January 16, 2012 / 2:07 PM / 8 years ago

Griechenland schlingert auf Staatspleite zu

Athen (Reuters) - Griechenland steuert weiter auf einen Staatsbankrott zu.

Die Gespräche über die Gläubiger-Beteiligung stecken in einer Sackgasse und gefährden die Rettung des Landes. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble drängte die Finanzbranche zu Kompromissen und forderte am Montag, die Banken dürften ihre Forderungen zum geplanten Anleiheumtausch nicht überziehen. Die Regierung in Athen muss innerhalb von wenigen Tagen eine Einigung vorweisen, um nicht Ende März vor der Pleite zu stehen, wenn 14,5 Milliarden Euro an Anleihen fällig werden.

Ministerpräsident Lukas Papademos versuchte offensichtlich gute Miene zum bösen Spiel zu machen und gab sich optimistisch. Er sei zuversichtlich, dass die Gespräche über die Gläubiger-Beteiligung binnen drei Wochen abgeschlossen werden könnten, sagte er in Athen. Trotz des baldigen Eintreffens der Troika von Vertretern der Europäischen Union (EU), der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) will sich Griechenland offenbar vorab mit dem IWF kurzschließen. Regierungskreisen zufolge reisten am Montag der Chef der Schuldenagentur und ein hochrangiger Berater nach Washington.

Die griechischen Probleme rückten wenige Tage nach der Herabstufung von neun Euro-Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor’s wieder in den Mittelpunkt der Schuldenkrise. Die Differenzen zwischen der Regierung in Athen und den Gläubigern spiegelten sich auch in unterschiedlichen Aussagen wider. Während Papademos eine Einigung innerhalb von drei Wochen für ausreichend hält, muss nach Einschätzung des Internationalen Bankenverbandes (IIF), der als Vertreter der privaten Gläubiger agiert, eine Grundsatzeinigung bis Ende dieser Woche auf den Tisch. Andernfalls wäre ein rechtzeitiger Abschluss nicht mehr machbar, sagte der IIF-Chef Charles Dallara. Aktueller Zankapfel sind die Zinsen, die Griechenland für neue Bonds zahlen soll. Bankenkreisen zufolge stehen derzeit weniger als vier Prozent im Raum - die meisten Gläubiger halten dies für deutlich zu wenig.

“Das ist klar, dass die Gläubiger höhere Zinsen gern hätten”, sagte Schäuble. Da es aber auch um Garantien anderer europäischer Staaten gehe, dürfe das Ziel einer Schuldentragfähigkeit Griechenlands ab 2020 nicht durch zu hohe Zinsen bei den umzutauschenden Anleihen gefährdet werden. Die Bundesregierung erklärte, die Eckdaten für die Gespräche Griechenlands mit den Banken hätten sich nicht geändert. Nachdem sie am Freitag ausgesetzt wurden, sollen sie nun am Mittwoch fortgesetzt werden. Bis 2020 soll der Schuldenstand Griechenlands durch den Schuldenerlass und durch Strukturreformen auf 120 Prozent der Wirtschaftskraft von derzeit 160 Prozent gesenkt werden.

Die Investoren sollen dem Mittelmeerstaat über einen Anleihetausch 50 Prozent der Schulden erlassen. Die Beteiligung der privaten Anleger ist eine Bedingung für das ursprünglich auf 130 Milliarden Euro veranschlagte zweite Rettungspaket von EU und IWF, um Griechenland vor der Pleite zu bewahren.

OSBORNE - GRIECHENLANDS PROBLEME BEDROHEN EU-STABILITÄT

Papademos sagte, es gebe eine kleine Pause bei den Gesprächen zwischen Athener Regierung und Bankenverband. “Aber ich vertraue darauf, dass sie fortgesetzt werden und wir zu einem beiderseitig akzeptablen Zeitpunkt eine Einigung erzielen werden”, sagte der Ministerpräsident dem Fernsehsender CNBC. In zwei bis drei Wochen sei damit zu rechnen.

Der britische Finanzminister George Osborne sagte, die Ungewissheit über eine Lösung der griechischen Schuldenprobleme bedrohe die Stabilität Europas mehr als die jüngste Herabstufung von neun Euro-Ländern durch die US-Ratingagentur Standard & Poor’s. Sein niederländischer Kollege Jan Kees De Jager betonte, eine tragbare Schuldenlösung für Griechenland sei die Bedingung für weitere Unterstützung.

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