September 13, 2018 / 11:53 AM / 13 days ago

Gesuchte Russen bestreiten Anschlag auf Ex-Spion Skripal

Moskau (Reuters) - Die beiden von Großbritannien als Attentäter von Sergej Skripal ausgemachten Russen haben jede Beteiligung an dem Giftanschlag auf den Ex-Spion bestritten.

FILE PHOTO: Alexander Petrov and Ruslan Boshirov, who were formally accused of attempting to murder former Russian intelligence officer Sergei Skripal and his daughter Yulia in Salisbury, are seen in an image handed out by the Metropolitan Police in London, Britain September 5, 2018. Metroplitan Police handout via REUTERS/File Photo FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS

Die Männer sprachen im russischen Sender RT davon, sie seien nur als Touristen in Salisbury gewesen, dem Ort des Anschlags auf Skripal und dessen Tochter Julia. Sie seien Opfer eines “unglaublichen Zufalls”. In der am Mittwoch aufgezeichneten und am Donnerstag ausgestrahlten Sendung stellten sie sich als Alexander Petrow und Ruslan Boschirow vor - den Namen, unter denen die britischen Behörden die Tatverdächtigen für den Anschlag auf Skripal zur Fahndung ausgeschrieben hatten. Eine britische Regierungssprecherin bekräftigte, für Großbritannien sei klar, dass die beiden dem Militär-Geheimdienst GRU angehörten. Das Interview sei ein Beispiel, wie Russland in der Affäre “verschleiere und lüge”.

Der ehemalige russische Spion Skripal und seine Tochter waren im März in der südenglischen Stadt Salisbury in Kontakt mit dem Gift Nowitschok gekommen. Es dauerte Monate, bis sich beide erholten. Die britischen Strafverfolger hatten in der vergangenen Woche zwei Russen als Tatverdächtige identifiziert und international zur Fahndung ausgeschrieben. Sie sollen das Gift auf die Türklinke des Hauses der Skripals in Salisbury aufgebracht haben.

In dem Fernsehinterview mit “Russia Today” (RT) erklärten die beiden nervös wirkenden Männer, sie seien im Geschäft mit Sportlernahrung tätig, hätten das für seine Kathedrale berühmte Salisbury aber als Touristen besucht. Für den GRU arbeiteten sie nicht. Ihre Gesichter ähnelten denen auf den Fahndungsaufrufen. Petrow sagte, er sei zusammen mit Boschirow auf Kurzurlaub in London gewesen. Sie hätten von Anfang an geplant, dabei einen eintägigen Abstecher nach Salisbury zu machen. “Unsere Freunde haben uns schon lange vorgeschlagen, diese wunderbare Stadt zu besuchen”, sagte Petrow. “Das war keine Geschäftsreise.” Es könne sein, dass sie zufällig an Skripals Haus vorbeigekommen seien, wüssten aber gar nicht, wo er wohne.

“Für die Regierung ist eindeutig, dass diese beiden Männer Offiziere des Militärgeheimdienstes - dem GRU - sind, die eine tödliche, illegale chemische Waffe auf den Straßen unseres Landes benutzt haben”, sagte die Regierungssprecherin nach dem Interview. Eine Frau in einer Nachbarstadt von Salisbury war gestorben, nachdem ihr Partner eine gefälschte Parfümflasche von Nina Ricci nach Hause gebracht hatte, die Nowitschok enthielt.

Nach Erkentnissen der britischen Polizei waren die beiden Männer auf ihrer Reise sogar zweimal mit dem Zug in Salisbury. Am Freitag in London angekommen, hätten sie die Stadt am Samstag ausgekundschaftet und seien am Sonntag zurückgekehrt, um Skripal zu vergiften. Danach seien sie direkt zum Flughafen gefahren und nach Hause geflogen, wenige Stunden nachdem der Ex-Spion bewusstlos auf einer Parkbank gefunden wurde. Die beiden Russen sagten, sie hätten ihren ersten Besuch abgebrochen, weil es in Salisbury geschneit habe, und seien am nächsten Tag noch einmal hingefahren.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Dienstag erklärt, man habe die beiden in Großbritannien beschuldigten Männer identifiziert. An ihnen sei aber nichts Besonderes oder Kriminelles. Am gleichen Tag sagte RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan, sie sei von den Männern kontaktiert worden. Sie habe sie am Mittwochabend getroffen und interviewt. Russlands Verfassung verbietet die Auslieferung von Bürgern des Landes.

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