for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up
Weltnachrichten

Russland sieht bislang keinen Beleg für Giftanschlag auf Nawalny

Police officers stand outside the Charite Mitte Hospital Complex, where Russian opposition leader Alexei Navalny is receiving medical treatment, in Berlin, Germany August 24, 2020. REUTERS/Michele Tantussi

Moskau/Berlin (Reuters) - Russland sieht trotz der ersten Erkenntnisse der Charité bislang keine Beweise für einen Giftanschlag auf den führenden Oppositionspolitiker Alexej Nawalny.

Die Diagnose der Berliner Universitätsklinik sei kein definitiver Beleg dafür, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes in Moskau am Dienstag. Eine Untersuchung der Umstände, die zu der schweren Erkrankung führten, sei deshalb nicht notwendig. “Es muss einen Grund für eine Untersuchung geben”, sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow in einer Online-Pressekonferenz. “Im Moment sehen Sie und ich nur, dass der Patient im Koma liegt.” Es sei für die russische Regierung unklar, warum die Ärzte in Deutschland so rasch von einer Vergiftung gesprochen hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas hatten die russischen Behörden aufgefordert, den Vorfall zu untersuchen. Dem schloss sich die schwedische Außenministern Ann Linde. Die Umstände der “mutmaßlichen Vergiftung” müssten “durch eine unabhängige Untersuchung geklärt werden”. Auch EU-Spitzendiplomat Josep Borrell und das französische Außenministerium sprachen sich dafür aus. Kreml-Sprecher Peskow sagte: “Wenn die Substanz identifiziert ist und festgestellt wird, dass es sich um eine Vergiftung handelt, dann wird dies natürlich ein Grund für eine Untersuchung sein.”

“HEISSE LUFT”

Die Charité hatte am Montag mitgeteilt, dass klinische Befunde auf eine Vergiftung Nawalnys hinwiesen. Der Oppositionelle, einer der prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, war am Donnerstag auf einem Flug von Sibirien nach Moskau zusammengebrochen. Nach einer Notlandung in Omsk wurde er zunächst in einer Klinik dort behandelt, ehe er am Wochenende nach Berlin geflogen wurde.

Kreml-Sprecher Peskow sagte, die Ärzte im Krankenhaus von Omsk hätten drei Tage lang um Nawalny gekämpft und ihm möglicherweise das Leben gerettet. “Wir verstehen nicht, warum unsere deutschen Kollegen sich mit dem Wort Vergiftung beeilen”, sagte er. Nawalny wurde wiederholt inhaftiert, verklagt und von der Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen 2018 ausgeschlossen. Jegliche Andeutung, Putin sei irgendwie in die Krankheit Nawalnys verwickelt, seien “heiße Luft”, die der Kreml nicht ernst nehme, sagte dessen Sprecher. Aus Sorge um seine Sicherheit wird Nawalny in dem Berliner Krankenhaus bewacht. Seine Frau besuchte ihn am Dienstag, weigerte sich aber, mit Journalisten zu sprechen.

for-phone-onlyfor-tablet-portrait-upfor-tablet-landscape-upfor-desktop-upfor-wide-desktop-up