October 23, 2018 / 11:41 AM / 23 days ago

Erdogan wirft Saudi Arabien grausamen Mord an Khashoggi vor

Turkish President Tayyip Erdogan addresses members of parliament from his ruling AK Party (AKP) during a meeting at the Turkish parliament in Ankara, Turkey, October 23, 2018. REUTERS/Tumay Berkin

Ankara (Reuters) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft Saudi-Arabiens Staatsführung vor, den regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi ermordet zu haben.

“Geheimdienst und Sicherheitsbehörden haben Hinweise, die belegen, dass der Mord geplant war”, sagte Erdogan am Dienstag in Ankara. Er wies damit Darstellungen aus Saudi Arabien zurück, es sei zu einem Kampf im Konsulat in Istanbul gekommen, bei dem Khashoggi ums Leben gekommen sei. Erdogan nahm in seiner mit Spannung erwarteten Rede den Namen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman nicht in den Mund. Er wird von US-Politikern verdächtigt, die Beseitigung Khashoggis angeordnet zu haben.

“In so einem Fall bloß einige Mitglieder des Geheimdienstes und der Sicherheitsbehörden verantwortlich zu machen, wird weder uns noch die internationale Gemeinschaft überzeugen”, sagte Erdogan. “Von der Person, die den Befehl gab, bis zu jenen, die ihn ausführten, alle müssen zur Verantwortung gezogen werden.” Khashoggi sei eines grausamen Todes gestorben. Erdogan wies darauf hin, dass die Leiche des Journalisten immer noch nicht gefunden worden sei, und forderte Saudi Arabien auf, örtliche Helfer der Attentäter aufzudecken. Solange nicht alle Fragen beantwortet seien, würden die Ermittlungen fortgeführt.

In Saudi Arabien berichtete die Nachrichtenagentur SPA, der saudische König Salman werde Angehörige Khashoggis empfangen. An dem Treffen werde auch Kronprinz Mohammed bin Salman teilnehmen. Das saudi-arabische Kabinett erklärte nach einer Sitzung mit König Salman, die Verantwortlichen für die Tötung Khashoggis und jene, die ihre Pflichten nicht erfüllt hätten, würden Rechenschaft ablegen müssen.

Khashoggi verschwand bei einem Besuch des saudiarabischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober. Saudi-Arabien wies wochenlang den Verdacht zurück, der Regierungskritiker sei dort getötet worden. Erst vor wenigen Tagen räumte das Land den Tod des Journalisten ein. Die Türkei vermutet, dass Khashoggi in dem Konsulat getötet und zerstückelt wurde. Aus türkischen Kreisen hieß es, die Behörden verfügten über Tonaufnahmen, welche die Tat dokumentierten.

KEINE NEUEN DETAILS ÜBER TATHERGANG

Neue Indizien zur Tötung Khashoggis nannte Erdogan nicht, obwohl seine Erklärung vor Tagen angekündigt worden war. Er erwähnte auch die angeblichen Tonaufnahmen nicht. Er bestätigte jedoch, vor dem Tag der Tat seien drei Agenten in die Türkei eingereist, offenkundig um die Lage auszukundschaften. Am Tag des Mordes seien 15 Personen in das Konsulatsgebäude gegangen. Es seien Mitglieder des Geheimdienstes, der Sicherheitsbehörden und Forensiker gewesen. Das Konsulatspersonal habe einen freien Tag bekommen. “Wieso haben sich diese 15 Personen am Tag des Mordes im Konsulat getroffen?” fragte Erdogan. “Wir wollen darauf Antworten.” Saudi-Arabien müsse es ermöglichen, dass die Verantwortlichen in der Türkei vor Gericht gestellt werden könnten.

In den USA erfuhr Reuters, dass CIA-Direktorin Gina Haspel am Montag in Richtung Türkei abgeflogen sei, um bei den Ermittlungen zu helfen. US-Präsident Donald Trump hatte zunächst die Angaben aus Saudi Arabien, Khashoggi sei bei einem Streit ums Leben gekommen, für plausibel gehalten. Am Montag jedoch erklärte er, er sei unzufrieden mit den Erklärungen aus Saudi Arabien. In London betonte Premierministerin Theresa May, die Äußerungen Erdogans machten klar, dass die Saudis immer noch einige Antworten zu geben hätten.

Der Vorfall hat auch in westlichen Staaten Empörung ausgelöst, die die Beziehungen mit Saudi-Arabien belasten. Die Bundesregierung hat deswegen die Auslieferung bereits genehmigter Rüstungsexporte an Saudi-Arabien infrage gestellt. Politiker und Manager wie Siemens-Chef Joe Kaeser sagten ihre Teilnahme an der am Dienstag begonnenen Investorenkonferenz in Saudi-Arabien ab. Zum Auftakt der Veranstaltung zeichnete sich ab, dass das Land Investitionen von mehr als 50 Milliarden Dollar einsammeln könnte.

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