October 19, 2018 / 5:19 AM / a month ago

Auch USA boykottieren saudischen Investorengipfel

Washington/Istanbul (Reuters) - Nach dem Verschwinden des saudiarabischen Journalisten Dschamal Chaschoggi sagt auch US-Finanzminister Steven Mnuchin seine Teilnahme an einer Investorenkonferenz in dem Königreich ab.

Robert Mahoney, Deputy Executive for the Committee to Protect Journalists, speaks during a news conference to issue an appeal to the UN on the disappearance of Saudi journalist Jamal Khashoggi at the United Nations in New York, U.S., October 18, 2018. REUTERS/Shannon Stapleton

Damit machen immer mehr Größen aus Politik und Wirtschaft einen Bogen um das Treffen kommende Woche. Vor Mnuchin erklärte am Donnerstag der französische Finanzminister Bruno Le Maire, nicht nach Riad zu reisen. Auch sein niederländischer Kollege Wopke Hoekstra sagte einem Agenturbericht zufolge wie der Chef des französischen Rüstungskonzerns Thales, Patrice Caine, seine Teilnahme ab. Die Türkei wirft Saudi-Arabien vor, in seinem Konsulat in Istanbul den Regimekritiker Chaschoggi getötet zu haben. Mnuchin teilte mit, er habe sich mit US-Präsident Donald Trump und Außenminister Mike Pompeo beraten. Sie hätten entschieden, dass er nicht an der Konferenz teilnehme.

Le Maire begründete seine Absage damit, dass die “Voraussetzungen nicht gut” seien und forderte eine Erklärung der saudischen Regierung. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es Absagen zu dem Treffen gehagelt, mit dem Saudi-Arabien ausländische Investoren anlocken will. Das Königreich hält dennoch an der Veranstaltung vom 23. bis 25. Oktober fest.

Zuletzt erklärten unter anderem IWF-Chefin Christine Lagarde und die Vorstandschefs der Großbanken HSBC, Standard Chartered und Credit Suisse, sie wollten nicht anreisen. Andere ließen ihre Teilnahme noch offen. Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte, er werde sich in den kommenden Tagen entscheiden. Auf einer Konferenz in Kanada hatte er am Dienstag gesagt, das Verschwinden Chaschoggis sei zwar eine ernste Angelegenheit. “Wenn wir auf der anderen Seite aufhören, mit Ländern zu sprechen, in den Menschen vermisst werden, können wir zu Hause bleiben, weil wir mit niemandem mehr sprechen können.” Eine Teilnahme deutscher Minister war ohnehin nicht geplant.

Eine Abkehr ausländischer Investoren könnte schwerwiegende Folgen für Saudi-Arabien haben, das vor einem tiefgreifenden Umbau seiner Wirtschaft steht. Das erdölreiche Land will seine Öl-Abhängigkeit reduzieren und sich zu einem hochmodernen Industrieland entwickeln.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte, es gebe noch zu wenige Informationen über das Verschwinden von Chaschoggi, um die Beziehungen zu Saudi-Arabien aufs Spiel zu setzen. Er wolle zunächst weitere Details abwarten.

USA RÄUMEN SAUDI-ARABIEN MEHR ZEIT EIN

Türkische Ermittler suchten mit Hochdruck nach weiteren Hinweisen für eine Tötung Chaschoggis. Neben der Residenz des saudiarabischen Konsuls in Istanbul wurde auch nochmals das Konsulat durchsucht, das Chaschoggi am 2. Oktober betreten hatte, bevor er spurlos verschwand. Die regierungstreue türkische Zeitung “Yeni Safak” berichtete, dem Kritiker des saudischen Königshauses seien während eines Verhörs die Finger abgeschnitten worden. Später sei er enthauptet und seine Leiche zerstückelt worden. Saudi-Arabien bestreitet eine Tötung Chaschoggis.

Die USA räumten Saudi-Arabien mehr Zeit zur Klärung der Vorwürfe ein. Danach könnte die USA entscheiden, ob und wenn ja wie sie darauf reagieren würden, sagte Außenminister Pompeo nach einer Unterredung mit Trump. Dieser hatte Pompeo in die Region entsandt, um mit den Vertretern des saudischen Königshauses und der türkischen Regierung zu sprechen.

Vier Menschenrechtsgruppen - Amnesty International, das Komiteee zum Schutz von Journalisten (CPJ), Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen - forderten die Türkei auf, die Vereinten Nationen um eine Untersuchung zum Verschwinden von Chaschoggi zu ersuchen. “Eine UN-Untersuchung ist die beste Garantie, dass Saudi-Arabien die Geschichte nicht einfach schönfärben und unter den Teppich kehren kann”, sagte Robert Mahoney, stellvertretender CPJ-Leiter in New York.

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