April 19, 2012 / 12:47 PM / in 8 years

Spanien verschafft sich in Schuldenkrise etwas Luft

Madrid (Reuters) - Das wieder ins Visier der Finanzmärkte geratene Spanien hat sich mit einer geglückten Auktion am Anleihenmarkt eine kleine Atempause verschafft.

Die Regierung in Madrid sammelte am Donnerstag wie erhofft gut 2,5 Milliarden Euro bei den Investoren ein. Dennoch bleibt das Land im Fadenkreuz. Die Risikoaufschläge für zehnjährige Anleihen zogen leicht an. Für Aufregung sorgten Gerüchte, das nicht mehr als Top-Schuldner geltende Frankreich könnte von einer weiteren Ratingagentur herabgestuft werden. Dies wurde von ranghohen Regierungskreisen allerdings umgehend dementiert. Wenige Tage vor der Präsidentenwahl konnte sich Frankreich am Markt allerdings problemlos frisches Geld besorgen. Bangen um einen Verbleib im Club der ausfallsicheren Staaten müssen nun auch die Niederlande: Die Ratingagentur Fitch warnte vor dem Verlust der Spitzennote.

In Spanien war nach der erfolgreichen Auktion zunächst durchatmen angesagt, doch sehen Experten keinen Grund zur Entwarnung. “Spanien hat eine Hürde genommen, aber die nächste ist nicht weit weg”, sagte Ökonom Marc Ostwald von Monument Securities. Die Aktienmärkte und der Euro legten in Reaktion auf die Auktion zunächst zu, büßten diese Gewinne dann jedoch wieder ein und drehten angesichts der Gerüchte über Frankreich am Nachmittag teils deutlich ins Minus.

Das mit einem ausufernden Staatsdefizit und Problemen im Bankensektor kämpfende Spanien steht mittlerweile im Zentrum der Schuldenkrise. Regierungschef Mariano Rajoy hatte in Brüssel ein weniger ehrgeiziges Defizitziel für dieses Jahr durchgesetzt und damit bei den Anlegern Kredit verspielt. Die Zinsen für umlaufende zehnjährige Anleihen waren in dieser Woche zum ersten Mal in diesem Jahr vorübergehend über die kritische Marke von sechs Prozent geklettert.

Beim zweiten Verkauf eines zehnjährigen Papiers in diesem Jahr musste Spanien den Investoren nun eine Rendite von 5,743 Prozent bieten, nachdem Anfang des Jahres 5,4 Prozent fällig geworden waren. Das rege Interesse an den Schuldtiteln sorgte jedoch für Erleichterung. Die Auktion war 2,4-fach überzeichnet und damit noch etwas stärker als zuletzt. Insgesamt verkaufte Spanien zehnjährige Papiere im Volumen von 1,425 Milliarden Euro und zweijährige Titel über 1,116 Milliarden Euro. Für den Anleihen-Strategen Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets hat Spanien damit sein Ziel erreicht, “wenn auch ein bescheidenes”. Wichtiger seien die Haushaltslage und das Wachstum. “Jeder Rückgang der Renditen wird kurzlebig sein, solange die Glaubwürdigkeit der spanischen Regierung nicht besser wird.”

INVESTOREN BEFÜRCHTEN NACH WAHLEN KURSWECHSEL IN FRANKREICH

Frankreich verkaufte wie vom Finanzministerium erhofft Anleihen mittel- bis langfristiger Laufzeit im Gesamtvolumen von knapp acht Milliarden Euro. Dabei überstieg die Nachfrage das Angebot sogar um das dreifache. Die anstehenden Wahlen am Sonntag trugen zu dem Interesse bei, weil die Unsicherheit über den zukünftigen politischen Kurs die Renditen am Markt für umlaufende Anleihen zuletzt etwas in die Höhe getrieben hatte. “Die Investoren fürchten einen Kurswechsel, falls (der sozialistische Herausforderer) Francois Hollande an die Macht kommt”, sagte Analyst Stamenkovic.

Für Frankreich wird der Spielraum als sicherer Schuldner zudem enger. Nach der Aberkennung der Top-Note durch die mächtige Ratingagentur Standard & Poor’s hat auch deren kleinere Rivalin Moody’s bereits Zweifel an der Bonität der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone angemeldet. Trotz der geglückten Auktion ließen die jüngsten Gerüchte um eine Herabstufung die Risikoaufschläge auf zehnjährige französische Anleihen um zehn auf 148 Basispunkte steigen. Mehrere Händler hatten an verschiedenen europäischen Handelsplätzen von Spekulationen über eine Herunterstufung des Länderratings Frankreichs gesprochen. Ein Händler sagte, Moody’s plane diesen Schritt.

Auch die Top-Note der Niederlande wackelt mittlerweile bedrohlich. “Die Niederländer stehen am Rande eines negativen Rating-Vorgangs”, warnte Fitch-Analyst Chris Pryce in der britischen Zeitung “Daily Telegraph”. “Sie gehen Risiken ein, wenn sie die Schulden weiter anwachsen lassen”, mahnte er und verwies darauf, dass der Fitch-Ratingausschuss im Juni beraten werde. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hatte bereits im Januar die Niederlande vor einer Herabstufung gewarnt, sollten die öffentlichen Finanzen zu stark aus dem Ruder laufen. Die Minderheitsregierung von Ministerpräsident Mark Rutte verhandelt seit Wochen über zusätzliche Sparmaßnahmen, um das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr wieder unter die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Experten hatten zuletzt gewarnt, dass ohne Kurswechsel der niederländische Gesamtschuldenstand gemessen am BIP 2013 auf 73 Prozent steigen dürfte von 65 Prozent im vorigen Jahr.

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