October 25, 2018 / 10:48 AM / 18 days ago

Auch in Saudi Arabien ist nun die Rede von Mord an Khashoggi

- von Asma Alsharif und Tuqa Khalid

A member of Sri Lankan web journalist association holds a placard during a protest condemning the murder of slain journalist Jamal Khashoggi in front of the Saudi Embassy in Colombo, Sri Lanka October 25, 2018. REUTERS/Dinuka Liyanawatte TPX IMAGES OF THE DAY

Dubai (Reuters) - Saudi-Arabien vollzieht im Fall Khashoggi eine immer schärfere Kehrtwende. Am Donnerstag wertete erstmals ein saudischer Staatsanwalt die Todesumstände des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi im Konsulat in Istanbul als Mord.

Ursprünglich hatten saudische Behörden abgestritten, etwas mit dem Verschwinden Khashoggis zu tun zu haben. Später hieß es, der 59-Jährige sei bei einer Schlägerei in dem Konsultat ums Leben gekommen. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der im Verdacht steht, die tödliche Attacke auf Khashoggi angeordnet zu haben, versprach eine strenge Bestrafung der Täter.

Informationen aus der Türkei bestätigten, dass die Verdächtigen mit voller Absicht das Verbrechen begangen hätten, hieß es in einer Stellungnahme der saudischen Staatsanwaltschaft. Die Verdächtigen würden vernommen. Nach türkischer Darstellung waren 15 Agenten nach Istanbul gereist, die Khashoggi getötet haben sollen. Die saudiarabische Agentur SPA berichtete am Donnerstag, Prinz Mohammed habe an der ersten Sitzung eines Komitees zur Reform des Geheimdienstes teilgenommen. Ziel sei es, die bisherigen Praktiken zu untersuchen und Veränderungen zu empfehlen.

SALMAN VERSPRICHT BESTRAFUNG DER TÄTER

Nach erheblichem öffentlichen Druck hat Saudi-Arabien in die Bildung einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe mit der Türkei eingewilligt. Nach übereinstimmenden Medienberichten in der Türkei und in Saudi-Arabien verständigten sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit Kronprinz Mohammed in einem Telefonat auf Maßnahmen, um alle Aspekte des Mordes aufzuklären.

In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme sagte der Kronprinz am Mittwoch in Riad: “Wir werden der Welt beweisen, dass die beiden Regierungen (Saudi-Arabien und die Türkei) zusammenarbeiten, um jeden Verbrecher und jeden Täter zu bestrafen.” Zugleich betonte der 33-Jährige bei einer Investorenkonferenz, dass die Tat Saudi-Arabien nicht von seinem Reformkurs abbringen werde. Nur wenige Stunden zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erstmals erklärt, der Kronprinz trage die Verantwortung für den Einsatz, der zum Tod des Regierungskritikers geführt habe.

Starke Indizien für Mordabsichten erhielt Insidern zufolge auch CIA-Direktorin Gina Haspel, die zur Unterstützung der Ermittlungen in die Türkei geflogen war. Demnach wurde ihr eine Tonaufnahme vorgespielt, die während der Tötung des Journalisten im Konsulat aufgezeichnet wurde. Sie wolle Präsident Trump noch am Donnerstag unterrichten, teilte das US-Präsidialamt mit. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, seine Regierung habe Informationen an einige Beteiligte weitergegeben, die zusätzliche Details benötigten. Die Türkei strebe nicht an, den Fall vor ein internationales Gericht zu bringen, werde aber Erkenntnisse austauschen, falls internationale Ermittlungen eingeleitet würden.

US-POLITIKER WOLLEN RÜSTUNGSEXPORTE VERHINDERN

Khashoggi war am 2. Oktober in das Konsulat gegangen, um Unterlagen für seine Hochzeit abzuholen. Der mutmaßliche Mord an dem Oppositionellen hat westliche Staaten veranlasst, die Beziehungen zu dem Königreich zu überdenken. Deutschland hat deswegen bereits genehmigte, aber noch nicht verschiffte Rüstungsexporte in Frage gestellt. In den USA will eine Gruppe von Abgeordneten der Republikaner und Demokraten im US-Repräsentantenhaus will Rüstungsexporte in das Land stoppen. Khashoggi lebte in den USA im Exil.

Auf internationale Geschäftsbeziehungen hatte der Fall keinen gravierenden Einfluss. Saudi-Arabien bezeichnete seine Investorenkonferenz als Erfolg. Energieminister Chalid al-Falih sagte im Staatsfernsehen, sein Land habe mehr als 25 Verträge unterzeichnet im Gesamtwert von 56 Milliarden Dollar. Der Großteil davon sei mit US-Unternehmen geschlossen worden. “Die USA werden ein wichtiger Bestandteil der saudiarabischen Wirtschaft bleiben”, ergänzte er. Die Konferenz in Riad sei zwar von einer Boykott-Kampagne geschwächt worden. Diese sei aber letztlich gescheitert.

Ziel der Konferenz war es, ausländisches Kapital anzulocken, das die Wirtschaftsreformen in Saudi-Arabien mitfinanziert. Viele große westliche Banken, deren Chefs sich für einen Boykott entschieden, waren mit Teams von Managern niedrigeren Ranges vertreten, wie aus Branchenkreisen verlautete. Energieminister Falih erklärte, viele Konzerne hätten sich für ihre Abwesenheit entschuldigt: “All die Unternehmen, die nicht gekommen sind, haben uns in den letzte 48 Stunden angerufen, sich entschuldigt, ihre Abwesenheit bedauert und versprochen, sich in den kommenden Wochen um die Öffnung von Büros zu bewerben und die Beziehungen wieder zu normalisieren.”

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below