August 14, 2009 / 5:06 AM / 9 years ago

Medwedew-Berater Surkow soll Polit-Thriller verfasst haben

Moskau (Reuters) - Ein kurzer Thriller über ein obskures politisches System mit korrupten Politikern und Polizisten sowie käuflichen Medien sorgt dieser Tage im Kreml für Aufregung.

Denn kein Geringerer als der einflussreiche Präsidenten-Berater Wladislaw Surkow soll den im Juli erschienenen Kurzroman “Nahe Null” unter einem Pseudonym verfasst haben. Ein Informant im Magazin “Russischer Pionier”, die das Werk veröffentlichte, bestätigte, bestätigte die Autorenschaft Surkows. “Er hat es definitiv nicht geschrieben”, kam prompt das Dementi aus dem Präsidialamt, wo der in der Öffentlichkeit nur selten auftretende Vize-Stabschef seit zehn Jahren im Zentrum der Macht sitzt.

Die Hauptfigur der als “Gangster-Roman” beworbenen Novelle ist ein Verleger, der nebenbei Polit-PR betreibt. Dieser Jegor Samochodow heuert einen Dichter an, der unter dem Namen eines Regionalgouverneurs Verse schmieden soll, damit der im besten Lichte erscheint. Eine oppositionelle Journalistin will er mittels Schmiergeld dazu bringen, “korrekte” Meldungen über Kinder zu schreiben, obwohl die durch eine dem Gouverneur gehörende Chemiefabrik krank geworden sind.

Die unter dem Pseudonym “Natan Dubowitzki” erschienene Erzählung schildert ziemlich genau Verhältnisse, auf die man im heutigen Russland stoßen kann. So lassen sich manche Medien für positive Berichte oftmals bezahlen und nicht wenige Mächtige glauben, sie könnten mit Geld und Schikane ihre Ziele verwirklichen.

Dass Surkow, der schon Ex-Präsident Wladimir Putin diente, “Nahe Null” geschrieben hat, ist für einige Medien ausgemachte Sache. Schließlich weist das Pseudonym Natan Dubowitzki eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Namen seiner zweiten Frau Natalja Dubowitzkaja auf. Bekannt geworden ist Surkow als geistiger Vater der Doktrin der “Souveränen Demokratie”. Darunter versteht er einen starken Staat im Zentrum des politischen Geschehens, der für Ordnung sorgt und ausländische Einmischung verhindert. Surkow hat dem Westen oft vorgeworfen, Lügen über Russland zu verbreiten.

Für den Chefredakteur von “Russischer Pionier” war das aber nicht der Grund, “Nahe Null” zu drucken. Ausschlaggebend gewesen sei die literarische Qualität des Thrillers, sagte Andrei Koleschnikow der Nachrichtenagentur Reuters. Er wisse nicht, wer hinter dem Pseudonym stecke. “Ich bekam den Text per E-Mail mit der Bitte um meine Meinung.”

Mittlerweile gibt es Spekulationen, dass Surkow die Erzählung geschrieben hat, um die mit Zwei-Drittel-Mehrheit regierende Partei Einiges Russland auf neue Zeiten und größere politische Konkurrenz einzustimmen. Bevor er in die Politik ging hatte Surkow in den 1990er Jahren PR-Berater gearbeitet. Zu seinen Klienten gehörten der Oligarch Michail Fridman und der inzwischen in Ungnade gefalle Ölmagnat Michail Chodorkowski.

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