September 12, 2018 / 8:42 AM / 6 days ago

Putin bietet Japan Friedensvertrag bis zum Jahresende an

Wladiwostok (Reuters) - Mehr als 70 Jahre nach dem Kriegsende hat Russlands Präsident Wladimir Putin Japan überraschend einen Friedensvertrag noch in diesem Jahr vorgeschlagen.

Russian President Vladimir Putin shakes hands with Japanese Prime Minister Shinzo Abe during a news conference following their meeting on the sidelines of the Eastern Economic Forum in Vladivostok, Russia September 10, 2018. Donat Sorokin/TASS Host Photo Agency/Pool via REUTERS

Die Nachbarn streiten sich seit Jahrzehnten über die Kurilen-Inseln im Pazifik und haben deshalb nach dem Zweiten Weltkrieg offiziell noch nicht die Waffen endgültig niedergelegt. “Mir kommt gerade eine Idee in den Sinn”, sagte Putin am Mittwoch zu Japans Regierungschef Shinzo Abe auf einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok: “Lassen Sie uns einen Friedensvertrag vor Ende des Jahres schließen, ohne irgendwelche Vorbedingungen.” Abe äußerte sich zunächst nicht zu dem Angebot.

Abe hatte allerdings bereits am Montag gesagt, die Gespräche mit Putin würden sich auf einen Friedensvertrag zubewegen. Später in der gemeinsamen Veranstaltung mit Abe unterstrich Putin: “Ich habe das nicht scherzhaft gemeint.” Die Kurilen ziehen sich in einem 1200 Kilometer langen Bogen aus rund 30 Inseln von der nördlichen japanischen Hauptinsel Hokkaido zur russischen Halbinsel Kamtschatka. Japan beansprucht die von der Roten Armee in den letzten Kriegstagen besetzen südlichen Kurilen. Damals mussten Tausende Japaner ihre Heimat verlassen.

RUSSLAND KÖNNTE JAPANISCHE INVESTITIONEN BRAUCHEN

Der Kurilen-Streit belastet seit Jahrzehnten die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder. Putin sagte, sein Vorschlag sei, dass zunächst ein Friedensvertrag geschlossen und dann über die Streitfragen gesprochen werde. Wegen der hohen Bedeutung der Kurilenfrage in der japanischen Politik halten es Beobachter allerdings für unwahrscheinlich, dass die Regierung in Tokio ohne Zusicherungen des Kreml zum Schicksal der Inseln einen Friedensvertrag unterzeichnen würde. In Japan werden die Inseln als “Nördliche Gebiete” bezeichnet.

Sowohl Putin als auch Abe haben öffentlich erklärt, sie wollten den Insel-Streit beilegen. Abe zufolge könnte dies Investitionen japanischer Unternehmen in Russland erleichtern. Russland leidet unter westlichen Sanktionen, unter anderem wegen der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim. Eine Rückgabe der Inseln könnte Putin in der Heimat allerdings als Schwäche ausgelegt werden. Putin hatte sich zuletzt auch besorgt gezeigt über eine mögliche Stationierung eines US-Raketenabwehrsystems in der Region. Japan hatte vergangenes Jahr erklärt, seine Raketenabwehr mit dem US-System “Aegis” verstärken zu wollen. Begründet wurde dies mit der Bedrohung durch Nordkoreas Raketen.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below