September 6, 2018 / 10:50 AM / 2 months ago

Schweizer Wirtschaft wächst kräftig - trotz Handelsstreit

A general view of the construction site of THE CIRCLE Convention Centre Zurich Airport, Switzerland April 25, 2018. REUTERS/Arnd Wiegmann

Zürich (Reuters) - Der internationale Handelsstreit hat bislang keine Bremsspuren in der exportorientierten Schweizer Wirtschaft hinterlassen.

Von April bis Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben vom Donnerstag im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent und damit stärker als erwartet. Grund dafür war die anhaltend kräftige Nachfrage aus dem Ausland. Zudem war der Franken im Vergleich zum Euro schwächer als in den Jahren davor. Das macht Schweizer Produkte andernorts günstiger. Im Vergleich zum Vorjahr betrug das Wachstum im Frühjahr 3,4 Prozent - das größte Plus seit acht Jahren. Experten hatten hier mit 2,4 Prozent gerechnet.

Zu den wichtigsten Exportartikeln der Schweiz zählen chemische und pharmazeutische Produkte, gefolgt von Maschinen und Elektronikwaren sowie Uhren. Der größte Absatzmarkt ist Deutschland, gefolgt von den USA. Experten hatten in den vergangenen Monaten immer wieder vor einer Abkühlung des weltweiten Wirtschaftswachstums durch den von den USA angezettelten Handelsstreit gewarnt.

“Die Sorgen wegen eines möglichen Handelskriegs bleiben”, sagte Ökonom Ronald Indergand, der für die Wachstumsprognosen der Regierung in Bern zuständig ist. Sollte Europa davon betroffen sein, hätte dies auch Auswirkungen auf die Schweiz. Doch solange die Risiken nicht zur Realität würden, sei der Aufschwung nachhaltig. “Das Fundament ist solide.”

Auch zu Jahresbeginn lief es für die Schweizer Wirtschaft deutlich besser als ursprünglich gedacht: Die Ökonomen des Staatssekretariats für Wirtschaft revidierten das Wachstum im Quartalsvergleich rückwirkend auf ein Prozent (bisher 0,6 Prozent) nach oben. Im ersten Quartal hatten Lizenzeinnahmen und Fernsehgebühren für die Veranstalter der Olympischen Spiele und der Fußball-Weltmeisterschaft für einen Wachstumsschub gesorgt. Für das Gesamtjahr könnte sich damit ein Wirtschaftswachstum “näher bei drei als bei zwei Prozent” abzeichnen, so Indergand. Bislang war die Regierung für 2018 von einem Plus von 2,4 Prozent ausgegangen. Im Vorjahr waren es nach revidierten Angaben 1,6 Prozent.

Die Daten helfen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Sie hatte in den vergangenen Jahren Hunderte Milliarden in Devisenkäufe gesteckt, um den Franken künstlich zu schwächen und die exportorientierte Wirtschaft zu stützen. “Die Schweizer Wirtschaft ist deutlich stärker als ursprünglich gedacht. Das zeigt, dass der Exportsektor sehr gut mit dem aktuellen Wechselkurs umgehen kann und weitere Interventionen der SNB alles andere als nötig sind”, erklärte Karsten Junius, Ökonom bei der Privatbank Safra Sarasin. Aktuell kostet ein Euro 1,1281 Franken. Damit hat der Franken in den vergangenen Monaten zur wichtigsten Exportwährung Euro zwar wieder an Wert gewonnen. Von Anfang 2015 bis Mitte 2017 war der Franken jedoch noch deutlich stärker.

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