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Druck auf VW nimmt zu - Warnungen wohl ignoriert
28. September 2015 / 04:58 / in 2 Jahren

Druck auf VW nimmt zu - Warnungen wohl ignoriert

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Im Volkswagen-Konzern hat es Medienberichten zufolge schon lange Hinweise auf den Einsatz illegaler Software zur Manipulation von Abgas-Tests bei Diesel-Fahrzeugen gegeben.

A Volkswagen bus from the Porsche museum is displayed during the Porsche Rennsport Reunion V at Laguna Seca Raceway near Salinas, California, September 26, 2015. The three-day reunion is billed by organizers as "the world's largest gathering of Porsche racecars, renowned drivers, and Porsche collector cars." REUTERS/Michael Fiala

Der Zulieferer Bosch und ein VW-Techniker haben nach Angaben von Sonntagszeitungen bereits vor Jahren vor der Praxis gewarnt, die den Wolfsburger Autobauer jetzt in die schwerste Krise seit Jahrzehnten gestürzt hat. Der Druck auf VW, den Fall schnell aufzuklären und das Vertrauen wieder herzustellen, wird immer größer. Kanzleramtsminister Peter Altmaier verlangte eine Garantie, dass Autos deutscher Hersteller Gesetze einhalten. Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) forderte VW auf, alle betroffenen Diesel-Fahrzeuge umzurüsten, so dass sie den Abgasgesetzen entsprechen. Andernfalls droht laut “Bild am Sonntag” sogar der Entzug der Zulassung.

Bei VW hieß es, man könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wer was wann gewusst habe. Man fokussiere sich nun darauf, für Kunden und Händler technische Lösungen zur Verfügung zu stellen.

Ein Techniker von VW hat laut der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” bereits 2011 vor den Praktiken gewarnt. Dies gehe aus einem Prüfbericht der internen Revision von VW hervor, schrieb das Blatt unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Das Kontrollgremium sei darüber bei seiner Sitzung am vergangenen Freitag informiert worden. Es sei aber nicht geklärt worden, warum die Warnung damals ohne Folgen geblieben sei. Sollten die externen Ermittler Belege für ein Fehlverhalten aktueller oder ehemaliger Vorstände finden, drohten den Managern Schadenersatzforderungen des Konzerns.

Bosch soll sogar schon 2007 vor der gesetzeswidrigen Verwendung der Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt haben. Die von Bosch gelieferte Software sei nur für Testzwecke vorgesehen gewesen, nicht für den normalen Fahrbetrieb, schrieb die “Bild am Sonntag” unter Berufung auf ein VW-internes Dokument, auf das die interne Revision gestoßen sei. In einem Brief habe Bosch dem Konzern mitgeteilt, dass der geplante Einsatz illegal sei.

Ein Bosch-Sprecher betonte am Sonntag, man sei im Rahmen der Geschäftsbeziehungen mit VW zur Vertraulichkeit verpflichtet. Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass die Technik zur Abgasnachbehandlung von dem schwäbischen Autozulieferer stammt. Aus den Unterlagen der US-Umweltbehörde EPA, die den Skandal öffentlich gemacht hat, geht hervor, dass VW die Software selbst programmiert hat.

KONTROLLBEHÖRDE SETZT VOLKSWAGEN EIN ULTIMATUM

Das KBA setzt den Wolfsburgern bei der Aufklärung des Falls das Messer auf die Brust: “Das Kraftfahrtbundesamt hat VW aufgefordert, einen verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan vorzulegen, aus dem ersichtlich wird, bis wann eine technische Lösung der betreffenden Fahrzeuge umgesetzt werden kann”, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Die Frist laufe bis zum 7. Oktober. Falls VW nicht reagiere, werde die Behörde den Autos die “Typengenehmigung” entziehen, schrieb die “Bild am Sonntag”. Damit dürften die Fahrzeuge nicht mehr verkauft und bewegt werden.

Ein VW-Sprecher betonte, das Unternehmen stehe in Kontakt mit dem KBA. “Es ist unser Ziel in der nächsten Woche einen groben Zeitplan zu haben zu den betreffenden Punkten.” Es sei im ureigenen Interesse von VW, die Sache so schnell wie möglich zu klären. Die Gespräche fänden auf höchster Ebene statt. In Italien bat der VW-Landeschef Massimo Nordio laut Zeitung “Corriera della Sera” Händler bereits, Autos des Konzerns mit bestimmten Motoren nicht mehr zu vertreiben.

Der neue VW-Chef Matthias Müller steht vor einer Herkulesaufgabe. Er muss Europas größten Autobauer aus der Krise führen und für Glaubwürdigkeit sorgen - bei Kunden und Investoren, in der Politik und bei den rund 600.000 Mitarbeitern. “Unser Unternehmen steht vor nie dagewesenen Herausforderungen”, schrieb er laut “Handelsblatt” gemeinsam mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh am Freitagabend an die Belegschaft. “Wir klären jetzt schonungslos auf.” Die Vorgänge dürften sich keinesfalls wiederholen. VW müsse nun bei der internen Aufsicht und der Unternehmensführung neue Maßstäbe in der Branche setzen.

Die Affäre hatte vergangene Woche dem langjährigen Firmenchef Martin Winterkorn das Amt gekostet. Auf VW kommen Milliardenlasten zu, die Aktie hat innerhalb weniger Tage massiv an Wert verloren. Dennoch pocht Winterkorn laut “Bild am Sonntag” auf die Auszahlung seines noch bis Ende 2016 laufenden Vertrags. Im Aufsichtsrat gebe es allerdings Widerstände gegen die Forderung. Der Manager verdiente im vergangenen Jahr 15,9 Millionen Euro und war damit Spitzenreiter unter den Chefs der 30 Dax-Unternehmen.

“EKLATANTE VERSTÖSSE GEGEN UMWELTVERSPRECHEN”

In der Politik und Wirtschaft geht derweil die Angst um, dass durch den Abgas-Skandal deutsche Produkte in Verruf geraten. Wenn ein Weltkonzern wie VW sich so eklatant über Umweltregeln hinwegsetze, dann werfe dies einen Schatten auf die Versprechen deutscher Unternehmen, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dem “Handelsblatt”. Altmaier betonte im “Tagesspiegel am Sonntag”, VW sei für das Image der hiesigen Wirtschaft mitverantwortlich. Es sei im “deutschen Interesse, dass die Vorgänge bei Volkswagen aufgeklärt und die notwendigen Konsequenzen gezogen werden”.

Bei Aktienanlegern war zuletzt die Sorge aufgekommen, auch andere Autobauer könnten bei Abgas-Tests geschummelt haben. Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”, sein Unternehmen halte sich an die gesetzlichen Vorgaben. “Wir haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen.” Auf die Frage, ob alle Hersteller Betrüger seien, sagte er: “Klare Antwort: Nein!”

Das sieht auch die Mehrheit der Deutschen so. Einer Umfrage des Instituts Emnid für die “Bild am Sonntag” zufolge haben 44 Prozent der Befragten “großes Vertrauen”, elf Prozent sogar “sehr großes Vertrauen” in die technischen Angaben der Hersteller.

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