October 24, 2018 / 10:23 AM / a month ago

Im Fall Khashoggi nimmt Druck auf saudischen Kronprinzen zu

Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman attends the investment conference in Riyadh, Saudi Arabia October 23, 2018. Bandar Algaloud/Courtesy of Saudi Royal Court/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY.

Istanbul (Reuters) - Der saudische Kronprinz Mohammed bin SalmanIgerät nach der Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi international unter Druck.

US-Präsident Donald Trump erklärte erstmals, der Kronprinz trage die Verantwortung für den Einsatz, der zum Tod des Regierungskritikers im saudiarabischen Konsulat in Istanbul geführt hat. In der Türkei sagte ein Berater von Präsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch, an den Händen von Prinz Mohammed klebe Blut. Nach den USA verhängte auch Großbritannien Einreisesperren gegen Personen, die mit der Tötung Khashoggis in Zusammenhang stehen sollen. Der Prinz erklärte am Mittwoch, die Schuldigen würden zur Rechenschaft gezogen. Bislang hatte es aus Saudi-Arabien geheißen, Prinz Mohammed habe erst nach dem Tod Khashoggis von dem Vorfall erfahren.

Trump räumte in einem Gespräch mit dem “Wall Street Journal” ein, er habe zunächst glauben wollen, saudiarabische Agenten allein seien für einen außer Kontrolle geratenen Einsatz im Konsulat in Istanbul verantwortlich. Nach offizieller Lesart aus Riad wurde Kashoggi dort bei einer Schlägerei getötet. Der US-Präsident sagte nun, der Prinz leite de facto die Regierungsgeschäfte. “Wenn es also irgendjemand war, dann er.” Erdogan wirft Saudi-Arabien vor, Khashoggi durch ein extra eingeflogenes Agententeam ermordet haben zu lassen. Von der Leiche Khashoggis fehlt weiter jede Spur.

Mit dem Kronprinzen gerät eine Person in die Kritik, von der sich vor allem westliche Staaten und Bürgerrechtler eine Lockerung des streng konservativ-muslimischen Strukturen in Saudi-Arabien mit seiner wahhabitischen Staatsdoktrin erhofften. Prinz Mohammed stellte sich als Reformer dar, der sein Land öffnen will. So dürfen Frauen erst seit diesem Jahr selber Auto fahren und sind damit nicht mehr auf männliche Fahrer angewiesen.

AGENTEN SOLLEN DEM KRONPRINZEN DIREKT UNTERSTEHEN

Erdogan selbst hat bislang den Kronprinzen nicht persönlich für das Attentat verantwortlich gemacht. Sein Berater Ilnur Cevk erklärte nun, mindestens fünf der saudiarabischen Agenten unterstünden direkt dem Kronprinzen und würden nie ohne sein Einverständnis vorgehen. Unter dem Druck der Vorwürfe ließ die Regierung in Riad auch Ermittlungen türkischer Behörden auf dem Gelände des Konsulats zu, etwas was sie zuvor angelehnt hatte. “Wir sind entschlossen, keine Vertuschung dieses Mordes zu erlauben”, sagte Erdogan. Sein Land werde sicherstellen, dass sich keine Verantwortlichen vor der Justiz drücken könnten. Erdogan telefonierte nach Angaben des Präsidialamtes am Mittwoch mit Prinz Mohammed. Beide hätten darüber gesprochen, was geschehen müsse, damit alle Umstände der Tötung Khashoggis geklärt würden. Anschließend erklärte der Prinz, man werde sich mit der Türkei abstimmen, um zu Ergebnissen zu kommen.

Nach den USA verhängte auch Großbritannien Einreisesperren gegen Saudiaraber. Ihr Land werde alles tun, um zu verhindern, dass die Verdächtigen in Großbritannien einreisen könnten, sagte Premierministerin Theresa May. Bereits erteilte Visa würden zurückgezogen. Zuvor hatten die USA Einreisesperren für 21 saudiarabische Staatsbürger verhängt und damit erstmals Konsequenzen gezogen.

Der Vorfall hat in westlichen Staaten Empörung ausgelöst, die die Beziehungen mit Saudi-Arabien belasten. Die Bundesregierung hat deswegen die Auslieferung bereits genehmigter Rüstungsexporte an Saudi-Arabien infrage gestellt. Vollende Tatsachen will Frankreich zunächst nicht schaffen. Entscheidungen über die Beziehungen zu Saudi Arabien würden erst gefällt, wenn der Fall Khashoggi vollständig aufgeklärt sein, sagte ein enger Mitarbeiter von Präsident Emmanuel Macron.

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