December 23, 2011 / 1:57 PM / in 8 years

Kreise-S&P urteilt erst 2012 über Rating der Euro-Länder

London (Reuters) - Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) wird ihr mit Spannung erwartetes Bonitätsurteil für Deutschland und 14 weitere Euro-Länder nicht mehr in diesem Jahr fällen.

Das Ergebnis werde erst im Januar mitgeteilt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag aus zwei voneinander unabhängigen Quellen. Die Konkurrenz von Moody’s stufte derweil mit Slowenien ein weiteres Euro-Land herab. Österreich blieb dieses Schicksal vorerst erspart.

“Wir haben ein informelles Signal erhalten von Standard & Poor’s, wonach sie damit erst im Januar herauskommen wollen”, sagte ein hochrangiges Regierungsmitglied eines Euro-Landes zu Reuters. “In den bisher geführten Gesprächen haben sie das zwischen den Zeilen durchblicken lassen.” Alle Ergebnisse dürften demnach auf einen Schlag veröffentlicht werden. Auch ein

Regierungsvertreter eines zweiten Euro-Landes rechnet erst im Januar mit einer Bekanntgabe. S&P lehnte einen Kommentar ab.

“SYSTEMISCHE VERTRAUENSKRISE”

Die einflussreiche Agentur hatte am 6. Dezember den Ausblick für das Rating der 15 Euro-Länder auf “negativ” gesetzt und damit eine Herabstufung binnen drei Monaten vorbereitet. Sollte es dazu kommen, würden mit Deutschland und Frankreich die beiden größten Volkswirtschaften der Währungsunion ihre Bestnote “AAA” verlieren. Das könnte für die betroffenen Länder höhere Finanzierungskosten in Form steigender Zinsen nach sich ziehen. Auch der Rettungsfond EFSF könnte seine Bestnote verlieren, was deren Finanzierung verteuern würde. Der 440 Milliarden Euro große EFSF wurde im Mai 2010 aus der Taufe gehoben. Er versorgt derzeit Portugal und Irland mit günstigen Krediten.

Die Ratingagentur hatte ihre Entscheidung mit der besorgniserregenden Entwicklung der Schuldenkrise begründet. Deren Lösung werde durch die Uneinigkeit der Regierungen behindert. Es bestehe eine “systemische Vertrauenskrise” mit Rezessionsgefahren. Sie wollte ihre Ergebnis aber vom Ausgang des EU-Gipfels abhängig machen, der kurz nach der Senkung des Ausblicks stattfand. Dort einigten sich die EU-Staaten auf einen neuen Pakt mit strikteren Regeln zum Schuldenabbau und einer engeren wirtschaftspolitischer Koordination.

DAUMEN RUNTER

Die konkurrierende Ratingagentur Moody’s stufte die Kreditwürdigkeit Sloweniens um eine Note auf A1 herab. Das ist die fünftbeste Note, die sie zu vergeben hat. Staatsanleihen des Euro-Landes gelten damit weiter als prinzipiell sichere Anlage. Der Ausblick sei aber negativ. Grund sei die zunehmende Gefahr für den Staat, das Bankensystem möglicherweise weiter unterstützen zu müssen. Auch die höheren Zinskosten des Staates wegen der anhaltenden Euro-Krise belasteten. Zur EU gehört Slowenien mit seinen rund zwei Millionen Bürgern seit 2004, drei Jahre später hat das Land den Euro eingeführt.

Dagegen hält Moody’s an der Top-Bonitätsnote für Österreich fest. Auch der Ausblick bleibt stabil. Die Bewertung hänge aber zunehmend von der Lösung der Euro-Schuldenkrise ab. Sie wirke sich negativ auch auf Kernländer der Euro-Zone aus. Je länger die Märkte unter Drück blieben, desto wahrscheinlicher gerate auch die Kreditwürdigkeit von Ländern mit einer Spitzenbewertung wie Österreich unter Druck, hieß es.

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