March 9, 2012 / 4:19 PM / 7 years ago

Hellas wendet Pleite ab - Hilfsgelder können fließen

Berlin/Athen (Reuters) - Griechenland hat mit einem Schuldenschnitt die unmittelbare Pleitegefahr gebannt und wird weiter mit Milliardenhilfen von EU und IWF über Wasser gehalten.

“Materiell besteht kein Zweifel darüber, dass wir in der nächsten Woche die Freigabe des zweiten Pakets beschließen können”, kündigte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Freitag in Berlin an. Griechenland hatte zuvor der weitaus größten Zahl seiner Privatgläubiger einen freiwilligen Schuldenschnitt abgerungen und damit eine Voraussetzung für die Hilfen im Volumen von 130 Milliarden Euro erfüllt. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist damit der Weg zur “historisch größten Umschuldung eines Staates geöffnet”. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hält das griechische Problem nun gar für gelöst, obwohl noch immer das Damoklesschwert eines Kreditausfalls über Hellas schwebt.

Er sei sehr glücklich darüber, dass eine Lösung für die griechische Krise gefunden worden sei, sagte Sarkozy, der derzeit um seine Wiederwahl kämpft. “In der Finanzkrise wendet sich das Blatt.” Auch der IWF, der laut Schäuble einen bedeutenden Beitrag zum zweiten Paket leisten wird, begrüßte den Schuldenschnitt als Schlüsselfaktor zur Rückkehr Griechenlands auf den Wachstumspfad.

Die Regierung in Athen hatte zuvor bekanntgegeben, dass sich 85,8 Prozent der Privatgläubiger an dem Anleihe-Tausch beteiligen. Da die angestrebte Quote von 90 Prozent knapp verfehlt wurde, sollen die unwilligen Investoren nun zum Verzicht gezwungen werden. Dies könnte in letzter Konsequenz bedeuten, dass Griechenland als Kreditausfall-Land gebrandmarkt wird. Die Bonitätswächter von Fitch stuften das Land in Sachen Kreditwürdigkeit umgehend vom Ramschstatus auf eingeschränkten Zahlungsausfall herunter und folgten damit dem Beispiel der beiden anderen großen Rating-Agenturen.

Eine besonders heikle Entscheidung zur Kreditwürdigkeit steht jedoch noch aus: Der Internationale Derivateverband (ISDA) muss klären, ob der Zwang zum Schuldenschnitt ein “Kreditereignis” ist. In diesem Fall würden milliardenschwere Kreditausfallversicherungen (CDS) fällig und womöglich gefährliche Kettenreaktionen im Finanzsystem ausgelöst. Schäuble äußerte sich jedoch zuversichtlich, dass eine entsprechende ISDA-Entscheidung deutsche Banken nicht in Gefahr bringen werde.

“SPERRFEUER IST WEG”

An den Märkten machte sich erst einmal Erleichterung breit: “Das Sperrfeuer aus Griechenland ist erst einmal weg”, fasste ein Aktienmarkthändler in Frankfurt die Stimmung zusammen. Der deutsche Leitindex Dax kletterte um 0,7 Prozent auf 6882 Punkte, wobei allerdings positive Daten vom US-Arbeitsmarkt die Stimmung zusätzlich aufhellten. Auch Griechenland kann nun erst einmal aufatmen. Die Eurofinanzminister gaben laut Schäuble bereits grünes Licht für die Freigabe von 35,5 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket. 30 Milliarden Euro davon sollen dazu dienen, um die neu umgetauschten Staatsanleihen für Privatgläubiger abzusichern. Die restlichen 94,5 Milliarden Euro würden dann kommende Woche freigegeben. “Griechenland hat mit dem heutigen Tag eine klare Chance, es zu schaffen. Wir sind noch nicht über den Berg, aber auf einem guten Weg”, sagte Schäuble über den Zustand des Dauerpatienten Griechenland.

Der Schuldenschnitt bedeutet einen bedeutenden Entlastung für das klamme Mittelmeerland: Banken, Versicherungen und Fonds verzichten auf Forderungen von mehr als 100 Milliarden Euro. In den sauren Apfel musste auch die Bad Bank der verstaatlichen Münchner Hypo Real Estate beißen. Die FMS Wertpapiermanagement, in der die Risiken der HRE

gebündelt sind, wird mit einem Volumen von rund 8,2 Milliarden Euro am Umtausch teilnehmen. Wie Schäuble vor der Presse erläuterte, bedeutet dies einen zusätzlichen Abschreibungsbedarf von rund 3,1 Milliarden Euro für das Institut. “Das sind noch nicht Kosten für den Steuerzahler - das ist gleichwohl sehr schmerzhaft, auch aus der Sicht der Bundesregierung”, sagte der Finanzminister. Abgerechnet wird erst am Ende beim Auslaufen des Bankenabwicklungsfonds Soffin.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sprach von einem “sehr erfolgreichen” Schuldenschnitt. Die angestrebte Marke von 90 Prozent bei der Beteiligung wurde allerdings verfehlt, womit sich eine Finanzlücke von rund fünf Milliarden Euro ergibt. Um sie zu schließen, will die Regierung die widerspenstigen Investoren nun zum Tausch zwingen. Manche Experten halten dies für ein äußerst problematisches Manöver: “Wir warnen seit zwei Monaten, dass Griechenland kollabieren wird, und genau das beginnt im Moment. Sollte der ISDA das Ziehen der Umschuldungsklauseln als ein Kreditereignis einstufen, dann haben wir einen öffentlichen Hinweis auf eine Pleite Griechenlands”, sagte Suresh Kumar Ramanathan von der CIMB Investment Bank in Kuala Lumpur. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, warnte vor Panikmache. Alle Marktteilnehmer hätten sich frühzeitig auf mögliche Szenarien einstellen können, so dass nicht mit heftigen Marktreaktionen zu rechnen sei.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below