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Portugal kämpft um Vertrauen der Investoren
11. Januar 2011 / 15:20 / vor 7 Jahren

Portugal kämpft um Vertrauen der Investoren

Lissabon (Reuters) - Das hoch verschuldete Portugal wirbt mit neuen Sparerfolgen um Vertrauen.

<p>Euro-Symbol auf einer Ausstellung zum 10j&auml;hrigen Jubil&auml;um der Euro-Einf&uuml;hrung in Lissabon am 5. Januar 2009. REUTERS/Nacho Doce</p>

Einen Tag vor einem neuen Gang an den Kapitalmarkt verkündete Ministerpräsident Jose Socrates bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Lissabon, dass das Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr niedriger ausgefallen sei als befürchtet. Er wies am Dienstag zudem erneut Spekulationen zurück, sein Land sei nach Griechenland und Irland der nächste Kandidat für den Rettungsring von EU und IWF. Portugals Abwehrfront gegen die als Schmach empfundene Hilfe aus dem Ausland bekam allerdings erste Risse: Ein Führungsmitglied der Zentralbank mahnte, Portugal könne mit internationaler Unterstützung seine Krise besser meistern.

Mit Spannung wird die am Mittwoch geplante Ausgabe fünf- und zehnjähriger Staatsanleihen im Volumen von 1,25 Milliarden Euro erwartet. Die Rendite für die langlaufenden Anleihen liegt derzeit knapp über sieben Prozent und damit über dem Wert, den Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos vor einiger Zeit als Schmerzgrenze bezeichnet hatte. Nach Ansicht der meisten Bankvolkswirte wird die Staatsfinanzierung für Portugal so teuer, dass es nicht umhin kommen wird, unter den Euro-Schutzschirm zu schlüpfen. In Kreisen der Euro-Länder heißt es, ein Paket von 50 bis 100 Milliarden Euro Kreditgarantien werde schon vorbereitet. Die Risikoaufschläge auf portugiesische Staatsanleihen gingen am Dienstag etwas zurück. Dafür waren Händlern zufolge erneute Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank verantwortlich.

NOTENBANK ERWARTET REZESSION WEGEN SPARKURS

Socrates versuchte, mit guten Nachrichten über die Haushaltslage die Anleger gnädig zu stimmen. Das Defizit 2010 habe nach vorläufigen Berechnungen um 800 Millionen Euro unter den eingeplanten 7,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) gelegen. “Das ist ein hervorragendes Ergebnis für Portugal”, sagte der Regierungschef. 2009 hatte Portugal noch einen Fehlbetrag von 9,3 Prozent der Wirtschaftsleistung aufgetürmt. Die Zielmarke für dieses Jahr beträgt 4,6 Prozent.

Die portugiesische Zentralbank veröffentlichte unterdessen düstere Prognosen, die die Regierung beim Sparen noch mehr unter Druck setzen werden. Für 2011 erwartet sie ein Schrumpfen des BIP um 1,2 Prozent, weil der private Konsum wegen des rigiden Sparkurses schrumpfen werde. Die Defizitprognose der Regierung für 2011 beruhte auf der viel günstigeren Erwartung eines Miniwachstums von 0,2 Prozent. Socrates betonte dennoch: “Ich möchte darauf hinweisen, dass die portugiesische Regierung und Portugal nicht um Hilfe oder finanzielle Unterstützung bitten wird aus dem einfachen Grund, dass das nicht notwendig ist.”

Diese Ansicht vertritt auch der Präsident der portugiesischen Notenbank, Carlos Costa. Doch Teodora Cardoso, Direktoriumsmitglied der Zentralbank, hält internationale Hilfe für den besseren Weg. In einem solchen Fall wäre “die Anpassung nicht so abrupt”, sagte die Notenbankerin der Nachrichtenagentur Lusa. “Aber wenn wir es alleine tun, muss es brutal sein, damit die Märkte es auch glauben.”

FINNLAND: PORTUGAL MUSS NOCH HÄRTER SANIEREN

Bundeskanzlerin Angela Merkel signalisierte unterdessen Vertrauen in den Reformwillen des Euro-Partnerstaates. “Aus meiner Sicht hat Portugal sehr wichtige und einschneidende Maßnahmen ergriffen”, sagte Merkel bei einem Besuch auf Zypern. Die EU-Kommission müsse sagen, ob die Maßnahmen ausreichten, um die avisierten Ziele zu erreichen. Socrates habe versichert, dass “Portugal bereit ist, diese Fragen zu beantworten und gegebenenfalls weitere Schritte zu machen. Diesen Prozess müssen wir jetzt in Ruhe fortsetzen.”

Für die finnische Regierung steht derweil schon fest, dass Portugal noch mehr sparen und Reformen anpacken muss. “Portugal hat bereits viele Maßnahmen angekündigt, aber es wäre gut, zu überlegen, was zusätzlich getan werden kann”, sagte Finanzministers Jyrki Katainen dem finnischen Sender MTV3. Irland sei möglicherweise nicht das letzte Land gewesen, das um Finanzhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds bitte. Der Finne ist damit der erste Politiker, der einräumt, dass Portugal auf eine Hilfsanfrage zusteuert. Deutschland und Frankreich hatten zuletzt Medienberichte dementiert, sie drängten das südeuropäische Land dazu.

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