möchte ich ihre Dienste nicht in Anspruch nehmen. Wenn ich meine Meinung ändere, weiß ich, wie ich sie kontaktieren kann.”

Die 33-Jährige war am Montag aus dem Krankenhaus in der südenglischen Stadt Salisbury entlassen worden. Ihr Vater sei noch ernsthaft krank, erklärte sie weiter. Der frühere Oberst beim russischen Militärgeheimdienst lebt in Großbritannien. Er wurde 2004 in Russland verhaftet, weil er die Namen Dutzender Agenten an britische Dienste verraten hatte. 2010 kam er bei einem Agentenaustausch frei.

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