June 20, 2011 / 1:58 PM / in 9 years

Banken wollen sich Griechen-Hilfen bezahlen lassen

Frankfurt (Reuters) - Private Gläubiger wollen sich nicht ohne Gegenleistung am nächsten Rettungspaket für Griechenland beteiligen.

Der Bankenverband forderte am Montag wirtschaftliche Anreize, damit Institute neue Anleihen des hoch verschuldeten Euro-Staates kaufen können. Als Beispiel nannte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer eine bessere Bonität der Papiere durch “gewisse Sicherheiten” - in der Diskussion sind Staatsgarantien. Ob sich aber selbst dann ausreichend Banken, Versicherer oder Fonds finden werden, ist fraglich. In europäischen Reguliererkreisen wird bezweifelt, dass sich private Investoren freiwillig an einer Rettung beteiligen. Dafür stehe für die Häuser in Griechenland zu wenig auf dem Spiel.

Nach dem Beschluss der Euro-Finanzminister sollen sich private Gläubiger an zusätzlichen Milliardenhilfen für Athen beteiligen - und zwar auf freiwilliger Basis. Die Investoren sollen demnach neue Anleihen des Schuldenstaates kaufen, wenn die alten Papiere auslaufen. Da die neuen Bonds eine längere Laufzeit hätten als die im Umlauf befindlichen Papiere, käme dies einem Zahlungsaufschub für Griechenland gleich, ohne indes den Schuldenstand zu reduzieren. Kreisen zufolge geht es dabei um rund 30 Milliarden Euro.

Deutsche Banken und Versicherer gehören zwar mit den französischen Häusern zu den größten Geldgebern Griechenlands. Mit einem Volumen von weniger als 20 Milliarden Euro sei das Gesamtengagement für die Finanzbranche aber überschaubar, sagten Banker. Eine Pleite des Euro-Landes würde die Häuser daher Finanzkreisen zufolge nicht so stark treffen, dass sie per se an einem Rettungspaket teilnehmen. Daher seien wirtschaftliche Anreize nötig. Wie diese aussehen könnten, ist noch völlig offen.

“Die Konditionen der neuen Bonds dürfen in jedem Fall nicht schlechter sein als die bisherigen”, sagte ein Banker. Eine staatliche Garantie, eine höhere Rendite oder eine vorrangige Bedienung im Pleitefall wären Finanzkreisen zufolge attraktive Anreize. “Nur wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist, können wir die neuen Anleihen kaufen, um nicht wegen Untreue verklagt zu werden”, merkte der Banker an.

Die Freiwilligkeit ist der Knackpunkt des Beschlusses der Minister: Wenn die Ratingagenturen den Eindruck bekommen, dass die Banken auf politischen Druck hin handeln, dürften sie Griechenland Zahlungsunfähigkeit attestieren. Dann käme das Land wohl kaum mehr an frische Mittel. Diesen Super-Gau wollen die Euro-Staaten verhindern. Für den Finanzexperten der Baader Bank, Robert Halver, ist eine freiwillige Beteiligung an der Griechenland-Hilfe aber Wunschdenken. “Das wird keine Bank machen, die bis drei zählen kann”, sagte er dem Sender MDR Info.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below